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Marvin: „Das Fach war mir einfach zu abstrakt (…). Ich wollte gerne etwas „Richtiges“ schaffen“

Marvin, Ausbildung zum Industriekaufmann, zuvor Wirtschaftsinformatik

Die ersten Zweifel am Studieren kamen mir im Sommer 2018. Ich war zu diesem Zeitpunkt im zweiten Semester Wirtschaftsinformatik an der TU Braunschweig eingeschrieben. Das Fach war mir zu abstrakt. Ich konnte mir nicht so wirklich etwas darunter vorstellen. Erklärt habe ich es mir damit, dass man in den ersten Semestern nur die Grundlagen kennenlernt, wie man es von vielen Menschen hört. Sei es Familie, Freunde oder auch die Professoren und Professorinnen der ersten Vorlesungen: „In den ersten Semestern wird aussortiert, dann geht es richtig los.“ Das habe ich sehr häufig gehört. Als es dann im dritten Semester spezifischer wurde, habe ich gemerkt, dass das Studienfach nichts für mich ist. Mir fehlte schlicht und einfach das spezifische Interesse. Trotzdem habe ich es vorerst fortgeführt. Ich bin zu Vorlesungen gegangen, habe die Übungen besucht und Hausaufgaben pflichtbewusst gemacht. Im Dezember hat es mir dann gereicht. Ich war mir so unsicher, ob ich weitermachen sollte oder nicht, deshalb habe ich nach Hilfe gesucht.

Nach einer kurzen Suche im Internet bin ich auf „die“ Wegbereiter gestoßen. Ich habe mir zunächst einige der Blogeinträge durchgelesen und mich dazu entschieden, ihnen eine E-Mail zu schreiben. Ich bekam sehr zeitnah eine Antwort und auch gleich einen Vorschlag für ein erstes Gespräch zugesandt. Dieses Gespräch fand wenige Tage später mit Marcus und Susann statt. Ich weiß noch sehr genau, dass ich vor diesem Gespräch aufgeregt war. „Ist mein Problem überhaupt ein Thema?“, „Mache ich mich nicht vielleicht lächerlich, schließlich studiere ich ja ‚erst‘ drei Semester?“; aber es wurde mir sehr schnell klargemacht, dass ich mir darüber keine Gedanken machen muss. Nach diesem ersten Gespräch war ich mir dann auch sicher: Dieses Studium führe ich nicht weiter fort. Generell gab es im ersten Gespräch eine Orientierungsphase mit den Fragen: „In welche Richtung soll es gehen? Welche Richtungen stehen mir zur Auswahl? Ein anderer Studiengang? Duales Studium? Eine Ausbildung?“. Relativ schnell wurde klar, dass mir der praktische Teil im Studium fehlt. Ich wollte gerne etwas „Richtiges“ schaffen. Mich zugehörig fühlen. Sagen können: „Da habe ich dran mitgearbeitet, das ist mein Ergebnis.“ Dieses Gefühl hatte ich während des Studiums nicht, auch wenn ich dort natürlich Klausuren geschrieben und auch bestanden habe. Doch diese Ergebnisse waren mir nicht „real“ genug. Ich brachte dann den Ausbildungsberuf des Industriekaufmanns in das Gespräch ein, für den ich mich nach weiteren Gesprächsterminen entschieden habe.

Dafür hat Marcus mir immer wieder Denkanstöße zukommen lassen. Sei es im Gespräch oder durch Methoden, die ich zuhause selbst bearbeiten bzw. durchführen konnte. Außerdem habe ich am Berufsprofiling-Test des Rotary Club Braunschweig-Hanse teilgenommen. Dort wurden mir meine Stärken und Schwächen noch einmal vor Augen geführt und meine Entscheidung zur Ausbildung unterstützt. Ein Termin bei der Agentur für Arbeit hat mich ebenfalls in meiner Entscheidung bestärkt, und mir wurde bei der Erstellung meiner Bewerbungsunterlagen sehr geholfen. Zudem waren auch Fragen wie „In welchem Ort absolviere ich die Ausbildung?“ und „Wie erzähle ich meinen Eltern von der Entscheidung?“ Themen in den Gesprächen und dem ständigen E-Mailkontakt. Auch diesbezüglich wurde ich mit sehr guten Tipps versorgt und mir wurde Sicherheit vermittelt.

Aktuell befinde ich mich noch in der Zeit zwischen Studium und Ausbildung, die am 01.08.2019 beginnt. Die Ausbildung werde ich dann bei Bertrandt in Tappenbeck absolvieren. In der Zwischenzeit arbeite ich viel in meinem Nebenjob, um die Zeit bis zum Beginn zu überbrücken und freue mich schon sehr auf den Beginn. Ich habe ein gutes Gefühl, dass diese Ausbildung zu mir passt.

Würde ich anderen „die“ Wegbereiter empfehlen? Auf jeden Fall! Ich wurde dort sehr freundlich empfangen; ich wurde ernst genommen und habe wirklich gute Tipps, Hinweise und Methoden bekommen, die mir bei meinem Entscheidungsprozess geholfen haben. Ganz besonders toll fand ich, dass es keine einfache Berufsberatung war, sondern es auch um mich als Menschen ging. Es wird nicht nur versucht, einem bei der Berufs- oder Studienwahl zu helfen, sondern auch wie man mit persönlichen Problemen umgeht, die damit einhergehen.

Theresia: „You’ll never know until you try“

Theresia, Bachelorabschluss Umweltnaturwissenschaften, TU Braunschweig

Mindestens einmal im Leben steht man an einer Kreuzung an man hofft, man sei noch 5 Jahre alt und die Eltern einem sagen, was zu tun ist. Man weiß nicht, welche Richtung man gehen soll. Ob es die richtige Entscheidung ist. An der man hofft, Welche Entscheidung am besten sei. Doch diese Entscheidung kann uns keiner abnehmen. Es liegt an uns, welchen Weg wir einschlagen und welchen wir als richtig erachten. Auch wenn es uns sehr schwer fällt, wir verzweifelt sind und nicht mehr weiter wissen. Auch wenn wir nachts weinend im Bett liegen und an uns zweifeln. Mindestens einmal im Leben stellen wir uns die Frage, welche Richtung soll ich gehen? Wo führt mich mein Weg hin?

Diesen Moment habe ich während meiner Studienzeit gehabt. Ich war mir sicher, ich habe eigentlich den richtigen Weg eingeschlagen. Es ist mein Traumberuf. Doch dann gab es eine Mauer, die unüberwindbar erschien, die mein Leben veränderte. Negativ oder positiv. Ein Hindernis, welches meine ganze Zukunft, meinen Werdegang bestimmen wird. Ein Hindernis, welches mich verzweifeln ließ, welches alles auf den Kopf stellte. Doch was sollte ich tun? Wie soll es weitergehen? Was kann ich machen? Soll ich aufhören oder weiterkämpfen, bis zum Schluss? Wer kann mich verstehen? Wer kann mir helfen? Bin ich alleine? Ich habe bereits Hilfe bei der psychotherapeutischen Beratungsstelle in Braunschweig gesucht, um gegen den Hauptgrund meines zukünftigen Versagens anzugehen. Doch stelle ich mir weiterhin die Fragen, was wäre, wenn ich es nicht schaffe?

 Wenn meine Schwäche überwiegt und ich nicht so weitermachen kann? Da fand ich im Warteraum der Beratungsstelle die Flyer der Wegbereiter. Ich informierte mich übers Internet von diesem Angebot. Doch können sie mir wirklich helfen? Können sie wirklich meine Lage verstehen? Werden sie mich auch nicht auslachen? Ich nahm allen Mut zusammen und meldete mich bei der Beratungsstelle. Meine Verzweiflung brachte mich dazu, über einen Studienabbruch nachzudenken. Ich brauche Hilfe, da ich keine Ahnung hatte, wie so etwas funktionierte. Nach dem ersten Händedruck habe ich mich geborgen gefühlt. Ich fühlte mich verstanden und meine ganzen Ängste waren wie verflogen. Ich war nicht alleine. Es fühlte sich an, als würde ich mit meinem Berater an dieser Kreuzung stehen, an der ich nicht weiterwusste. Mit ihm konnte ich über die möglichen Wege reden; welche Vor- und Nachteile entstehen könnten; dass es nicht beschämend ist, Schwäche zu zeigen. Sie gaben mir Zuspruch, Mut und Kraft für das zu kämpfen, was ich will.

Ich kämpfte weiter. Ich gab nicht auf. Mit Erfolg. Ich überwand die Mauer und schaffte es so ins Ziel. Nun habe ich meinen Bachelorabschluss und das trotz großer Zweifel. Ich habe dadurch Stärke gefunden, mein Selbstbewusstsein stieg und ich bin stolz. Überglücklich, weiter gemacht zu haben. Und dass auch dank der Wegbereiter. Für all jene, die Zweifel haben, nicht weiterwissen, würde ich die Wegbereiter immer weiterempfehlen. Auch wenn ich doch nicht mein Studium, wie gedacht, abgebrochen habe, so haben sie mir weitergeholfen, in dem sie mir gezeigt haben, dass ich nicht aufgeben möchte. Dass ich weitermachen will. Dass ich meinen Job liebe. Und dass man für etwas was man liebt, kämpfen sollte. Aber auch, dass es keine Schande ist, einen neuen Weg einzuschlagen. Dass man keine Angst davor zu haben braucht. Dass ein neuer Weg auch ein neuer Anfang ist. Und dass dies immer eine neue Chance mit sich bringt.

Bereits Walt Disney hat diesen einen Satz erwähnt, der jedem im Gedächtnis bleiben sollte, egal ob er weiter studieren möchte, oder einen neuen Weg einschlagen will und sich nicht traut:

„You’ll never know until you try“

Foto: Kreutzmann, TU Clausthal

Kevin Marcel: „Ganz wichtig ist, wie man mit der Situation des Studienzweifels umgeht!“

Kevin Marcel, Alternative Bankkaufmann, zuvor Elektro- und Informationstechnik

Schon seit einiger Zeit verließ mich die Motivation in meinem Studiengang zum Elektro- und Informationstechniker, da mir besonders der Bezug zur Praxis gefehlt hat. Zuvor hatte ich nach Abschluss meines Abiturs die Hochschulzugangsberechtigung erworben. Weil es sich interessant anhörte und als sehr praxisnah beschrieben wurde, fing ich das Studium an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften an und konnte mich auch am Anfang noch gut damit identifizieren. Es waren viele neue Themen und viel Theoretisches was dort auf einmal auf mich zu kam. Ich fing an mir Gedanken zu machen, ob das wirklich das Richtige für mich ist und ob es nicht noch viele andere Sachen geben könnte, die mir besser gefallen würden. So fingen die ersten Zweifel an, die dann auch die Motivationslosigkeit mit sich brachten.

Nach langem Überlegen und einigen studieninternen Beratungen bei Beratungsstellen der Ostfalia Hochschule, die mir allerdings nicht wirklich helfen konnten, bin ich durch die Braunschweiger Zeitung auf das Projekt Wegbereiter aufmerksam geworden. Daraufhin habe ich mich im Internet erkundigt, wie mein weiteres Vorgehen auszusehen hat.

Heute bin ich Auszubildender im zweiten Lehrjahr der Bausparkasse Schwäbisch Hall und dankbar, dass das Projekt Wegbereiter mir gerade in dieser schweren Findungsphase zur Seite stand und mir bei allem was so angefallen ist unter die Arme griff. Ich war überrascht, wie schnell ein Treffen zu einer Beratung stattfinden konnte und wie groß das Interesse an meiner Person war. Denn im Gegensatz zu anderen Beratungsstellen, hat man hier gemerkt, dass die Berater eine Lösung finden möchten und das am liebsten mit mir zusammen. Die Agentur für Arbeit hat mit mir eine Art „Bedarfsgespräch“ geführt, um heraus zu finden in welche Richtung ich beruflich weitergehen möchte und was dabei ausgeschlossen werden kann. Dabei wurde ich darin bekräftigt, eine Ausbildung im Finanz- und Bankensektor oder als Industriekaufmann anzufangen, da dies mit meinen Interessen übereinstimmte. Außerdem hat die Agentur für Arbeit sich meine Bewerbungsunterlagen angeschaut und überarbeitet, sie hat mir Stellenangebote herausgesucht und meine Unterlagen zur Ausbildungssuche an sämtliche Kontakte mit Empfehlung weitergegeben. Bei den Studienberatungen hat man gemerkt, dass der Fokus auf die Fortsetzung des Studiums oder auf einen Studiengangwechsel gelegt wurde, aber alle weiteren Möglichkeiten wie z.B. der Ausbildungsmarkt nicht in Betracht gezogen wurden. Ich hätte mir gewünscht, dass ich schon früher z.B. über die Hochschule auf das Projekt Wegbereiter aufmerksam gemacht worden wäre*.

Nachdem meine Bewerbungsunterlagen überarbeitet wurden, kamen auch schon die ersten Zusagen rein. Keine paar Tage später meldete sich die Bezirksdirektorin der Bausparkasse Schwäbisch Hall auf meine Bewerbung und lud mich sofort zu einem Bewerbungsgespräch in die Volksbank Wolfenbüttel eG ein. Das Ganze ging dann so schnell, dass ich direkt zu dem Assessment Center in Schwäbisch Hall eingeladen wurde, dieses bestanden habe und anschließend den Vertrag zum Bankkaufmann im Außendienst unterschrieben habe. Nun bin ich als Bankkaufmann im Außendienst in meiner Heimat und in der Umgebung unterwegs und darf Menschen bei der Erfüllung ihrer Wohnträume oder bei dem Aufbau von Vermögen und Vorsorge für das Alter weiterhelfen.

Abschließend kann ich behaupten, dass die Beratung durch das Projekt Wegbereiter, zumindest was mich betrifft, erfolgreich und umfassend war. Jedem, der nicht genau weiß, ob er richtig aufgehoben ist in seinem Studiengang, empfehle ich, sich einmal einen anderen Blickwinkel einzuholen und vielleicht mal zu schauen, was es sonst noch so gibt, bevor man sich in etwas verrennt und nicht weiter weiß.

Ganz wichtig ist, wie man mit der Situation umgeht! Denn ein Studienwechsel, oder gar ein Abgang, ist nichts Verwerfliches. Im Gegenteil, wenn man etwas gefunden hat, was einem besser gefällt und man selbst merkt, dass Zweifel aufkommen, dann braucht man etwas Mut zur Veränderung um aus einer Situation mit der man vielleicht nicht ganz zufrieden ist, eine bessere zu machen. Ich habe den ersten Schritt gemacht, indem ich mich für eine Beratung entschieden habe. Der erste Schritt ist immer der schwerste. So ist der Stein ins Rollen gekommen.

Bei Bewerbungen auf Ausbildungsplätze ist es hilfreich, wenn Arbeitgeber die „dringend“ Auszubildende suchen, sich auch dementsprechend verhalten und nicht monatelang auf eine Antwort von sich warten lassen, also das Zusammenspiel von Arbeitgebern und Agentur für Arbeit hat definitiv noch Potential nach oben. Ich hoffe für die nachfolgenden Ausbildungssuchenden, dass dort Änderungen in naher Zukunft eintreten werden.

Foto: privat

* Kommentar: Die Zentralen Studienberatung der regionalen Hochschulen beraten neutral und ergebnisoffen. Anders als durch Kevin Marcel angesprochen, ist es nicht die Absicht einer Zentralen Studienberatung Studierende, die an einem Studienerfolg zweifeln, einseitig zu beraten oder gar zu einem Studienverbleib zu drängen. Daher: Traut euch ins Beratungs- und Helfersystem einzusteigen und „eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete“, um eine gute Beratung als gemeinsames Produkt zu erleben!

 

Daria: „Die Exmatrikulation war das Beste, was mir passieren konnte“

Daria: „Die Exmatrikulation war das Beste, was mir passieren konnte“

Daria, 25 Jahre, holt ihre allgemeine Hochschulreife am Abendgymnasium nach

Aufbauend auf meiner Fachhochschulreife für Wirtschaft und Verwaltung habe ich an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel den Studiengang „Recht, Finanzmanagement und Steuern“ studiert. Nach 5 Semestern habe ich vor etwa einem Jahr dann eine Prüfung im Drittversuch nicht bestanden – und das war letztlich das Beste, was mir passieren konnte.

Es ist natürlich sehr schwierig, in dieser emotionalen Situation Beratung in Anspruch zu nehmen. Für mich war es insoweit schwer, weil ich erst einmal mich selbst sortieren musste – denn man weiß ja gar nicht, wie es weitergeht. Im ersten Moment muss man erstmal verarbeiten. Ich war dann bei meinem Lerncoach der Fakultät Recht (siehe Lerncoaching, Beratungsangebot an der Ostfalia HaW), welches an allen Fakultäten angesiedelt ist und Lernhilfen gibt, aber auch bei persönlichen Krisen oder Veränderungswünschen unterstützt). Die Beraterin hat mich auch in der Phase vor und nach der Exmatrikulation begleitet und empfahl mir die Wegbereiter. Eigenständig und selbst wäre ich, so glaube ich, nie darauf gekommen.

Ich hatte damals noch gar keine eigenen Alternativen im Kopf. Ich war erst einmal total verloren und wusste gar nicht, wo ich anfangen soll, ich hatte tausend Gedanken im Kopf. Somit war Wegbereiter eine sehr große Hilfe für mich. Die Unterstützung ist wirklich sehr individuell abgestimmt. Man lernt sich erst einmal kennen und dann stellt man dir die Frage: „Was ist denn jetzt dein Ziel?“ Darüber war ich mir auch schon während des Studiums gar nicht bewusst. Das hat sich erst in den Beratungsgesprächen herauskristallisiert. Ein Problem, mit dem ich zu kämpfen hatte, war halt die mangelnde Motivation, ein neues Studium anzugehen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich gedacht: „Du bist zu doof für ein Studium! Das hat jetzt nicht geklappt, also machst du halt eine Ausbildung.“ Aber da war die Frage: Welcher Beruf passt denn zu mir? Das habe ich mit in die Beratung genommen, und daraufhin haben mich die Wegbereiter unter anderem zum Career Service der Ostfalia und zur Studien- und Berufsberatung von der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar geschickt, wo zum Beispiel auch erstmal formale Qualifikationen, die ich schon mitbringe, aufgezeigt und gesammelt wurden. Tatsächlich war dann aber nichts dabei, was mich begeistert hat.

Parallel hatten mir die Wegbereiter noch ein Workshopangebot der Zentralen Studienberatung der TU Braunschweig empfohlen, bei dem mit Methoden der Potenzialanalyse gearbeitet wird. Dadurch habe ich erfahren, dass ich viel eher in Berufe passe, wo ich mich ausleben kann und anderen Menschen etwas beibringe, also künstlerisch-pädagogische Richtungen. Deshalb habe ich mich entschieden, weiter zu studieren – aber in eine ganz andere Richtung, nämlich in Richtung Lehramt. Mit meinem Fachhochschulabschluss kann ich das aber nicht machen, deshalb hole ich jetzt meine allgemeine Hochschulreife am Abendgymnasium nach und arbeite außerdem tagsüber.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich bereits im 3. oder 4. Semester Zweifel an meinem Studium. Aber da man in einer Leistungsgesellschaft lebt, habe ich gedacht: „Nein, es ist nur mangelnde Motivation, die nach einer Zeit schon wiederkommt. Zieh das einfach durch!“ Und dementsprechend wurde ich von mir selbst, aber auch von meinen Freundinnen und Kommilitoninnen eben zum Weitermachen motiviert und animiert.

Bloß sollte es eben nicht sein. Es war nicht der richtige Weg für mich. Aus der Beratung habe ich zum Glück den Mut mitgenommen, meinen eigenen Weg zu finden und auch zu gehen.

Foto: Wegbereiter

Maverick: „Macht das, womit ihr euch wohlfühlt“

Maverick: Macht das, womit ihr euch wohlfühlt

Maverick, 22 Jahre, Auszubildender bei Cargill in Salzgitter

Schon früh in meinem Studium Mathematik und Geschichte auf Lehramt habe ich gemerkt, dass studieren mir nicht wirklich liegt. Ich hatte keinen geregelten Tagesablauf, die Lehrveranstaltungen waren mir viel zu theoretisch und die Klausuren liefen auch eher so mittelprächtig. Während des ersten Pflichtpraktikums im 2. Semester, bei dem ich hauptsächlich in der Schule hospitiert und kleine Unterrichtseinheiten übernommen habe, lief es aber noch ganz gut. Daher dachte ich mir: „Immerhin scheint der Beruf zu passen, dann lohnt es sich auch durchs Studium zu beißen!“

Als die nächsten Semester dann aber nicht besser liefen als die ersten beiden, ich Klausuren nicht bestanden hatte und meine Motivation völlig im Keller war, kamen die ersten echten Zweifel. Schaffe ich das Studium wirklich?
Dann kam das zweite Praktikum, in dem man bereits mehr Unterricht übernimmt und langsam an das täglich Brot eines Lehrers herangeführt wird. Zu dieser Zeit habe ich gemerkt, dass der Beruf des Lehrers nicht so richtig das ist, was ich wirklich möchte. Hier fiel eigentlich schon der Entschluss, dass ein Abbruch das Beste für mich wäre. Da ich für mich jedoch keinen Plan B hatte, war ich mit dieser Situation ziemlich überfordert.

Was sollte ich jetzt machen? Zurück zu den Eltern – eher keine Option.

Ein anderes Studium? Das erste hat ja schon nicht funktioniert.

Also habe ich beschlossen, mir für diesen Schritt Hilfe zu suchen – bei Google mithilfe der Stichworte:
„Studienabbruch Braunschweig“. Erster Link: Wegbereiter. Eine Initiative, direkt unterstützt von der Uni? Erst mal eine Mail schreiben und schauen, ob die einem wirklich helfen können. Zwei Tage später kam die Antwort. Eine Woche später hatte ich einen Termin, zu dem ich mit etwas mulmigen Gefühl hingegangen bin, denn es war das erste offizielle Gespräch abgesehen von Gesprächen im engsten Familien- und Freundeskreis.

Wir haben dann erst einmal viel über mich, das Studium und die möglichen weiteren Schritte gesprochen. Am hilfreichsten war schließlich die Weiterleitung an die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Auch hier habe ich schnell einen Termin bekommen. Mithilfe der verschiedenen Beratungen habe ich mich entschieden, dass ich statt des Studiums lieber eine Ausbildung machen möchte. Da es bereits März war, sah ich jedoch keine sonderlich großen Chancen mehr, für den Herbst noch einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar hat mich jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass es durchaus noch einige freie Ausbildungsplätze gab. Ich durfte an einem hervorragenden Bewerbungstraining teilnehmen und habe tatsächlich noch einen Ausbildungsplatz zum Industriekaufmann gefunden.

Während der ganzen Zeit hat Wegbereiter mich begleitet und unterstützt, wofür ich im Nachhinein wirklich dankbar bin. Als der Entschluss zum Abbruch fiel, war ich orientierungslos und wusste kaum, was ich stattdessen machen wollte und wie genau es weitergehen kann. Wegbereiter hat mir wie ein Leuchtturm verschiedene mögliche Wege gezeigt, wodurch ich seit inzwischen 6 Monaten zufrieden in der betrieblichen Ausbildung angekommen bin.

Der Abbruch hatte für mich persönlich auch keinerlei Nachteile. Im Gegenteil, er hat mich für die Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, interessanter gemacht. Die Klausuren in der Berufsschule sind im Gegensatz zu dem, was ich aus der Uni gewöhnt war, sehr einfach. Ich habe inzwischen einfach das Gefühl, ausbildungstechnisch das für mich Richtige zu machen – auch dank Wegbereiter.

Falls ihr ebenfalls in der Situation seid, dass ihr an eurer Studienwahl zweifelt, kann ich euch nur einen Tipp geben: Tragt diese Gedanken nicht allein mit euch rum. Sprecht mit irgendwem drüber, ganz egal ob Familie, Freunde oder Außenstehende. Und am wichtigsten: Macht das, womit ihr euch am wohlsten fühlt, unabhängig davon, was andere vielleicht von euch erwarten. Ein Studium passt meiner Meinung nach nun einmal nicht für Jeden. Das ist okay und keine Schande. Eine Ausbildung ist keine Sackgasse, man kann sich danach immer noch weiterbilden oder an die Universität zurückgehen, um nochmal zu studieren – dann aber mit einer völlig anderen Grundlage und anderen persönlichen Voraussetzungen.

 

Foto: Hoffmann/TU Clausthal

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