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Rotary Club Braunschweig-Hanse meets Wegbereiter: Zweijährige Zusammenarbeit wird fortgesetzt!

Seit Sommer 2017 kooperieren der Rotary Club Braunschweig-Hanse und das Projekt Wegbereiter erfolgreich. Bis dato haben knapp 100 Ratsuchende von der Kooperation profitiert.

Eine Basis für die Beratung bildet u.a. die Durchführung eines psychologischen Testverfahrens (bereitgestellt von der HR Diagnostics AG) zur Erhebung individueller Stärken. Ein Team aus Projektmitarbeitern der Zentralen Studienberatung und einer Gruppe engagierter Rotarier, die das Netzwerk von ROTARY nutzbar machen, begleitet im Anschluss durch Auswertungsgespräche usw. die interessierten Studienzweifelnden und Neudurchstartenden nach dem Abbruch in Ausbildung, ein anderes Studium oder zum anvisierten Studienerfolg.

Marcus Voitel, Andreas Frintrup, Dr. Jan Spies Bildnachweis: privat/TU Braunschweig

In diesem Sommer übernimmt Dr. Jan Spies den Berufsdienst von Andreas Frintrup und wird die Koordination der strategischen/operativen Zusammenarbeit fortsetzen.

Wir sagen Danke an Andreas, auf WIEDERsehen und freuen uns über das gemeinsame Beziehungsangebot, mit dem wir hier aufwarten können.

Marvin: „Das Fach war mir einfach zu abstrakt (…). Ich wollte gerne etwas „Richtiges“ schaffen“

Marvin, Ausbildung zum Industriekaufmann, zuvor Wirtschaftsinformatik

Die ersten Zweifel am Studieren kamen mir im Sommer 2018. Ich war zu diesem Zeitpunkt im zweiten Semester Wirtschaftsinformatik an der TU Braunschweig eingeschrieben. Das Fach war mir zu abstrakt. Ich konnte mir nicht so wirklich etwas darunter vorstellen. Erklärt habe ich es mir damit, dass man in den ersten Semestern nur die Grundlagen kennenlernt, wie man es von vielen Menschen hört. Sei es Familie, Freunde oder auch die Professoren und Professorinnen der ersten Vorlesungen: „In den ersten Semestern wird aussortiert, dann geht es richtig los.“ Das habe ich sehr häufig gehört. Als es dann im dritten Semester spezifischer wurde, habe ich gemerkt, dass das Studienfach nichts für mich ist. Mir fehlte schlicht und einfach das spezifische Interesse. Trotzdem habe ich es vorerst fortgeführt. Ich bin zu Vorlesungen gegangen, habe die Übungen besucht und Hausaufgaben pflichtbewusst gemacht. Im Dezember hat es mir dann gereicht. Ich war mir so unsicher, ob ich weitermachen sollte oder nicht, deshalb habe ich nach Hilfe gesucht.

Nach einer kurzen Suche im Internet bin ich auf „die“ Wegbereiter gestoßen. Ich habe mir zunächst einige der Blogeinträge durchgelesen und mich dazu entschieden, ihnen eine E-Mail zu schreiben. Ich bekam sehr zeitnah eine Antwort und auch gleich einen Vorschlag für ein erstes Gespräch zugesandt. Dieses Gespräch fand wenige Tage später mit Marcus und Susann statt. Ich weiß noch sehr genau, dass ich vor diesem Gespräch aufgeregt war. „Ist mein Problem überhaupt ein Thema?“, „Mache ich mich nicht vielleicht lächerlich, schließlich studiere ich ja ‚erst‘ drei Semester?“; aber es wurde mir sehr schnell klargemacht, dass ich mir darüber keine Gedanken machen muss. Nach diesem ersten Gespräch war ich mir dann auch sicher: Dieses Studium führe ich nicht weiter fort. Generell gab es im ersten Gespräch eine Orientierungsphase mit den Fragen: „In welche Richtung soll es gehen? Welche Richtungen stehen mir zur Auswahl? Ein anderer Studiengang? Duales Studium? Eine Ausbildung?“. Relativ schnell wurde klar, dass mir der praktische Teil im Studium fehlt. Ich wollte gerne etwas „Richtiges“ schaffen. Mich zugehörig fühlen. Sagen können: „Da habe ich dran mitgearbeitet, das ist mein Ergebnis.“ Dieses Gefühl hatte ich während des Studiums nicht, auch wenn ich dort natürlich Klausuren geschrieben und auch bestanden habe. Doch diese Ergebnisse waren mir nicht „real“ genug. Ich brachte dann den Ausbildungsberuf des Industriekaufmanns in das Gespräch ein, für den ich mich nach weiteren Gesprächsterminen entschieden habe.

Dafür hat Marcus mir immer wieder Denkanstöße zukommen lassen. Sei es im Gespräch oder durch Methoden, die ich zuhause selbst bearbeiten bzw. durchführen konnte. Außerdem habe ich am Berufsprofiling-Test des Rotary Club Braunschweig-Hanse teilgenommen. Dort wurden mir meine Stärken und Schwächen noch einmal vor Augen geführt und meine Entscheidung zur Ausbildung unterstützt. Ein Termin bei der Agentur für Arbeit hat mich ebenfalls in meiner Entscheidung bestärkt, und mir wurde bei der Erstellung meiner Bewerbungsunterlagen sehr geholfen. Zudem waren auch Fragen wie „In welchem Ort absolviere ich die Ausbildung?“ und „Wie erzähle ich meinen Eltern von der Entscheidung?“ Themen in den Gesprächen und dem ständigen E-Mailkontakt. Auch diesbezüglich wurde ich mit sehr guten Tipps versorgt und mir wurde Sicherheit vermittelt.

Aktuell befinde ich mich noch in der Zeit zwischen Studium und Ausbildung, die am 01.08.2019 beginnt. Die Ausbildung werde ich dann bei Bertrandt in Tappenbeck absolvieren. In der Zwischenzeit arbeite ich viel in meinem Nebenjob, um die Zeit bis zum Beginn zu überbrücken und freue mich schon sehr auf den Beginn. Ich habe ein gutes Gefühl, dass diese Ausbildung zu mir passt.

Würde ich anderen „die“ Wegbereiter empfehlen? Auf jeden Fall! Ich wurde dort sehr freundlich empfangen; ich wurde ernst genommen und habe wirklich gute Tipps, Hinweise und Methoden bekommen, die mir bei meinem Entscheidungsprozess geholfen haben. Ganz besonders toll fand ich, dass es keine einfache Berufsberatung war, sondern es auch um mich als Menschen ging. Es wird nicht nur versucht, einem bei der Berufs- oder Studienwahl zu helfen, sondern auch wie man mit persönlichen Problemen umgeht, die damit einhergehen.

Theresia: „You’ll never know until you try“

Theresia, Bachelorabschluss Umweltnaturwissenschaften, TU Braunschweig

Mindestens einmal im Leben steht man an einer Kreuzung an man hofft, man sei noch 5 Jahre alt und die Eltern einem sagen, was zu tun ist. Man weiß nicht, welche Richtung man gehen soll. Ob es die richtige Entscheidung ist. An der man hofft, Welche Entscheidung am besten sei. Doch diese Entscheidung kann uns keiner abnehmen. Es liegt an uns, welchen Weg wir einschlagen und welchen wir als richtig erachten. Auch wenn es uns sehr schwer fällt, wir verzweifelt sind und nicht mehr weiter wissen. Auch wenn wir nachts weinend im Bett liegen und an uns zweifeln. Mindestens einmal im Leben stellen wir uns die Frage, welche Richtung soll ich gehen? Wo führt mich mein Weg hin?

Diesen Moment habe ich während meiner Studienzeit gehabt. Ich war mir sicher, ich habe eigentlich den richtigen Weg eingeschlagen. Es ist mein Traumberuf. Doch dann gab es eine Mauer, die unüberwindbar erschien, die mein Leben veränderte. Negativ oder positiv. Ein Hindernis, welches meine ganze Zukunft, meinen Werdegang bestimmen wird. Ein Hindernis, welches mich verzweifeln ließ, welches alles auf den Kopf stellte. Doch was sollte ich tun? Wie soll es weitergehen? Was kann ich machen? Soll ich aufhören oder weiterkämpfen, bis zum Schluss? Wer kann mich verstehen? Wer kann mir helfen? Bin ich alleine? Ich habe bereits Hilfe bei der psychotherapeutischen Beratungsstelle in Braunschweig gesucht, um gegen den Hauptgrund meines zukünftigen Versagens anzugehen. Doch stelle ich mir weiterhin die Fragen, was wäre, wenn ich es nicht schaffe?

 Wenn meine Schwäche überwiegt und ich nicht so weitermachen kann? Da fand ich im Warteraum der Beratungsstelle die Flyer der Wegbereiter. Ich informierte mich übers Internet von diesem Angebot. Doch können sie mir wirklich helfen? Können sie wirklich meine Lage verstehen? Werden sie mich auch nicht auslachen? Ich nahm allen Mut zusammen und meldete mich bei der Beratungsstelle. Meine Verzweiflung brachte mich dazu, über einen Studienabbruch nachzudenken. Ich brauche Hilfe, da ich keine Ahnung hatte, wie so etwas funktionierte. Nach dem ersten Händedruck habe ich mich geborgen gefühlt. Ich fühlte mich verstanden und meine ganzen Ängste waren wie verflogen. Ich war nicht alleine. Es fühlte sich an, als würde ich mit meinem Berater an dieser Kreuzung stehen, an der ich nicht weiterwusste. Mit ihm konnte ich über die möglichen Wege reden; welche Vor- und Nachteile entstehen könnten; dass es nicht beschämend ist, Schwäche zu zeigen. Sie gaben mir Zuspruch, Mut und Kraft für das zu kämpfen, was ich will.

Ich kämpfte weiter. Ich gab nicht auf. Mit Erfolg. Ich überwand die Mauer und schaffte es so ins Ziel. Nun habe ich meinen Bachelorabschluss und das trotz großer Zweifel. Ich habe dadurch Stärke gefunden, mein Selbstbewusstsein stieg und ich bin stolz. Überglücklich, weiter gemacht zu haben. Und dass auch dank der Wegbereiter. Für all jene, die Zweifel haben, nicht weiterwissen, würde ich die Wegbereiter immer weiterempfehlen. Auch wenn ich doch nicht mein Studium, wie gedacht, abgebrochen habe, so haben sie mir weitergeholfen, in dem sie mir gezeigt haben, dass ich nicht aufgeben möchte. Dass ich weitermachen will. Dass ich meinen Job liebe. Und dass man für etwas was man liebt, kämpfen sollte. Aber auch, dass es keine Schande ist, einen neuen Weg einzuschlagen. Dass man keine Angst davor zu haben braucht. Dass ein neuer Weg auch ein neuer Anfang ist. Und dass dies immer eine neue Chance mit sich bringt.

Bereits Walt Disney hat diesen einen Satz erwähnt, der jedem im Gedächtnis bleiben sollte, egal ob er weiter studieren möchte, oder einen neuen Weg einschlagen will und sich nicht traut:

„You’ll never know until you try“

Foto: Kreutzmann, TU Clausthal

Annabelle: „Mit einem großen Fragezeichen im Kopf ging ich zum ersten Beratungsgespräch“

Annabelle, Technische Produktdesignerin

Nachdem ich 2016 nach einer intensiven Lernphase für Ingenieurmathematik 1 erfuhr, dass ich die Klausur wieder nicht bestanden hatte, war mir klar, dass ich etwas ändern muss und es so nicht weitergehen kann. Mein 8. Semester meines Studiums der Umweltingenieurwesen an der Technischen Universität Braunschweig hatte gerade begonnen und ich schaute mich nach alternativen, regionalen Studiengängen an der Ostfalia um. Ich bewarb mich dort zum Wintersemester für Bio- und Umwelttechnik.

Meine WG-Mitbewohnerin hat mich damals auf das Projekt „Wegbereiter“ aufmerksam gemacht. Sie gab mir einen Flyer auf dem Begriffe wie „Studienzweifel?“ und „Orientierungslos?“ draufstanden. Orientierungslos – das war ich und Studienzweifel hatte ich auch! Also schrieb ich eine E-Mail an Marcus Voitel und wir vereinbarten einen persönlichen Termin. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon eine positive Zusage für die Ostfalia. Außerdem hatte ich die unangenehme Nachricht meines Studienabbruchs meinen Eltern auch schon überbracht.

Mit einem großen Fragezeichen im Kopf ging ich zum ersten Beratungsgespräch. Ich wusste nicht,…

  • …ob ich dieses Studium an der Ostfalia wirklich machen wollte,
  • …ob ich vielleicht doch eine andere Richtung einschlagen möchte,
  • …ob ich weiter studieren oder doch lieber eine Ausbildung machen möchte.

Ich wusste nur, dass ich so nicht weitermachen kann, dass mir das Studium an der TU zu theoretisch war und mir der praktische Bezug fehlte. In meinem ersten Beratungsgespräch konnte ich dann das erste Mal über all meine Bedenken und Gedanken zu meiner Zukunft sprechen. Es tat mir sehr gut, einfach mal mit jemandem, neutral, über meine Studienzweifel und die dadurch resultierenden Zukunftsängste zu sprechen. Außerdem durfte ich lernen, dass ich nicht alleine mit diesem Problem bin, dass es viele gibt, die zweifeln und nach längerer Zeit ihr Studium abbrechen oder wechseln. Das war sehr wichtig für mich, denn wenn man sich erst mal eingesteht, dass man etwas vielleicht nicht schafft und „aufgeben“ muss, versteckt sich das Selbstbewusstsein neben dem Selbstvertrauen im Keller und will nicht mehr rauskommen. Während der Beratungsgespräche und auch Zuhause hatte ich die (Haus-)Aufgabe, mir Gedanken, über die Dinge, die ich kann, die ich will und die ich nicht mehr will, zu machen.

All diese Hilfestellungen zur Selbstreflexion und die Unterstützung, die mir vom Projekt „Wegbereiter“ und seinem Netzwerk entgegenkam, haben mir sehr geholfen Ordnung in meinen Kopf zu bringen. Ich habe dann für mich entschieden, dass eine duale Ausbildung „richtiger“ für mich ist. Von Marcus habe ich in den Beratungsgesprächen Adressen von und Tipps für weitere Beratungseinrichtungen und für das gestärkte Vorgehen im Bewerbungsprozess bekommen. Dann kamen die ersten Eignungstest und Bewerbungsgespräche und schlussendlich die Zusage von ThyssenKrupp in Kiel.

Seit September 2017 mache ich nun dort eine Ausbildung zur Technischen Produktdesignerin und ich bin froh, dass ich mich damals gegen die Beendigung meines Studiums entschieden habe. Ich habe sehr viel Spaß am Lernen mit Praxisbezug, am Arbeiten und dem direkten Feedback, das man von Arbeitskollegen bekommt. Mir hat das Projekt „Wegbereiter“ sehr geholfen, da ich von meinen Eltern bei Studienfragen nicht viel Hilfe erwarten konnte. Beide haben nicht studiert und kennen die Gedanken, die man sich als Studentin macht gar nicht und wissen auch vieles übers Studieren nicht – woher auch? Mir wurden viele Möglichkeiten in den Beratungsgesprächen aufgezeigt, die ich vorher nicht wirklich in Betracht gezogen habe, und ich habe mich durch die intensive Reflexion nochmal besser kennengelernt.

Rückblickend auf diese Zeit, kann ich nun sagen, dass es der richtige Weg war, den ich gegangen bin. Auch wenn ich nicht mit einem Abschluss aus meiner Studienzeit herausgegangen bin, habe ich sehr viel gelernt, sowohl über mich selbst, als auch was Lernkompetenzen und Wissen angeht. Ich habe gelernt, dass „aufgeben“ bzw. etwas vorzeitig beenden nicht zwingend etwas Schlechtes sein muss, sondern auch bedeuten kann, den Mut für etwas unbekanntes Neues zu haben.

Foto: privat

 

Elisa: „Wie kann ich „besser scheitern“? Das Lehramt ist keine Einbahnstraße!“

Elisa, 25 Jahre, Masterstudiengang Mathematik/Englisch auf Lehramt, TU Braunschweig

Elisa hat bereits im Oktober 2017 einen Blogbeitrag in Zusammenarbeit mit Wegbereiter veröffentlicht: https://www.wegbereiter-studienabbruch.de/elisa-dittmann-will-ich-wirklich-lehrerin-werden/. Wir sind froh, dass wir hier den 2. Teil des Interviews veröffentlichen zu können:

Marcus: Wie bist du konkret vorgegangen?

Elisa: Ich habe mir außerdem so detailliert wie möglich die Aufgaben und Fähigkeiten einer Lehrerin aufgeschrieben und mit den Tätigkeiten und benötigten Kompetenzen in meinem Wunschberuf verglichen – ihr werdet sicher überrascht sein, wie groß die Schnittmenge zwischen dem Lehramtsberuf und anderen Jobs ist. Dieser Vergleich hat mir in den Vorstellungsgesprächen sehr geholfen zu begründen, warum ich als Lehramtsstudierende für den Beruf qualifiziert bin und ihn gut ausüben werde.

Marcus: Würdest du deine damals geäußerten Statements nochmals wiederholen? Mit etwas Abstand. Für was steht der Quereinstieg?

Elisa: Ich würde meine damaligen Statements sofort nochmal genauso äußern! Zweifeln ist okay und völlig menschlich. Die Frage ist, was man daraus macht – ich habe es als Chance gesehen, meinen Horizont zu erweitern, die aktuelle Situation zu hinterfragen und meine Zukunft nochmal ganz aktiv in die (für jetzt) richtige Richtung zu lenken. Vielleicht folgt auf Zweifel auch nur die Erkenntnis, dass alles gut ist wie es ist oder es folgt eine kleine Kurskorrektur. Nicht für jeden entwickeln sich Studienzweifel zu einem kompletten Neusetzen der Segel.

Die Arbeit mit Menschen hat mir immer viel Spaß gemacht, sodass die Studieninhalte für mich immer Relevanz hatten und ich gerne auf Lehramt studiert habe. Seit ich die ersten Unsicherheiten in meiner Studienwahl verspürt habe ist meine Motivation, richtig gute Leistungen im Studium zu erbringen, sogar schlagartig angestiegen. Um mir die Möglichkeit offen zu halten, nach dem Studium in die freie Wirtschaft zu gehen und konkurrenzfähig zu sein, wusste ich, dass sehr gute Studienleistungen entscheidend sind. Ich bin mir sicher, dass besonders mein Masterabschluss nicht so überragend ausgefallen wäre, wenn meine Gedanken stets bei dem Berufsziel der Lehrerin geblieben wären, weil bei dem aktuellen Lehrermangel keine Konkurrenzsituation unter Lehrkräften existiert und man sich seines Jobs quasi sicher sein kann.

Ich betrachte einen Quereinstieg als einen Ausdruck von Bereitschaft und Fähigkeit, sich selbst und seine Wünsche zu reflektieren, zu hinterfragen und dementsprechend seine beruflichen Pläne anzupassen. Reflexionsfähigkeit und den Mut, nicht den (oft) einfacheren, bereits vorgegebenen Weg zu gehen, sind tolle Eigenschaften, die bei möglichen Arbeitgebern super ankommen. Ansonsten habe ich gemerkt, dass eine offene Persönlichkeit und meine Auslandserfahrungen sehr gut angekommen sind.

Marcus: Wie stehst du zu den Begriffen „Scheitern“ sowie „Zweifel“, und was lernt man aus deinem Weg? Hat sich etwas verändert?

Elisa: „Scheitern“ ist ein so hartes Wort, das mit einem beruflichen Kurswechsel in der heutigen Zeit gar nicht übereinpasst und in diesem Kontext einfach nur veraltet ist. Ich finde ein beruflicher Kurswechsel zeugt von Reflexionsfähigkeit, Mut und oft auch Ausdauer. Ich habe mich mit 18 dazu entschieden, Lehrerin zu werden. Sechs Jahre später war ich eine andere Person als zu Beginn des Studiums. Ich habe mich in der Studienzeit weiterentwickelt, meinen Horizont erweitert und Erfahrungen gemacht, die meinen Blick auf das Berufsleben und besonders den Lehramtsberuf verändert haben, sodass ich für mich bemerkt habe, dass mein Berufswunsch von damals nicht mehr mit den Wünschen der Person, die ich am Ende des Studiums war, übereinstimmte. Für mich ist meine Geschichte keine des Scheiterns, sondern eine des persönlichen Wachstums, der Veränderung und der Stärke zu wissen, was man im Beruf möchte.

Marcus: Liebe Elisa, vielen herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir wünschen dir alles Gute für deine persönliche Zukunft und hoffen, dass deine Geschichte viele andere Ratsuchende in einer vergleichbaren Situation findet, um Handlungsoptionen aufzuzeigen und die Kraft für erste kleine Schritte zu gewährleisten.

Elisa: Ich danke auch. Und wünsche allen Lesern alles Gute!

Foto: Merle Janßen

 

Elisa: „Wie kann ich „besser scheitern“? Das Lehramt ist keine Einbahnstraße!“

Elisa, 25 Jahre, Masterstudiengang Mathematik/Englisch auf Lehramt, TU Braunschweig

Elisa hat bereits im Oktober 2017 einen Blogbeitrag in Zusammenarbeit mit Wegbereiter veröffentlicht: https://www.wegbereiter-studienabbruch.de/elisa-dittmann-will-ich-wirklich-lehrerin-werden/. Wir sind froh, dass wir sie nun für einen Teil 2 über ihren weiteren Verbleib und wesentliche Tugenden und Kompetenzen sowie Handlungsempfehlungen für einen Quereinstieg gewinnen konnten. Wir öffentlichen das Interview in zwei Akten:

Marcus: Hallo Elisa, was hat sich bis jetzt Neues für dich ergeben?

Elisa: Zum Zeitpunkt des letzten Blogeintrags standen noch zwei Semester des Studiengangs „Master of Education“ vor der Tür, welche ich letztlich erfolgreich absolvierte und mein Studium Ende August beendete.

Der Gedanke, dass der Lehrerinnenberuf nicht das Richtige für mich ist, verschwand jedoch auch während der restlichen Zeit des Studiums nicht, sodass ich mich ein halbes Jahr vor dem geplanten Ende des Studiums entschloss, für Praktika in Unternehmen zu bewerben. Mein Plan war es, praktische Erfahrungen zu sammeln, die mir für anschließende Bewerbungen auf „richtige Jobs“ helfen würden.

Marcus: Und dann? Wie ist es dir gelungen, praktische Erfahrungen zu sammeln?

Elisa: Ich war sehr überrascht, welch positive Resonanz auf meine Praktikumsbewerbungen folgte. Ende Februar unterschrieb ich einen Praktikumsvertrag bei einem großen Versicherer in München, kündigte diesen jedoch nach einigen Wochen wieder, weil ich merkte, dass das Gesamtpaket für mich nicht stimmte. Also bewarb ich mich wieder neu. Nach dem Bewerbertag bei einem Automobilhersteller bekam ich das Feedback, dass ich überqualifiziert für ein Praktikum sei, schon zu viel wisse und mich in dem Praktikum wahrscheinlich langweilen würde. Zunächst ernüchterte mich diese Aussage sehr, denn ich dachte, dass mich Firmen für eine feste Anstellung als Quereinsteigerin nicht in Betracht ziehen würden – falsch gedacht! Motiviert von dem Feedback bewarb ich mich ausschließlich auf feste Anstellungen und bereits die erste Firma, mit der ich in den Bewerbungsprozess startete, entschied sich für mich. Nun arbeite ich seit September in meinem Traumjob.

Marcus: Traumjob? Was heißt das konkret?

Elisa: Mein beruflicher Weg verlief vom Lehramtsstudium direkt in die IT-Branche – das Lehramt ist keine Einbahnstraße! Vor einem Jahr hätte ich mir niemals erträumen können, dass ich direkt nach dem Studium in das Berufsleben starten und dass ich mich als Lehramtsstudierende gegenüber Absolventen*innen anderer toller Studiengänge durchsetzten kann. Lehramtsstudierende bringen in der Wirtschaft gesuchte Fähigkeiten mit, und wenn man den Lehrer*innenberuf unter die Lupe nimmt fällt auf, wie vielfältig und facettenreich das Aufgabengebiet ist und wie vielfältig die Fähigkeiten von Lehrern*innen zu sein haben.

Marcus: Ich kann mir vorstellen, dass dir viele bereits diese Frage gestellt haben. Warum lohnt es sich trotz Lehrermangel einen Quereinstieg zu wagen? Letztlich stellen wir in der Beratung fest, dass viele den umgekehrten Weg ins Lehramt suchen.

Elisa: Eine Reaktion auf meinen Wunsch, den Lehramtsberuf zu verlassen, war natürlich oft, dass ich gerade in der jetzigen Zeit besonders gefragt bin als Lehrerin und eine große Jobsicherheit hätte. Mir ist es aktuell jedoch am Wichtigsten, dass mich der Inhalt meines Jobs erfüllt und ich für die Themen brenne, mit denen ich mich doch den größten Teil des Tages beschäftige. Oft lese ich auch am Wochenende zu dem Themengebiet meines aktuellen Jobs, weil ich dabei so viel Freude und echtes Interesse verspüre. Dieses Bedürfnis, mich auch in meiner Freizeit mit Inhalten des Lehrerberufs auseinanderzusetzen, hatte ich während des Studiums leider nicht.

Marcus: Jetzt haben wir über deinen Weg gesprochen. Ich habe dich von Anfang an als einen sehr reflektierten Menschen wahrgenommen. Aus einer Beobachterperspektive: Welche Tugenden und Kompetenzen sind für einen Quereinstieg hilfreich?

Elisa: Natürlich benötigt man nicht für jeden Beruf die gleichen Kompetenzen, sodass ich hier keine generelle Aussage darüber treffen kann, welche Kompetenzen vorteilhaft sind. Jedoch knüpft die Antwort auf diese Frage perfekt an die vorherige an. Als ich auf mein aktuelles Arbeitsgebiet gestoßen bin, war ich total neugierig, interessiert und habe mir die theoretische Grundlagen des Jobs alleine angeeignet, weil es so viel Spaß gemacht hat, immer mehr davon zu lernen. Dieses Wissen hat in Bewerbungsgesprächen natürlich gezeigt, dass ich ernsthaftes Interesse an dem Beruf habe, bereits erste Kenntnisse mitbringe und bereit bin, mir neue Themengebiete zu erarbeiten die außerhalb meiner Studieninhalte liegen.

Marcus: Was war für dich die größte Hürde? Wovor hattest du am meisten Angst und wie bist du damit umgegangen? Wer hat dich auf deinem Weg unterstützt?

Elisa: Die für mich größte Hürde war zu entscheiden, welcher der nächste berufliche Schritt sein soll – in den Vorbereitungsdienst gehen oder die freie Wirtschaft erkunden? Als ich mich entschieden habe, den Schritt in die freie Wirtschaft zu wagen, habe ich mich durch die Coachings und Termine bei den Anlaufstellen, von denen ich euch in meinem ersten Blog-Post erzählt habe, bestärkt und befähigt gefühlt, die Gestaltung meiner beruflichen Zukunft selber in die Hand zu nehmen. Außerdem war ich durch das positive Feedback aus den Sessions bei den verschiedenen Anlaufstellen der Uni total selbstbewusst und habe eine tiefe Überzeugung gespürt, dass ich einen tollen Job finden werde – und so kam es dann auch (in der Psychologie nennt man das „Self-fulfilling Prophecy”). Bei den Bewerbungsschreiben und der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche haben mich Freunde und Familienmitglieder unterstützt, die selber in der freien Wirtschaft arbeiten und schon einige Erfahrungen mit Bewerbungsprozessen hatten. Jedoch bietet auch der Career-Service der TU Unterstützung bei der Vorbereitung von Bewerbungen an.

Der 2. Teil folgt demnächst.

Foto: Merle Janßen

 

Stefan und Bastian: Techniker aus Leidenschaft!

Stefan und Bastian: Staatlich geprüfter Techniker statt Maschinenbauer? Warum nicht!

Stefan

Mit Mitte 20 habe ich in meinem Maschinenbau-Studium feststellen müssen, dass ich nur perspektivlos herumeierte. Direkt nach der Schule hatte ich mich für ein Maschinenbau-Studium entschieden, da auch mein Vater diese Fachrichtung eingeschlagen hatte. In der Kindheit hatte ich schon immer gerne mit Lego gespielt; auch während der Schulzeit habe ich gerne getüftelt (z.B. an Fahrräder, in der Hobby-Werkstatt meines Vaters), sodass ich mir bei der Studienwahl eines technischen Fachs schon sehr sicher war. Schnell merkte ich jedoch in den ersten zwei Semestern, dass mir der Anwendungsbezug an der Uni zu kurz kam. Mehr oder weniger durch Zufall wurde ich bei einer Internetrecherche auf die Technikakademie der Stadt Braunschweig (TAB) aufmerksam, da ich nach einer Perspektive und gleichzeitigen persönlichen Weiterentwicklungsmöglichkeit nach einer technischen Ausbildung in der Region Braunschweig googelte. Heute stecke ich mitten in der Technikerausbildung an der Technikakademie der Stadt Braunschweig und bin begeistert über die Unterstützung von den TAB-Verantwortlichen, dank derer mir Leistungen aus dem abgebrochenen Studium auf die Techniker-Ausbildung anerkannt wurden. Diese seit einigen Jahren Kombinationsmöglichkeiten von Aus- und Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker an und ist Kooperationspartner im „Wegbereiter“-Netzwerk für diejenigen, die feststellen, dass sie lieber etwas Praktisches machen möchten. Wichtig ist dabei zu wissen, dass es eine Einzelfallprüfung auf Dokumentenbasis ist, die durch die Landesschulbehörde abgesegnet wurde. Die Technikakademie hat regionale  Kooperationen u.a. mit der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und mit der TU Clausthal („Techniker2Bachelor“), als auch überregional mit anderen Hochschulen wie der Universität Wrexham in Wales, wo den Absolventen nach dem Erwerb des Technikers wiederum ein verkürztes Bachelorstudium offensteht. Gleichzeitig geht die Technikerausbildung für die meisten Studienabbrechenden mit Praxisanteilen in Unternehmen einher, wo sie fehlende Praxiserfahrungen nachholen und absolvieren müssen, sofern sie nicht selbst schon einen Ausbildungsabschluss haben. Den Praxisbezug und einen entsprechend strukturierteren Unterrichts-Alltag ziehen viele Studienabbrechende, wie ich letztlich auch, der selbst strukturierten Arbeitsweise im Studium vor.

Bastian

Anders als Stefan habe ich das Glück gehabt, dass ich durch meinen Onkel auf die Projekte für Studienzweifelende und Studienabbrechende an der TAB aufmerksam gemacht wurde. Meine Studienzweifel sind aus persönlichen Gründen hervorgetreten, sodass ich Nebenjobs neben dem Maschinenbau-Studium wahrgenommen habe und das Studium einfach zu kurz kam. Rückblickend kann ich festhalten, dass die Belastung aus Studieren und Geldverdienen für mich zu groß wurde. Es geht mir viel besser mit der Entscheidung, das Studium abzubrechen, da ich vorher nicht gemerkt habe, was für eine körperliche und seelische Belastung es war. Jetzt blicke ich in eine positive Zukunft. Letztlich bin ich auch über Google auf TAB-Webseite gestoßen. Aktuell sind Stefan und ich mit weiteren Studienabbrechenden in einer Jahrgangsklasse untergekommen. Ein großer Vorteil ist, dass wir ähnliche Erfahrungen bereits gesammelt haben und unsere Motive für die Ausbildung zum Staatlich geprüften Techniker zielgerichteter zum Vorschein kommen. Auch sind wir als eine Lerngruppe bereits sehr gut eingespielt und unterstützen uns gegenseitig sehr. Zufrieden bin ich mit der (Verweis) Beratungskette bis zum aktuellen Zielort TAB. Ich bin aktuell sehr froh, dass ich die Entscheidung zum Studienabbruch hin zur Aufnahme des Staatlich geprüften Technikers an der TAB getroffen habe und empfehle diesen Weg zu 100 Prozent weiter. Auch weil mir Studienleistungen für den Einstieg direkt in die Oberstufe anerkannt wurden und eine zeitliche Verkürzung auf ein Jahr möglich scheint. Auch eine Rückkehr an einer der regionalen Hochschulen scheint für mich möglich und erstrebenswert.

Kommentar (Redaktion):

Beide sehen nun positiv in die Zukunft und haben mit dem Erwerb des Staatlich geprüften Technikers/in eine konkrete und realistische Perspektive vor sich, auf der sie im Rahmen ihrer Berufslaufbahn aufbauen können. Aus Sicht der TAB stellt die Zusammenarbeit im „Wegbereiter“-Netzwerk eine Win-Win-Situation für beide Seiten – Studienabbrechende und Bildungsanbieter – dar: „Es kommen immer wieder Studierende zu uns, die Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Studiums haben, aber schon wertvolle Kenntnisse und Motivation zur Veränderung mitbringen“, so Norbert Heucke . Das Angebot kommt letztlich auch den Arbeitgebern in der Region zu Gute, die alle nach guten Fachkräften suchen.

Weitere Informationen, die uns Stefan und Bastian zur Verfügung gestellt haben, findet Sie auf der Webseite der Technikakademie Braunschweig: https://www.technikakademie-bs.de/bildungsangebot/studienabbrecher/

Bildnachweis: Bastian/TAB

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fabian: „Studienzweifel? Einfach mal die Perspektive wechseln!“

Fabian: Studienzweifel? Einfach mal die Perspektive wechseln!

Fabian 31 Jahre, Bachelor Sozialwissenschaften

Zweifel an der Studienwahl, keinen Bock zur Uni zu fahren und einfach alles zu viel – auch das gibt es während des Studiums. Mir persönlich half ein Perspektivwechsel in höchster Not. So hieß letztlich auch das Mentoring-Programm des Career Service der TU Braunschweig. Wie viele andere Bachelor-Studierende wollte auch ich wieder für den Studienalltag motiviert werden. Meine Fragen waren: Wie kann ich meinen Studienalltag besser strukturieren? Wie kann ich mich motivieren? Wichtige Tipps gibt es bei „PerspektivWechsel“!

Für mich war es das richtige Programm zur richtigen Zeit. Ich hatte schon häufig darüber nachgedacht, ob ich lieber in einer Kurzschlussreaktion abbreche und eine kaufmännische Ausbildung machen soll. Ich haderte dabei vor allem mit dem gewählten Studienfach, aber auch mit Spannungsfeld aus Perspektivlosigkeit und der Vielfalt an Jobmöglichkeiten im „Orchideen“-Fach Sozialwissenschaften. Zudem war es mein „Zeit- und Selbstmanagement“, mit dem ich zu kämpfen hatte. Im Studium muss ich mich selbst organisieren und mehrere Sachen (Job, Partnerschaft, Hobbies) unter einen Hutbekommen.

Probleme, mit denen ich – wie ich schnell bemerkt habe – nicht alleine bin. Durch das Netzwerk „Wegbereiter“ bin ich auf mehrere Lösungsperspektiven verwiesen worden und war froh darüber, dass ich an dem Mentoring „PerspektivWechsel“ teilnehmen konnte, da mir insbesondere der Kontakt mit Unternehmen aus allen einschlägigen Branchen der Region Braunschweig zugesagt hatte. Das Erstgespräch mit Judith Reiner, Projektkoordinatorin, hat letztlich den Ausschlag gegeben. Sie organisierte für uns ein tolles Rahmenprogramm aus Workshops zu Selbstpräsentation, Projektmanagement, Potenzialanalyse, Karriereberatung und Zeitmanagement.

Zudem war der persönliche Austausch mit den ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren, also mit Menschen, die bereits über viel Arbeits- und Lebenserfahrung, aber auch über einen nicht immer ganz geraden Lebenslauf verfügen, sehr hilfreich, um eine neue Motivation am Studium zu entwickeln. Mit meinem Mentor als idealen Tandempartner (aus dem Bereich Personal-/ Organisationsentwicklung) habe ich mich damals sechs Mal getroffen. In diesen Treffen habe ich ganz praktische Lerntipps erhalten, ein Feedback zu Wochenplänen oder Prüfungsergebnissen sowie zu meinen Ansprüchen an die Berufswelt eingefordert. Auch der Austausch mit den anderen Studierenden, von Biologie über Informatik, Bauingenieurwesen, Lebensmittelchemie bis Sozialwissenschaften, an der TU Braunschweig war sehr hilfreich.

Am Ende der Workshops und Gespräche war mir klar, dass ein Studienabbruch für mich (noch) keine Lösungsoption ist. Mein Fazit ist: Meine Studienprobleme sind nicht durch mangelnde intellektuelle Fähigkeiten oder mangelndes Interesse zu begründen, sondern sind durch meine bisherigen persönlichen Glaubenssätze (u.a. Leistungserleben) und der damit zusammenhängenden Unsicherheit, sowie (Versagens-)Angst zu Stande gekommen. Ich kann abschließend allen Studienzweifler/innen nur empfehlen: Habt den Mut, nehmt euch die Zeit und wendet euch an Beratungs- sowie Unterstützungsangebote vor Ort wie ZSB, Wegbereiter oder andere.

Insbesondere möchte ich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich Judith Reiner für die professionelle Koordination und meinem Mentor für das persönliche Engagement in der schwierigen Zeit danken!

Kommentar (Redaktion): Das Projekt „PerspektivWechsel“ läuft zum Mai 2019 aus und wird zum aktuellen Zeitpunkt keine neuen Mentees aufnehmen können. Bitte wendet euch bei Interesse oder Nachfragen bzgl. ähnlicher Angebote an die Zentrale Studienberatung/Projekt “Wegbereiter“ (wegbereiter-studienabbruch@tu-braunschweig.de) oder an den Career Service (careerservice@tu-braunschweig.de). Danke

Bildnachweis:„Wegbereiter“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oli: „Traue dich. Vertraue dich Anderen an und vertraue dir!“

Oli: „Traue dich. vertraue dich anderen an. vertraue dir!“

Oli, 26 Jahre, Auszubildender zum Bauzeichner

Meine zentralen Botschaften an alle Leser/innen lauten:

Traue dich!

Bereits vor dem ersten Treffen mit dem „Wegbereiter“ habe ich mit mir gerungen, ob ich eine persönliche Unterstützung und Hilfe von außen annehmen möchte und kann. Es hat mich sehr viel Mut und Entschlossenheit gekostet, mir einzugestehen, dass ich orientierungslos war. Den ersten Schritt zur Veränderung zu gehen, ist dabei einer der Schwierigsten. Auf der anderen Seite war mir klar, dass ich etwas Grundlegendes in meinem Leben verändern muss, weil es nicht mehr weitergehen konnte wie bisher. Ich habe mich verrannt und konnte alleine nicht mehr hinaus finden. Ich habe auch zu lange an gewohnten Dingen festgehalten, die mir nicht gut taten.

Vertraue dich Anderen an!

Ich muss sagen, dass es sich in meinem Fall gelohnt hat, den ersten Schritt zu gehen und sich Anderen anzuvertrauen. Es war ein tolles Gefühl zu wissen, dass da jemand ist, der mir eine Unterstützung bietet und mit dem ich vertraulich über meine Gefühle, Ängste und Perspektiven sprechen kann. Durch die für mich im Vordergrund stehende Begleitung, wusste ich, mit Herausforderungen umzugehen, meine inneren Antreiber zu akzeptieren, die mir sagten: „Warte mal! Probiere das mal aus! Traue dich!“. Neue spannende Wege (u.a. ein Praktikum im journalistischen Berufsfeld) auszuprobieren, waren dabei Meilensteine, die mir verlorenes Selbstbewusstsein, Struktur und neuen Mut zurückgegeben haben. Im Nachhinein ist für mich die Kernfrage: Was hätten andere tun können, damit ich mich angesprochen fühle und den Schritt in eine persönliche Beratung gehe? Es war ein großes Wirrwarr, in dem mir eine Orientierungshilfe fehlte (Was? Wer? Wann? Wie?).

Für mich persönlich wäre ein offener Umgang mit dem Thema Studienzweifel und den daraus entstehenden psychischen Konflikten und Problemen sehr wichtig, da für mich im Kosmos Universität kein Platz für andere Geschichten und Wege zu sein scheint*. Ich hätte mir schon viel früher einen toleranten Zufluchtsort gewünscht, an dem ich meine Zweifel zunächst ungezwungen äußern und besprechen kann, so wie es jetzt mit den „Wegbereitern“ möglich ist.

Vertraue dir!

Durch die intensive Begleitung im Netzwerk „Wegbereiter“, durch die offenen und stärkenden Gespräche mit meiner Freundin, mit meinen engsten Freunden und meiner Familie, sowie durch die neu gewonnene Selbstakzeptanz, konnte ich Kraft und Selbstbewusstsein tanken. Meine Stärken und bestehenden Ressourcen wurden mir durch die berufspraktischen Arbeitsproben (u.a. Praktika) und Bewerbungsverfahren bewusst.

Ich war wieder in der Lage über eigene Schwächen zu sprechen, mit Rückschlägen (im Bewerbungsverlauf) umgehen zu lernen und Lösungsperspektiven (u.a. die Wahl der dualen Ausbildung zum Bauzeichner) wahrzunehmen. Durch den hier dargestellten Prozess der Persönlichkeitsentwicklung habe ich eine Art „Frühwarnsystem“ herausbilden können, welches mich davor schützt, dass ich mich mit zu vielen negativen Emotionen oder Erlebnissen (durch äußere Akteure und Umstände) überlade. Außerdem lasse ich mich weiterhin von einem Therapeuten begleiten, was für mich ein Privileg darstellt und mir auf meinem weiteren Weg hilft – Scham spielt dabei keine Rolle mehr und darauf bin ich stolz.

Abschließend möchte ich sagen, dass Fehler und Schwäche zum Menschen und zum Erwachsenwerden dazu gehören. Das Wichtigste aber ist, dass man den Umgang mit ihnen lernt, um die Kontrolle zu behalten. Außerdem sind Gleichgewichte wichtig, egal in welchem Bereich des Lebens und man sollte sich nicht von Klischeesätzen (wie z. B. nach Regen kommt Sonnenschein usw.) verunsichern lassen. Alles klingt zunächst leichter gesagt als getan. Es darf auch manchmal schwer sein und wehtun. Ich habe gelernt, dass das OK ist. Doch wenn man den Mut zum ersten Schritt des Anvertrauens aufgebracht hat, steht man nicht mehr allein da. Ich hoffe, dass ich Kommilitonen hiermit den Mut zusprechen kann („Traue dich!“), sich Anderen anzuvertrauen und sich selbst zu vertrauen!

* Anmerkung: An der TU Braunschweig gibt es seit September 2018 ein BeratungsNavi unter https://beratungsnavi.tu-braunschweig.de/, welches Ratsuchenden schneller und eindeutiger den Weg in die zuständige Stelle ermöglichen kann. Probiere es aus!

Bildnachweis:„privat“

 

 

 

 

Tobi: „Raus aus dem Teufelskreis! Ich habe wieder Energie jeden Morgen aufzustehen und mit Freude zur Arbeit zu gehen“

Tobi: „Raus aus dem Teufelskreis! Ich habe wieder Energie jeden Morgen aufzustehen und mit Freude zur Arbeit zu gehen“

Tobi, 30 Jahre, Auszubildender zum Technischen Produktdesigner

Ich bin mittlerweile 30 Jahre alt und habe über viele Jahre studiert – ohne letztlich einen Abschluss in der Hand zu haben. Ich habe zunächst an der Technischen Universität Braunschweig mit Maschinenbau auf Diplom angefangen und bin dann zum Maschinenbau auf Bachelor gewechselt, mit der Hoffnung, schnell einen Abschluss zu bekommen. Das ist schon viele Jahre her. Im Wintersemester 2016/17 wurde ich in einem Fach aufgrund des endgültigen Nichtbestehens exmatrikuliert. Ab diesem Zeitpunkt war ich mir schon sicher, dass es so nicht mehr weitergeht und ich einen Neuanfang brauche. Ich habe mich in allen Richtungen umgesehen, habe es aber im Endeffekt nicht geschafft, den letzten Schritt zu machen. Aus diesem Grund habe ich mich zunächst provisorisch für ein anderes Fach immatrikuliert und mich gleichzeitig an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften beworben, damit ich dort Maschinenbau auf Bachelor weiterstudieren kann.

Diese sechs Monate, in denen ich gewartet habe, bis das Wintersemester an der Ostfalia angefangen hat, habe ich dazu genutzt, um eine passende Ausbildung oder auch eine andere Perspektive für mich zu finden. Diesen Ausweg habe ich jedoch nie gewagt. Das erste Semester an der Ostfalia hatte für mich angefangen. Da ich über 120 ECTS bereits an der TU Braunschweig erfolgreich erworben hatte, sollte ich die Vorlesungen aus den höheren Semestern anhören. Somit besuchte ich die regulären Vorlesungen aus dem 4. Semester. In dem Kreis der Studierenden habe ich mich nicht wohl gefühlt und konnte den Anschluss an die Cliquen und Lerngruppen nicht finden. Ich fühlte mich dort fremd und nicht gut aufgehoben. Mein Wunsch zur Veränderung wurde immer größer, aber den Mut dazu hatte ich noch nicht. Ich bin brav zu den Vorlesungen gegangen, habe mich für die Prüfungen angemeldet und habe diese auch geschrieben Jedoch meist ohne Erfolg. Eines Tages bat mich meine Tante, einen Termin mit dem Projekt „Wegbereiter“ wahrzunehmen. Ich hatte keine Ahnung, was die machen, wer die sind und was ich da überhaupt soll.

In Begleitung meiner Tante bin ich bei den „Wegbereitern“ herzlich empfangen worden. Ich habe meine Lebensgeschichte erzählt und durch gezielte Fragen wurde ich zum Nachdenken angeregt. Der erste Termin hat ca. zwei Stunden gedauert. Wir sind so verblieben, dass wir uns bald wieder treffen und über meine Situation weiterhin reden. Nach einigen Treffen und „Hausaufgaben“ habe ich den Entschluss gefasst, dass ich nicht mehr studieren möchte und lieber eine berufspraktische Ausbildung absolviere. Das Problem war, dass meine Familie zu dem Zeitpunkt nichts davon wusste und die einzige, die eingeweiht war (meine Tante), eigentlich gegen diese Entscheidung war. Ich wollte jedoch unbedingt diesen Schritt zu einem Neuanfang wagen. Ich wollte unbedingt entweder etwas in Richtung „Design/Technisches Zeichen“ machen oder zur Polizei gehen.

Im Projektkontext „Wegbereiter“ wurde mir empfohlen an einem „Berufsprofiling“-Test teilzunehmen, der durch den Rotary Club Braunschweig-Hanse Ratsuchenden zur Verfügung gestellt wird, um herauszufinden, wo meine Stärken, Interessen und Eignungen verortet sind. Daran anschließend hatte ich die Möglichkeit, die Ergebnisse mit zwei berufserfahrenen Rotary-Mitgliedern zu besprechen und eine zusätzliche Bestätigung für meinen Veränderungswunsch zu erfahren. Der Test hatte ergeben, dass die Richtung, die ich gehe, eigentlich „die Richtige“ ist und ich im „technisch-mechanischen“ Bereich sehr gut aufgehoben sei. Die Testergebnisse, die Gespräche mit meiner Familie haben mir die letzten Impulse gegeben, den nächsten Schritt zu machen und („gefühlt“) neu zu beginnen.

Anfang 2018 habe ich mich entschlossen, Bewerbungen für die Ausbildung als „Technischer Produktdesigner“ zu versenden. Ich habe mir einige Arbeitgeber ausgesucht und mich beworben. Der Bewerbungsprozess wurde stets durch Projektmitglieder unterstützt. Meine Fragen und Anliegen wurden beantwortet, meine Bedenken und Ängste zum Thema „Selbstpräsentation“ gehört. Schnell bekam ich eine telefonische Einladung zu einem persönlichen Bewerbungsgespräch in Wolfsburg. Das Gespräch hat dann die Woche darauf stattgefunden, und drei Tage später habe ich durch ein weiteres Telefonat die Stelle zum „Technischen Produktdesigner“ erhalten. Seit einem Monat bin ich im Unternehmen und fühle mich sehr wohl und endlich wieder wertgeschätzt.

Während der Bewerbungszeit habe ich weiterhin an verschiedenen Informationsveranstaltungen teilgenommen, die im Netzwerk „Wegbereiter“ durch die Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, durch Bildungsträger, Kammern und zentrale Studienberatungen durchgeführt wurden. Der „Tag der gemeinsamen, offenen Beratung“ im März 2018 im Berufsinformationszentrum (BiZ) Braunschweig war eine tolle Veranstaltung, da sich sämtliche Einrichtungen aus der Beratungs- und Bildungslandschaft aus Braunschweig für meine Zielgruppe „Studienabbrechende“ ausgiebig Zeit genommen hatten, gemeinsam Perspektiven „auf Augenhöhe“ zu schaffen.

Während meines Studiums habe ich zahlreiche Nebenjobs und Werkstudententätigkeiten wahrgenommen, um mein Leben zu finanzieren. Zeitweise habe ich nur den Status „Student“ gehabt, um sorgenfrei arbeiten zu können. Nun bin ich froh, diese Doppelbelastung nicht mehr zu erleben und wieder die Zeit und die Lust für andere Sachen zu haben, die ich vor dem Studium mit viel Begeisterung gemacht habe. Ich habe wieder Energie jeden Morgen aufzustehen und mit Freude zur Arbeit zu gehen. Auch wenn ich jetzt so alt bin, fühle ich mich trotzdem wohl, wieder zur Berufsschule zu gehen und Mitschüler zu haben, die teilweise erst 17 Jahre alt sind. Es ist toll, dass ich meine erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen in der Schülerschaft weitergeben kann und wieder „gefragt“ zu sein, wenn es um komplexe Problemlösungen geht. Auch die Praxis im Unternehmen fühlt sich sehr gut an. Mit einem anderen Azubi, der 25 Jahre alt ist, bilde ich ein gutes Tandem. Auch die Chancen einer Ausbildungszeitverkürzung sind gut. Ankommen ist aber zunächst mein vordergründiges Ziel!

Rückblickend war meine Studienzeit eine sehr schöne Zeit. Obwohl ich keinen Hochschulabschluss erlangt habe, war es auf jeden Fall keine weggeschmissene Zeit! Ich konnte mich in vielen Bereichen weiterentwickeln und meinen Horizont erweitern. Ich habe viele Jahre meine Schwierigkeiten im Studium verdrängt und – wie in einem Teufelskreis – Leistungen auf das nächste Semester geschoben und gehofft, dass es besser wird. Leider war ich nicht in der Lage eigenständig Hilfe zu suchen oder neue externe Impulse zuzulassen. Heutzutage will jeder das Beste für sich allein und schnell das Studium durchziehen. Wenn man aus dem Raster fällt, ist es schwer wieder aufzustehen und den Anschluss zu finden. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, immer wieder aufzustehen. Doch: Hätte meine Tante mich nicht auf das Projektnetzwerk „Wegbereiter“ aufmerksam gemacht, und hätte ich nicht letztlich all meinen Mut zur Veränderung zusammengenommen, wäre ich wohl kaum auf die Idee gekommen, sämtliche Einrichtungen zu besuchen, die mir sehr stark helfen konnten. Als Langzeitstudierender ist man meist auf sich allein gestellt, und nach jeder nicht bestandenen Prüfung verliert man die Lust weiter am Studierendenleben teilzunehmen und kapselt sich somit immer mehr ab. Letztlich kann ich zusammenfassen, dass es schön gewesen wäre, wenn ich bereits vor fünf Jahren diese externe Unterstützung bekommen und meinen aktuellen Weg eingeschlagen hätte.

An alle, die noch die Möglichkeit haben, solche Beratungslandschaften für Quereinsteiger oder Aussteiger („Studienabbrechende“), wie „Wegbereiter“ diese zusammengestellt hat, zu besuchen, nutzt es! Geht dort hin und redet offen über eure „Probleme“, anstatt diese auf das nächste Semester zu verschieben und in einem Teufelskreis zu enden. Denkt daran, dass es für einen Neuanfang nie zu spät ist. Man muss nur in der Lage sein und den Mut haben, Veränderungen zuzulassen. „Egal wann man einen Fisch angelt, der Fisch bleibt frisch“.

Bildnachweis: privat

 

 

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