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Aylin: „Manchmal kommt einfach das Leben dazwischen, und du wirst gezwungen, dich mit dir selbst zu beschäftigen und eine Entscheidung zu treffen.“

Aylin,  jetzt fachaffine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation, zuvor Medienkommunikation, Ostfalia Hochschule  (Teil 1)

Manchmal kommt einfach das Leben dazwischen, und du wirst gezwungen, dich mit dir selbst zu beschäftigen und eine Entscheidung zu treffen.

Im Leben hat man verschiedene Rollen, über die wir unsere Identität definieren. Wir sind die Tochter, die Freundin, die Schülerin, die Studentin und noch viele weitere. Wenn diese Rollen aber ins Wanken kommen und letztlich eine wegbricht über die wir uns am meisten identifiziert haben: Wer sind wir dann? Wer bin ich und was will ich?

Mit genau diesen Fragen wurde ich Ende 2016 das erste Mal ausführlich konfrontiert und sie zogen sich bis zu diesem Jahr. Immer wieder tauchten sie in meinem Kopf auf und stifteten Verwirrung und Verzweiflung. Aber erst einmal zurück zum Anfang wie alles angefangen hat und diese Gedanken überhaupt einen großen Platz in meinem Kopf kriegen konnten. In der Schule war ich immer eine gute Schülerin und habe 2014 ein gutes Abitur abgeschlossen. Dort habe ich nie hinterher gehangen; war immer vorne mit dabei. So war es auch in den ersten zwei Semestern meines Studiums, welches ich im September 2015 angefangen hatte. Meine Prüfungen habe ich alle gut abgeschlossen und die Sachen, die ich lernte, machten mir Spaß. Dann kam das dritte Semester. Dort wurden die Anforderungen und der Workload höher, und es wurde allgemein stressiger. Zum ersten Mal kamen in mir erste leise Zweifel auf, ob ich bestimmte Fächer schaffen kann. Aber so ging es mehr oder weniger allen Kommilitonen.

Doch dann passierte Ende 2016 ein Ereignis was mein gesamtes Leben und vor allem mein Innerstes komplett auf den Kopf stellte. Meine Mama verstarb plötzlich. Und mir wurde der Boden unter den Füßen weggezogen. Trotzdem habe ich immer noch versucht weiter zu studieren und ganz einfach zu funktionieren.

(Fortsetzung folgt)

Halil: „Meine Entscheidung abzubrechen, war keine spontane Entscheidung.“

Halil, Teilnehmer „Fakultät 73“, zuvor WiIng. Elektrotechnik an der TU Braunschweig

Meine Entscheidung abzubrechen, war keine spontane Entscheidung. Ich merkte bereits im dritten Semester, dass ich nicht mehr studiere, weil mich dieser Berufspfad begeistert, sondern nur, um das Studium zu beenden. Auch wenn ich immer wieder darüber nachdachte abzubrechen, ließ es mein Selbstwertgefühl einfach nicht zu, alles über den Haufen zu werfen und von vorne anzufangen. Den schwierigen Gesprächen aus dem Weg zu gehen, spielte natürlich auch eine Rolle. Zu erklären, dass man nicht aufgrund der Noten abbricht, sondern aus Überzeugung. Bis heute merke ich immer wieder, wie mein Gegenüber daran zweifelt, wenn ich von meiner Entscheidung erzähle. Die größte Hürde für meine Entscheidung war jedoch, nicht zu wissen, wohin es denn gehen soll. Ohne dies zu wissen, hätte ich wahrscheinlich mein Studium abgeschlossen und mir von dort aus überlegt, wie es weitergeht.

Im September 2018 erfuhr ich dann durch einen Freund von einem neuen Qualifizierungsprogramm namens „Fakultät73“ von Volkswagen, in welchem die Teilnehmer zu Junior Software-Entwicklern ausgebildet werden sollen. Ich habe mich über die Jahre immer wieder mit Programmieren und Software beschäftigt, aber dies nie als wirklichen Berufspfad für mich gesehen, sondern eher als Hobby betrachtet.

Ein Programm, für das gezielt Personen nach ihren Fähigkeiten und Interessengebieten im Bereich IT ausgewählt werden, unabhängig von vorherigen Qualifikationen. Modern und innovativ, eine Qualifizierung, die anders sein soll. In einem Bereich, mit dem ich mich absolut identifizieren kann.

Ich habe mich direkt am selben Tag beworben. Das war wohl das erste Mal, dass mir das Schreiben einer Bewerbung Spaß gemacht hat. Dabei ging es nicht mal um die Bewerbung an sich, sondern viel mehr um die Erleichterung zu wissen, was ich machen möchte. Ich wusste ab diesem Zeitpunkt – unabhängig davon, ob meine Bewerbung erfolgreich verlaufen würde oder nicht – ich würde mein Studium abbrechen und in die IT gehen. Meine Familie und meine Freundin waren hierbei eine große Unterstützung und gaben mir überhaupt erst das Selbstvertrauen, diese Entscheidung zu treffen.

Spoiler-Alert: Meine Bewerbung war erfolgreich. Seit März 2019 bin ich nun in der „Fakultät73“ und bin glücklich mit meiner Entscheidung. Ich gehe gerne zur Arbeit, bin motiviert und habe Spaß. Und das Verrückteste, was mir wohl einige Leser nicht glauben werden (hätte ich im Vorfeld selbst nicht erwartet): Ich hab Spaß am Lernen.

Bewerbungsfrist für Start zum 01. März 2020: Bis zum 22. September können sich Interessierte unter https://www.volkswagen-karriere.de/de/ihr-einstieg/fakultaet-73.html für die Qualifizierung zum Software-Entwickler -in nur 2 Jahren, für Studienabbrechende mit Wunsch „Zusatzausbildung Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung“ bewerben.

 

 

Jakob: „Das Wichtigste ist, getroffene Entscheidungen zu akzeptieren und nicht zu lange darauf herumzukauen.“

Jakob, ehemals Bachelor Physik, TU Braunschweig und bald Geowissenschaften, andersorts

Das Wichtigste ist, getroffene Entscheidungen zu akzeptieren und nicht zu lange darauf herumzukauen.

Die gesamten Ereignisse der Entscheidung zu studieren, über den Studienabbruch bis hin zur Neuorientierung, fanden bei mir alle in sehr kurzem Abstand zueinander statt; meine Reaktion, die Ängste und Sorgen waren dafür umso größer. Die gesamte Schulzeit verlief bei mir reibungslos, und ich entwickelte den überzogenen Anspruch der Selbstperfektion. In der Oberstufe bemerkte ich dann mein reges Interesse an den Naturwissenschaften und vor allem der Physik. Die perfekte Voraussetzung dafür, alle Beratungsgespräche, Probleme und Hürden zu umgehen, war also, mich selbst davon zu überzeugen, Physik sei das absolut Richtige für mich. Nachdem ich dann mit 17 Jahren meine Abiturprüfungen erfolgreich abgelegt hatte, flüchtete ich mich sehr schnell in diesen Studiengang. Kurz darauf schon merkte ich, dass dieses Studium mich weit über meine Grenzen bringt, und sah mich bereits nach wenigen Wochen mit den Gedanken an das Abbrechen konfrontiert.

Zu dieser Zeit hörte ich erstmals von dem Projekt Wegbereiter, von einer Freundin in ähnlicher Situation. Nichtsdestotrotz machte ich zunächst weiter wie bisher, bis die Prüfungen kamen. Ich blockierte komplett, war ständig gereizt und schlief nicht mehr richtig, ans Lernen war nicht zu denken. Da fasste ich mit einem Mal den Entschluss, dieses Studium nicht weiterführen zu wollen. Nachdem ich diese Notbremse gezogen hatte, konnte ich wieder frei denken und beschloss, nun endlich all die Beratung in Anspruch zu nehmen, die ich bisher verwehrte. 

So besuchte ich die Agentur für Arbeit und stellte fest, dass das Studieren an sich keinesfalls eine falsche Entscheidung war, ich jedoch meine Interessen und Fähigkeiten voreilig falsch eingeschätzt hatte. Parallel setzte ich mich auch mit den Wegbereitern in Verbindung, und durchlief dort zuerst das Berufsprofiling des Rotary Clubs. Direkt im Anschluss kam es im persönlichen Gespräch erstmals zu einer konkreten Auseinandersetzung mit all den negativen Gedanken, den Sorgen und dem Druck, also jenen Stressfaktoren, die die Fehlentscheidung des Physikstudiums mit sich brachte. Durch die Wegbereiter lernte ich, mit diesem Stress umzugehen und Entscheidungen bewusst und ausgewogen zu treffen. Ich lernte, meine Gedanken zu ordnen, um in stressigen Situationen nicht den Faden zu verlieren. Eine weitere in den Gesprächen gewonnene Erkenntnis war, dass mich nichts mehr in Braunschweig und der TU hält, sondern dass ich einen weiteren Schritt wagen möchte und einen Neuanfang in einer anderen Stadt herbei sehne.

Als es dann zu der Auswertung des Berufsprofilings und dem Gespräch mit zwei Mitgliedern des Rotary-Clubs kam, erhielt ich noch einmal Klarheit darüber, wie meine Fähigkeiten, Kenntnisse und beruflichen Vorlieben eingeschätzt werden. Darauf folgte eine Empfehlung, aufgrund meines jungen Alters eine Ausbildung zu beginnen, um den Stress aus der Sache zu nehmen und mir Zeit verschaffen zu können. Da merkte ich, dass der Wunsch zu Studieren tief in mir saß und ich bei dem Gedanken an ein Studium mit guten Gefühlen erfüllt wurde. Dieser Einspruch bestärkte mich letzten Endes auch darin, dieses erste Studium hinter mir zu lassen und im Herbst neu anzufangen. Deshalb besuchte ich einen Workshop der TU BS zur Studienfachentscheidung, um mir weiteren Input zu holen, welche Studiengänge zu meinen Interessen, Fähigkeiten und Charaktereigenschaften passen. Noch immer waren dabei die Naturwissenschaften sehr präsent, vor allem die „handfesteren, der Erde zugewandten“, nicht ganz so abstrakten Geowissenschaften. Nachdem dieser gesamte Prozess der Neuorientierung nun abgeschlossen ist, bereite ich mich auf den Studiengang Geowissenschaften vor, auf dessen Wahl meine Entscheidung letztlich fiel. Es laufen Umzugsvorbereitungen und letzte Unklarheiten werden ausgeräumt, sodass es in den nächsten Monaten nun nach Mainz geht, um dort den ersehnten Neuanfang zu erleben. Endlich geht es weiter!

Treibende Kraft während dieses Prozesses waren die Gespräche mit den Wegbereitern. Sie haben geholfen, meine Gedanken zu ordnen und mit getroffenen Entscheidungen leben zu können, sowie mit nüchternem Verstand neue Entscheidungen treffen zu können. Deshalb würde ich die Wegbereiter jeder Person empfehlen, die Unterstützung dabei benötigt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, Ängste und Sorgen bezüglich der eigenen Zukunft zu behandeln und Probleme damit hat, Fehlentscheidungen zu akzeptieren und diese zu vermeiden.  Alle Ratsuchenden sind bei den Wegbereitern gut aufgehoben, in den Gesprächen wird sich Zeit genommen, die Protokolle sind sehr ausführlich und die Methoden zur Hilfe sehr zahlreich und vielseitig. Ich verdanke den Wegbereitern, in meinem Fall Marcus, viel Stabilität in den letzten Monaten, durch die ich wieder einen klaren Weg gefunden habe und nun weiß, was zu tun ist.

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