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Jakob: „Das Wichtigste ist, getroffene Entscheidungen zu akzeptieren und nicht zu lange darauf herumzukauen.“

Jakob, ehemals Bachelor Physik, TU Braunschweig und bald Geowissenschaften, andersorts

Das Wichtigste ist, getroffene Entscheidungen zu akzeptieren und nicht zu lange darauf herumzukauen.

Die gesamten Ereignisse der Entscheidung zu studieren, über den Studienabbruch bis hin zur Neuorientierung, fanden bei mir alle in sehr kurzem Abstand zueinander statt; meine Reaktion, die Ängste und Sorgen waren dafür umso größer. Die gesamte Schulzeit verlief bei mir reibungslos, und ich entwickelte den überzogenen Anspruch der Selbstperfektion. In der Oberstufe bemerkte ich dann mein reges Interesse an den Naturwissenschaften und vor allem der Physik. Die perfekte Voraussetzung dafür, alle Beratungsgespräche, Probleme und Hürden zu umgehen, war also, mich selbst davon zu überzeugen, Physik sei das absolut Richtige für mich. Nachdem ich dann mit 17 Jahren meine Abiturprüfungen erfolgreich abgelegt hatte, flüchtete ich mich sehr schnell in diesen Studiengang. Kurz darauf schon merkte ich, dass dieses Studium mich weit über meine Grenzen bringt, und sah mich bereits nach wenigen Wochen mit den Gedanken an das Abbrechen konfrontiert.

Zu dieser Zeit hörte ich erstmals von dem Projekt Wegbereiter, von einer Freundin in ähnlicher Situation. Nichtsdestotrotz machte ich zunächst weiter wie bisher, bis die Prüfungen kamen. Ich blockierte komplett, war ständig gereizt und schlief nicht mehr richtig, ans Lernen war nicht zu denken. Da fasste ich mit einem Mal den Entschluss, dieses Studium nicht weiterführen zu wollen. Nachdem ich diese Notbremse gezogen hatte, konnte ich wieder frei denken und beschloss, nun endlich all die Beratung in Anspruch zu nehmen, die ich bisher verwehrte. 

So besuchte ich die Agentur für Arbeit und stellte fest, dass das Studieren an sich keinesfalls eine falsche Entscheidung war, ich jedoch meine Interessen und Fähigkeiten voreilig falsch eingeschätzt hatte. Parallel setzte ich mich auch mit den Wegbereitern in Verbindung, und durchlief dort zuerst das Berufsprofiling des Rotary Clubs. Direkt im Anschluss kam es im persönlichen Gespräch erstmals zu einer konkreten Auseinandersetzung mit all den negativen Gedanken, den Sorgen und dem Druck, also jenen Stressfaktoren, die die Fehlentscheidung des Physikstudiums mit sich brachte. Durch die Wegbereiter lernte ich, mit diesem Stress umzugehen und Entscheidungen bewusst und ausgewogen zu treffen. Ich lernte, meine Gedanken zu ordnen, um in stressigen Situationen nicht den Faden zu verlieren. Eine weitere in den Gesprächen gewonnene Erkenntnis war, dass mich nichts mehr in Braunschweig und der TU hält, sondern dass ich einen weiteren Schritt wagen möchte und einen Neuanfang in einer anderen Stadt herbei sehne.

Als es dann zu der Auswertung des Berufsprofilings und dem Gespräch mit zwei Mitgliedern des Rotary-Clubs kam, erhielt ich noch einmal Klarheit darüber, wie meine Fähigkeiten, Kenntnisse und beruflichen Vorlieben eingeschätzt werden. Darauf folgte eine Empfehlung, aufgrund meines jungen Alters eine Ausbildung zu beginnen, um den Stress aus der Sache zu nehmen und mir Zeit verschaffen zu können. Da merkte ich, dass der Wunsch zu Studieren tief in mir saß und ich bei dem Gedanken an ein Studium mit guten Gefühlen erfüllt wurde. Dieser Einspruch bestärkte mich letzten Endes auch darin, dieses erste Studium hinter mir zu lassen und im Herbst neu anzufangen. Deshalb besuchte ich einen Workshop der TU BS zur Studienfachentscheidung, um mir weiteren Input zu holen, welche Studiengänge zu meinen Interessen, Fähigkeiten und Charaktereigenschaften passen. Noch immer waren dabei die Naturwissenschaften sehr präsent, vor allem die „handfesteren, der Erde zugewandten“, nicht ganz so abstrakten Geowissenschaften. Nachdem dieser gesamte Prozess der Neuorientierung nun abgeschlossen ist, bereite ich mich auf den Studiengang Geowissenschaften vor, auf dessen Wahl meine Entscheidung letztlich fiel. Es laufen Umzugsvorbereitungen und letzte Unklarheiten werden ausgeräumt, sodass es in den nächsten Monaten nun nach Mainz geht, um dort den ersehnten Neuanfang zu erleben. Endlich geht es weiter!

Treibende Kraft während dieses Prozesses waren die Gespräche mit den Wegbereitern. Sie haben geholfen, meine Gedanken zu ordnen und mit getroffenen Entscheidungen leben zu können, sowie mit nüchternem Verstand neue Entscheidungen treffen zu können. Deshalb würde ich die Wegbereiter jeder Person empfehlen, die Unterstützung dabei benötigt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, Ängste und Sorgen bezüglich der eigenen Zukunft zu behandeln und Probleme damit hat, Fehlentscheidungen zu akzeptieren und diese zu vermeiden.  Alle Ratsuchenden sind bei den Wegbereitern gut aufgehoben, in den Gesprächen wird sich Zeit genommen, die Protokolle sind sehr ausführlich und die Methoden zur Hilfe sehr zahlreich und vielseitig. Ich verdanke den Wegbereitern, in meinem Fall Marcus, viel Stabilität in den letzten Monaten, durch die ich wieder einen klaren Weg gefunden habe und nun weiß, was zu tun ist.

Steffen: „Ich habe diesen Schritt zu keinem Zeitpunkt bereut“

Steffen, Ausbildung zum Finanz- und Versicherungskaufmann, zuvor Biologie an der TU Braunschweig

Nachdem sich für mich im Jahr 2005 im 4. Semester des Studiengangs Biologie mehr und mehr herausstellte, dass dies nicht der berufliche Bereich ist, in welchem ich mich langfristig sehe, war ich hin- und hergerissen.

Einerseits wurde mir von vielen Seiten gesagt, dass ich mit 23 Jahre nun schon zu alt sei, einen anderen Werdegang einzuschlagen und ein abgebrochenes Studium sich sowieso sehr schlecht im Lebenslauf machen würde. Andererseits war ich der fester Überzeugung, dass ohne ein 100%iges Interesse an diesem Berufsfeld niemals erfolgreich werden könnte.

Ausschlaggebend war dann ein eher zufälliger Kontakt mit einem promovierten Mikrobiologen im Rahmen meiner damaligen, beruflichen Tätigkeit. Dieser erzählte mir ausführlich von weltweiter Mobilität, zu Anfang verhältnismäßig schlechter Bezahlung und aufgrund von immer neuen Zeitverträgen schlechter Planungssicherheit, aber auch von seinem Tätigkeitsbild.Zu keiner Zeit konnte ich mich dabei wiederfinden. So ergriff ich 2005 die Initiative und wendete mich an die damalige Unterstützungsmöglichkeiten des Studentenwerks und des BiZ in Braunschweig. Hier wurden mir die o.g. Befürchtungen genommen, und ich war motiviert, mich für einen geeigneten Ausbildungsberuf zu bewerben.

Nach einer kurzen Eigenrecherche kristallisierten sich die Berufsbilder Bankkaufmann und Kaufmann für Versicherung und Finanzen heraus, da sich diese am Besten mit meinen Interessen deckten und gute Verdienstmöglichkeiten (auch ohne Studienabschluss) in Aussicht stellten.

Im Frühjahr 2006 durchlief ich bereits nach einigen, wenigen Bewerbungen diverse Bewerbungsgespräche und AC. Ich hatte nach kurzer Zeit 3 Zusagen, eine Bank und zwei Versicherungen. Ich endschied mich für die Debeka (Kurzform für Deutsche Beamten-Krankenversicherung), weil mir bei der Debeka die Organisationsstruktur im Ganzen und -kultur im Einzelnen vor Ort am Besten gefallen haben. Nach der 3jährigen Ausbildung (Schwerpunkt: Innen- und Außendienst) begann ich 2009 mit einer internen Fortbildung im Bereich Baufinanzierung, in welcher ich anschließend bis 2013 sehr erfolgreich tätig war. Danach wechselte ich in den Personalbereich.

Aktuell übe ich die Funktion als Organisationsleiter aus und führe ein Team mit 7 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer eigenen Filiale in der Zimmerstraße in Braunschweig. Wir betreuen einen Kundenstamm von 3000 Debeka-Mitgliedern. Darauf bin ich stolz; zudem noch auf dem subjektiven Vorteil, dass ich als „gescheiter“ Studienabbrechender ein Jahreseinkommen erzielen kann, welches mir mit einem Biologie-Abschluss nur schwerlich möglich gewesen wäre. Ich habe diesen Schritt zum Jahreswechsel 2005/2006 zu keinem Zeitpunkt bereut. Ganz im Gegenteil: Noch heute erzähle ich gerne von der „glücklichen Fügung“, mich für diesen Schritt in meinem Leben entschieden und die Chance von der Debeka erhalten zu haben.

Marvin: „Das Fach war mir einfach zu abstrakt (…). Ich wollte gerne etwas „Richtiges“ schaffen“

Marvin, Ausbildung zum Industriekaufmann, zuvor Wirtschaftsinformatik

Die ersten Zweifel am Studieren kamen mir im Sommer 2018. Ich war zu diesem Zeitpunkt im zweiten Semester Wirtschaftsinformatik an der TU Braunschweig eingeschrieben. Das Fach war mir zu abstrakt. Ich konnte mir nicht so wirklich etwas darunter vorstellen. Erklärt habe ich es mir damit, dass man in den ersten Semestern nur die Grundlagen kennenlernt, wie man es von vielen Menschen hört. Sei es Familie, Freunde oder auch die Professoren und Professorinnen der ersten Vorlesungen: „In den ersten Semestern wird aussortiert, dann geht es richtig los.“ Das habe ich sehr häufig gehört. Als es dann im dritten Semester spezifischer wurde, habe ich gemerkt, dass das Studienfach nichts für mich ist. Mir fehlte schlicht und einfach das spezifische Interesse. Trotzdem habe ich es vorerst fortgeführt. Ich bin zu Vorlesungen gegangen, habe die Übungen besucht und Hausaufgaben pflichtbewusst gemacht. Im Dezember hat es mir dann gereicht. Ich war mir so unsicher, ob ich weitermachen sollte oder nicht, deshalb habe ich nach Hilfe gesucht.

Nach einer kurzen Suche im Internet bin ich auf „die“ Wegbereiter gestoßen. Ich habe mir zunächst einige der Blogeinträge durchgelesen und mich dazu entschieden, ihnen eine E-Mail zu schreiben. Ich bekam sehr zeitnah eine Antwort und auch gleich einen Vorschlag für ein erstes Gespräch zugesandt. Dieses Gespräch fand wenige Tage später mit Marcus und Susann statt. Ich weiß noch sehr genau, dass ich vor diesem Gespräch aufgeregt war. „Ist mein Problem überhaupt ein Thema?“, „Mache ich mich nicht vielleicht lächerlich, schließlich studiere ich ja ‚erst‘ drei Semester?“; aber es wurde mir sehr schnell klargemacht, dass ich mir darüber keine Gedanken machen muss. Nach diesem ersten Gespräch war ich mir dann auch sicher: Dieses Studium führe ich nicht weiter fort. Generell gab es im ersten Gespräch eine Orientierungsphase mit den Fragen: „In welche Richtung soll es gehen? Welche Richtungen stehen mir zur Auswahl? Ein anderer Studiengang? Duales Studium? Eine Ausbildung?“. Relativ schnell wurde klar, dass mir der praktische Teil im Studium fehlt. Ich wollte gerne etwas „Richtiges“ schaffen. Mich zugehörig fühlen. Sagen können: „Da habe ich dran mitgearbeitet, das ist mein Ergebnis.“ Dieses Gefühl hatte ich während des Studiums nicht, auch wenn ich dort natürlich Klausuren geschrieben und auch bestanden habe. Doch diese Ergebnisse waren mir nicht „real“ genug. Ich brachte dann den Ausbildungsberuf des Industriekaufmanns in das Gespräch ein, für den ich mich nach weiteren Gesprächsterminen entschieden habe.

Dafür hat Marcus mir immer wieder Denkanstöße zukommen lassen. Sei es im Gespräch oder durch Methoden, die ich zuhause selbst bearbeiten bzw. durchführen konnte. Außerdem habe ich am Berufsprofiling-Test des Rotary Club Braunschweig-Hanse teilgenommen. Dort wurden mir meine Stärken und Schwächen noch einmal vor Augen geführt und meine Entscheidung zur Ausbildung unterstützt. Ein Termin bei der Agentur für Arbeit hat mich ebenfalls in meiner Entscheidung bestärkt, und mir wurde bei der Erstellung meiner Bewerbungsunterlagen sehr geholfen. Zudem waren auch Fragen wie „In welchem Ort absolviere ich die Ausbildung?“ und „Wie erzähle ich meinen Eltern von der Entscheidung?“ Themen in den Gesprächen und dem ständigen E-Mailkontakt. Auch diesbezüglich wurde ich mit sehr guten Tipps versorgt und mir wurde Sicherheit vermittelt.

Aktuell befinde ich mich noch in der Zeit zwischen Studium und Ausbildung, die am 01.08.2019 beginnt. Die Ausbildung werde ich dann bei Bertrandt in Tappenbeck absolvieren. In der Zwischenzeit arbeite ich viel in meinem Nebenjob, um die Zeit bis zum Beginn zu überbrücken und freue mich schon sehr auf den Beginn. Ich habe ein gutes Gefühl, dass diese Ausbildung zu mir passt.

Würde ich anderen „die“ Wegbereiter empfehlen? Auf jeden Fall! Ich wurde dort sehr freundlich empfangen; ich wurde ernst genommen und habe wirklich gute Tipps, Hinweise und Methoden bekommen, die mir bei meinem Entscheidungsprozess geholfen haben. Ganz besonders toll fand ich, dass es keine einfache Berufsberatung war, sondern es auch um mich als Menschen ging. Es wird nicht nur versucht, einem bei der Berufs- oder Studienwahl zu helfen, sondern auch wie man mit persönlichen Problemen umgeht, die damit einhergehen.

Anna: „Gebt Euch nicht auf!“

Anna: „Gebt Euch nicht auf!“

Anna, 25 Jahre, arbeitet mit sozialwissenschaftlichem Bachelorabschluss in der Jugendberufshilfeberatung

Mein Bachelorstudium Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt interkulturelle Beziehungen habe ich in Fulda an der Hochschule gemacht und bin dann für den Master „Organisation, Governance, Bildung“ nach Braunschweig an die TU gekommen. Schon gegen Ende des ersten Semesters hatte ich Zweifel an meinem Studiengang, da entdeckte ich auf dem Gang zwischen zwei Vorlesungen den „Wegbereiter“-Flyer. Zu dem Zeitpunkt klang es für mich aber so, als ob die Beratung nur in Richtung Ausbildung geht, also habe ich es erstmal verworfen. Gegen Ende der Sommersemesterferien waren die Zweifel dann schon sehr stark. Innerlich hatte ich mich vermutlich schon fast zu dem Abbruch entschieden, wollte aber trotzdem gerne noch eine Beratung in Anspruch nehmen und habe mich dann eben an den Flyer erinnert, das Angebot nochmal gegoogelt und einen Termin vereinbart.

Es gab im Wesentlichen zwei Gründe, warum ich schon vor der Beratung zum Studienabbruch tendiert habe.

Zum einen war der Studiengang fachlich nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt habe, und auch den Anschluss zu den Kommilitonen hatte ich mir anders gewünscht. Ich komme zwar aus Braunschweig, aber meine Mitbewohnerin und ich, wir waren die einzigen, die hier an der TU noch niemanden kannten. Alle anderen Studierenden im Master waren scheinbar schon so ein eingespieltes Team. Außerdem haben alle außer mir schwerpunktmäßig eine Orientierung in Richtung Wirtschaft und Personalentwicklung gesucht, während ich eher in die soziale und Bildungsrichtung wollte.

Mir hat außerdem irgendwie der fachliche Austausch mit Mitstudenten oder Dozenten gefehlt, so wie ich es halt aus Fulda kannte. Dort war das Studium einfach unser Leben, unser Lebensinhalt, wir haben uns ständig darüber unterhalten. Hier hatte ich eher das Gefühl, dass es den anderen nur darum geht, schnell durchzukommen, den Schein zu bekommen und weiter. Ich bin hier also nie wirklich angekommen. Deshalb ging es mir auch psychisch immer schlechter.

Der andere Grund war ein privater Umstand. Mein Verlobter ist Kenianer, und ich war in den Sommersemesterferien bei ihm zu Besuch in Kenia. Wir haben darüber gesprochen, wie er nach Deutschland kommen kann und dann wurde irgendwie klar, wenn er hierherkommen möchte, dann muss ich erstmal Geld verdienen. Letztlich war das vielleicht der Auslöser zusätzlich zu meinen Zweifeln am Studiengang, der die Entscheidung herbeigeführt hat.

Insgesamt war ich drei Mal bei Inga von den Wegbereitern. Und ich weiß noch, beim ersten Termin musste erstmal alles raus: Die Sorgen und Zweifel, tausend Fragen, welche Möglichkeiten und Alternativen es überhaupt gibt. Danach war ich erstmal ziemlich erschlagen. Aber mir war schon klar, es geht in Richtung Direkteinstieg in Arbeit. Beim zweiten Termin ging es dann schon mehr um die Jobsuche:  Worauf muss man achten, was gibt es hier überhaupt so in der Region passend zu meinem Bachelor-Studium, Tipps zu Jobbörsen und Vorgehensweise usw. Ich habe mich auf der Jobbörse der Agentur für Arbeit und in Zeitungen umgeschaut, mich außerdem bei zehn verschiedenen Online-Jobbörsen angemeldet. Ich hatte mir die ganzen Apps davon runtergeladen, bin aber gar nicht dazu gekommen, überall ein Profil anzulegen. Denn Inga hat mir über einen Arbeitgeberkontakt der Wegbereiter auch noch einen Link zu einem passenden Jobangebot geschickt, für das ich sofort Feuer und Flamme war. Da passte für mich einfach alles zu den Wünschen und Vorstellungen, die wir zuvor im Gespräch herausgearbeitet hatten. Das Studium hatte ich angefangen mit dem Ziel, in die Erwachsenenbildung oder auch diskriminierungsfreie, politische Bildung zu gehen. Ich habe den Kontakt mit Menschen gesucht, aber auch eine Kombination aus Bildungsarbeit und Arbeit am Menschen. Zu guter Letzt wollte ich gern im interkulturellen Feld tätig sein. Diese drei Aspekte habe ich in dem Stellenangebot vorgefunden.

Zusätzlich zu den Bewerbungen, die ich geschrieben habe, bin ich dann auf Ingas Empfehlung hin auch zum Career Service der TU Braunschweig und zur Absolventenberatung der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar gegangen. Bei letzterer bin ich erstmal in die Datenbank aufgenommen worden. Beim Career Service war ich leider erst einen Tag vor dem Vorstellungsgespräch bei besagter Stelle. Ich hatte aber meine Bewerbung mitgebracht und so hat Herr Ahlborn mit mir nochmal drüber geschaut. Das hat mir sehr geholfen, weil ich einen Tag vorher nochmal mit jemandem drüber sprechen konnte, wie man sich vorstellt, wie man sich präsentiert und wie man sich vielleicht aus den Schwachstellen des Anschreibens noch rausreden kann oder schöner formulieren, sollte man darauf angesprochen werden. Nach dem Vorstellungsgespräch war ich eigentlich nicht so zufrieden – es hat aber geklappt und kurze Zeit später konnte ich direkt anfangen dort zu arbeiten. So ging am Ende alles sehr schnell – ich hatte insgesamt drei Bewerbungen abgeschickt, bis die Zusage kam. Jetzt bin ich seit Mitte Oktober bei der Jugendberufshilfe und berate junge Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Eigentlich ist das wie Wegbereiter für eine etwas andere Zielgruppe: Das Projekt heißt Wegweiser.

Ich bereue es auf keinen Fall, dass ich das Studium abgebrochen habe. Aber ich denke, dass es ganz gut war, den Master angefangen zu haben. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich mich wahrscheinlich immer gefragt: Wie wäre es gewesen? Warum hast Du das nicht gemacht? Jetzt gerade könnte ich mir nicht vorstellen, wieder in Vollzeit zu studieren, denn ich brauche diesen geregelten Tagesablauf des Berufslebens. Weiterbilden möchte ich mich später vielleicht in einem berufsbegleitenden Master.

Ich kann anderen nur raten, sich nicht aufzugeben, sich Hilfe zu suchen. Man muss es nicht zu überstürzt angehen, man kann sich Zeit lassen. In sich reinhören, was man eigentlich möchte.

Für alle anderen in meinem Umfeld war es schon ein ziemlicher Schock. Aber ich war an einem Punkt, wo ich wusste, dass es so nicht weitergeht. Also habe ich daran festgehalten und mich nicht überreden lassen. Mein Umfeld war das nicht gewohnt von mir, da ich sonst eben immer deren Erwartungen entsprochen habe. Meine Familie fand es nicht so gut, dass Anna etwas abbricht und nicht zu Ende macht. Deshalb hat mir die Wegbereiter-Beratung sehr geholfen, denn ich habe mich schon von Anfang an dort sehr aufgefangen gefühlt. Es hat allein schon geholfen, dass da jemand ist, der objektiv mit der Situation umgeht – nicht die Familie oder Freunde, die sagen: „Mach doch weiter, denk an Deine Zukunft“ und so weiter – sondern dass jemand von außerhalb draufschaut und mit einem alle Möglichkeiten durchgeht.

Das hat mich in der Phase des Studienzweifels sehr gestärkt. Heute stärkt mich vor allem mein Arbeitsumfeld. Man bekommt so viel zurück, sieht Erfolge und wie die Personen, die ich berate, sich weiterentwickeln. Es war schon immer so, dass ich sehr stark das Bedürfnis hatte, anderen Menschen oder Lebewesen zu helfen. Und das sehe ich heute als meinen Lebenssinn: Mich für andere einzusetzen. Das erfüllt mich und macht mich glücklich.

Bildnachweis: privat

 

Daria: „Die Exmatrikulation war das Beste, was mir passieren konnte“

Daria: „Die Exmatrikulation war das Beste, was mir passieren konnte“

Daria, 25 Jahre, holt ihre allgemeine Hochschulreife am Abendgymnasium nach

Aufbauend auf meiner Fachhochschulreife für Wirtschaft und Verwaltung habe ich an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel den Studiengang „Recht, Finanzmanagement und Steuern“ studiert. Nach 5 Semestern habe ich vor etwa einem Jahr dann eine Prüfung im Drittversuch nicht bestanden – und das war letztlich das Beste, was mir passieren konnte.

Es ist natürlich sehr schwierig, in dieser emotionalen Situation Beratung in Anspruch zu nehmen. Für mich war es insoweit schwer, weil ich erst einmal mich selbst sortieren musste – denn man weiß ja gar nicht, wie es weitergeht. Im ersten Moment muss man erstmal verarbeiten. Ich war dann bei meinem Lerncoach der Fakultät Recht (siehe Lerncoaching, Beratungsangebot an der Ostfalia HaW), welches an allen Fakultäten angesiedelt ist und Lernhilfen gibt, aber auch bei persönlichen Krisen oder Veränderungswünschen unterstützt). Die Beraterin hat mich auch in der Phase vor und nach der Exmatrikulation begleitet und empfahl mir die Wegbereiter. Eigenständig und selbst wäre ich, so glaube ich, nie darauf gekommen.

Ich hatte damals noch gar keine eigenen Alternativen im Kopf. Ich war erst einmal total verloren und wusste gar nicht, wo ich anfangen soll, ich hatte tausend Gedanken im Kopf. Somit war Wegbereiter eine sehr große Hilfe für mich. Die Unterstützung ist wirklich sehr individuell abgestimmt. Man lernt sich erst einmal kennen und dann stellt man dir die Frage: „Was ist denn jetzt dein Ziel?“ Darüber war ich mir auch schon während des Studiums gar nicht bewusst. Das hat sich erst in den Beratungsgesprächen herauskristallisiert. Ein Problem, mit dem ich zu kämpfen hatte, war halt die mangelnde Motivation, ein neues Studium anzugehen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich gedacht: „Du bist zu doof für ein Studium! Das hat jetzt nicht geklappt, also machst du halt eine Ausbildung.“ Aber da war die Frage: Welcher Beruf passt denn zu mir? Das habe ich mit in die Beratung genommen, und daraufhin haben mich die Wegbereiter unter anderem zum Career Service der Ostfalia und zur Studien- und Berufsberatung von der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar geschickt, wo zum Beispiel auch erstmal formale Qualifikationen, die ich schon mitbringe, aufgezeigt und gesammelt wurden. Tatsächlich war dann aber nichts dabei, was mich begeistert hat.

Parallel hatten mir die Wegbereiter noch ein Workshopangebot der Zentralen Studienberatung der TU Braunschweig empfohlen, bei dem mit Methoden der Potenzialanalyse gearbeitet wird. Dadurch habe ich erfahren, dass ich viel eher in Berufe passe, wo ich mich ausleben kann und anderen Menschen etwas beibringe, also künstlerisch-pädagogische Richtungen. Deshalb habe ich mich entschieden, weiter zu studieren – aber in eine ganz andere Richtung, nämlich in Richtung Lehramt. Mit meinem Fachhochschulabschluss kann ich das aber nicht machen, deshalb hole ich jetzt meine allgemeine Hochschulreife am Abendgymnasium nach und arbeite außerdem tagsüber.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich bereits im 3. oder 4. Semester Zweifel an meinem Studium. Aber da man in einer Leistungsgesellschaft lebt, habe ich gedacht: „Nein, es ist nur mangelnde Motivation, die nach einer Zeit schon wiederkommt. Zieh das einfach durch!“ Und dementsprechend wurde ich von mir selbst, aber auch von meinen Freundinnen und Kommilitoninnen eben zum Weitermachen motiviert und animiert.

Bloß sollte es eben nicht sein. Es war nicht der richtige Weg für mich. Aus der Beratung habe ich zum Glück den Mut mitgenommen, meinen eigenen Weg zu finden und auch zu gehen.

Foto: Wegbereiter

Maverick: „Macht das, womit ihr euch wohlfühlt“

Maverick: Macht das, womit ihr euch wohlfühlt

Maverick, 22 Jahre, Auszubildender bei Cargill in Salzgitter

Schon früh in meinem Studium Mathematik und Geschichte auf Lehramt habe ich gemerkt, dass studieren mir nicht wirklich liegt. Ich hatte keinen geregelten Tagesablauf, die Lehrveranstaltungen waren mir viel zu theoretisch und die Klausuren liefen auch eher so mittelprächtig. Während des ersten Pflichtpraktikums im 2. Semester, bei dem ich hauptsächlich in der Schule hospitiert und kleine Unterrichtseinheiten übernommen habe, lief es aber noch ganz gut. Daher dachte ich mir: „Immerhin scheint der Beruf zu passen, dann lohnt es sich auch durchs Studium zu beißen!“

Als die nächsten Semester dann aber nicht besser liefen als die ersten beiden, ich Klausuren nicht bestanden hatte und meine Motivation völlig im Keller war, kamen die ersten echten Zweifel. Schaffe ich das Studium wirklich?
Dann kam das zweite Praktikum, in dem man bereits mehr Unterricht übernimmt und langsam an das täglich Brot eines Lehrers herangeführt wird. Zu dieser Zeit habe ich gemerkt, dass der Beruf des Lehrers nicht so richtig das ist, was ich wirklich möchte. Hier fiel eigentlich schon der Entschluss, dass ein Abbruch das Beste für mich wäre. Da ich für mich jedoch keinen Plan B hatte, war ich mit dieser Situation ziemlich überfordert.

Was sollte ich jetzt machen? Zurück zu den Eltern – eher keine Option.

Ein anderes Studium? Das erste hat ja schon nicht funktioniert.

Also habe ich beschlossen, mir für diesen Schritt Hilfe zu suchen – bei Google mithilfe der Stichworte:
„Studienabbruch Braunschweig“. Erster Link: Wegbereiter. Eine Initiative, direkt unterstützt von der Uni? Erst mal eine Mail schreiben und schauen, ob die einem wirklich helfen können. Zwei Tage später kam die Antwort. Eine Woche später hatte ich einen Termin, zu dem ich mit etwas mulmigen Gefühl hingegangen bin, denn es war das erste offizielle Gespräch abgesehen von Gesprächen im engsten Familien- und Freundeskreis.

Wir haben dann erst einmal viel über mich, das Studium und die möglichen weiteren Schritte gesprochen. Am hilfreichsten war schließlich die Weiterleitung an die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Auch hier habe ich schnell einen Termin bekommen. Mithilfe der verschiedenen Beratungen habe ich mich entschieden, dass ich statt des Studiums lieber eine Ausbildung machen möchte. Da es bereits März war, sah ich jedoch keine sonderlich großen Chancen mehr, für den Herbst noch einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar hat mich jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass es durchaus noch einige freie Ausbildungsplätze gab. Ich durfte an einem hervorragenden Bewerbungstraining teilnehmen und habe tatsächlich noch einen Ausbildungsplatz zum Industriekaufmann gefunden.

Während der ganzen Zeit hat Wegbereiter mich begleitet und unterstützt, wofür ich im Nachhinein wirklich dankbar bin. Als der Entschluss zum Abbruch fiel, war ich orientierungslos und wusste kaum, was ich stattdessen machen wollte und wie genau es weitergehen kann. Wegbereiter hat mir wie ein Leuchtturm verschiedene mögliche Wege gezeigt, wodurch ich seit inzwischen 6 Monaten zufrieden in der betrieblichen Ausbildung angekommen bin.

Der Abbruch hatte für mich persönlich auch keinerlei Nachteile. Im Gegenteil, er hat mich für die Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, interessanter gemacht. Die Klausuren in der Berufsschule sind im Gegensatz zu dem, was ich aus der Uni gewöhnt war, sehr einfach. Ich habe inzwischen einfach das Gefühl, ausbildungstechnisch das für mich Richtige zu machen – auch dank Wegbereiter.

Falls ihr ebenfalls in der Situation seid, dass ihr an eurer Studienwahl zweifelt, kann ich euch nur einen Tipp geben: Tragt diese Gedanken nicht allein mit euch rum. Sprecht mit irgendwem drüber, ganz egal ob Familie, Freunde oder Außenstehende. Und am wichtigsten: Macht das, womit ihr euch am wohlsten fühlt, unabhängig davon, was andere vielleicht von euch erwarten. Ein Studium passt meiner Meinung nach nun einmal nicht für Jeden. Das ist okay und keine Schande. Eine Ausbildung ist keine Sackgasse, man kann sich danach immer noch weiterbilden oder an die Universität zurückgehen, um nochmal zu studieren – dann aber mit einer völlig anderen Grundlage und anderen persönlichen Voraussetzungen.

 

Foto: Hoffmann/TU Clausthal

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