Oli: „Traue dich. vertraue dich anderen an. vertraue dir!“

Oli, 26 Jahre, Auszubildender zum Bauzeichner

Meine zentralen Botschaften an alle Leser/innen lauten:

Traue dich!

Bereits vor dem ersten Treffen mit dem „Wegbereiter“ habe ich mit mir gerungen, ob ich eine persönliche Unterstützung und Hilfe von außen annehmen möchte und kann. Es hat mich sehr viel Mut und Entschlossenheit gekostet, mir einzugestehen, dass ich orientierungslos war. Den ersten Schritt zur Veränderung zu gehen, ist dabei einer der Schwierigsten. Auf der anderen Seite war mir klar, dass ich etwas Grundlegendes in meinem Leben verändern muss, weil es nicht mehr weitergehen konnte wie bisher. Ich habe mich verrannt und konnte alleine nicht mehr hinaus finden. Ich habe auch zu lange an gewohnten Dingen festgehalten, die mir nicht gut taten.

Vertraue dich Anderen an!

Ich muss sagen, dass es sich in meinem Fall gelohnt hat, den ersten Schritt zu gehen und sich Anderen anzuvertrauen. Es war ein tolles Gefühl zu wissen, dass da jemand ist, der mir eine Unterstützung bietet und mit dem ich vertraulich über meine Gefühle, Ängste und Perspektiven sprechen kann. Durch die für mich im Vordergrund stehende Begleitung, wusste ich, mit Herausforderungen umzugehen, meine inneren Antreiber zu akzeptieren, die mir sagten: „Warte mal! Probiere das mal aus! Traue dich!“. Neue spannende Wege (u.a. ein Praktikum im journalistischen Berufsfeld) auszuprobieren, waren dabei Meilensteine, die mir verlorenes Selbstbewusstsein, Struktur und neuen Mut zurückgegeben haben. Im Nachhinein ist für mich die Kernfrage: Was hätten andere tun können, damit ich mich angesprochen fühle und den Schritt in eine persönliche Beratung gehe? Es war ein großes Wirrwarr, in dem mir eine Orientierungshilfe fehlte (Was? Wer? Wann? Wie?).

Für mich persönlich wäre ein offener Umgang mit dem Thema Studienzweifel und den daraus entstehenden psychischen Konflikten und Problemen sehr wichtig, da für mich im Kosmos Universität kein Platz für andere Geschichten und Wege zu sein scheint*. Ich hätte mir schon viel früher einen toleranten Zufluchtsort gewünscht, an dem ich meine Zweifel zunächst ungezwungen äußern und besprechen kann, so wie es jetzt mit den „Wegbereitern“ möglich ist.

Vertraue dir!

Durch die intensive Begleitung im Netzwerk „Wegbereiter“, durch die offenen und stärkenden Gespräche mit meiner Freundin, mit meinen engsten Freunden und meiner Familie, sowie durch die neu gewonnene Selbstakzeptanz, konnte ich Kraft und Selbstbewusstsein tanken. Meine Stärken und bestehenden Ressourcen wurden mir durch die berufspraktischen Arbeitsproben (u.a. Praktika) und Bewerbungsverfahren bewusst.

Ich war wieder in der Lage über eigene Schwächen zu sprechen, mit Rückschlägen (im Bewerbungsverlauf) umgehen zu lernen und Lösungsperspektiven (u.a. die Wahl der dualen Ausbildung zum Bauzeichner) wahrzunehmen. Durch den hier dargestellten Prozess der Persönlichkeitsentwicklung habe ich eine Art „Frühwarnsystem“ herausbilden können, welches mich davor schützt, dass ich mich mit zu vielen negativen Emotionen oder Erlebnissen (durch äußere Akteure und Umstände) überlade. Außerdem lasse ich mich weiterhin von einem Therapeuten begleiten, was für mich ein Privileg darstellt und mir auf meinem weiteren Weg hilft – Scham spielt dabei keine Rolle mehr und darauf bin ich stolz.

Abschließend möchte ich sagen, dass Fehler und Schwäche zum Menschen und zum Erwachsenwerden dazu gehören. Das Wichtigste aber ist, dass man den Umgang mit ihnen lernt, um die Kontrolle zu behalten. Außerdem sind Gleichgewichte wichtig, egal in welchem Bereich des Lebens und man sollte sich nicht von Klischeesätzen (wie z. B. nach Regen kommt Sonnenschein usw.) verunsichern lassen. Alles klingt zunächst leichter gesagt als getan. Es darf auch manchmal schwer sein und wehtun. Ich habe gelernt, dass das OK ist. Doch wenn man den Mut zum ersten Schritt des Anvertrauens aufgebracht hat, steht man nicht mehr allein da. Ich hoffe, dass ich Kommilitonen hiermit den Mut zusprechen kann („Traue dich!“), sich Anderen anzuvertrauen und sich selbst zu vertrauen!

* Anmerkung: An der TU Braunschweig gibt es seit September 2018 ein BeratungsNavi unter https://beratungsnavi.tu-braunschweig.de/, welches Ratsuchenden schneller und eindeutiger den Weg in die zuständige Stelle ermöglichen kann. Probiere es aus!

Bildnachweis:„privat“

 

 

 

 

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