Jakob, ehemals Bachelor Physik, TU Braunschweig und bald Geowissenschaften, andersorts

Das Wichtigste ist, getroffene Entscheidungen zu akzeptieren und nicht zu lange darauf herumzukauen.

Die gesamten Ereignisse der Entscheidung zu studieren, über den Studienabbruch bis hin zur Neuorientierung, fanden bei mir alle in sehr kurzem Abstand zueinander statt; meine Reaktion, die Ängste und Sorgen waren dafür umso größer. Die gesamte Schulzeit verlief bei mir reibungslos, und ich entwickelte den überzogenen Anspruch der Selbstperfektion. In der Oberstufe bemerkte ich dann mein reges Interesse an den Naturwissenschaften und vor allem der Physik. Die perfekte Voraussetzung dafür, alle Beratungsgespräche, Probleme und Hürden zu umgehen, war also, mich selbst davon zu überzeugen, Physik sei das absolut Richtige für mich. Nachdem ich dann mit 17 Jahren meine Abiturprüfungen erfolgreich abgelegt hatte, flüchtete ich mich sehr schnell in diesen Studiengang. Kurz darauf schon merkte ich, dass dieses Studium mich weit über meine Grenzen bringt, und sah mich bereits nach wenigen Wochen mit den Gedanken an das Abbrechen konfrontiert.

Zu dieser Zeit hörte ich erstmals von dem Projekt Wegbereiter, von einer Freundin in ähnlicher Situation. Nichtsdestotrotz machte ich zunächst weiter wie bisher, bis die Prüfungen kamen. Ich blockierte komplett, war ständig gereizt und schlief nicht mehr richtig, ans Lernen war nicht zu denken. Da fasste ich mit einem Mal den Entschluss, dieses Studium nicht weiterführen zu wollen. Nachdem ich diese Notbremse gezogen hatte, konnte ich wieder frei denken und beschloss, nun endlich all die Beratung in Anspruch zu nehmen, die ich bisher verwehrte. 

So besuchte ich die Agentur für Arbeit und stellte fest, dass das Studieren an sich keinesfalls eine falsche Entscheidung war, ich jedoch meine Interessen und Fähigkeiten voreilig falsch eingeschätzt hatte. Parallel setzte ich mich auch mit den Wegbereitern in Verbindung, und durchlief dort zuerst das Berufsprofiling des Rotary Clubs. Direkt im Anschluss kam es im persönlichen Gespräch erstmals zu einer konkreten Auseinandersetzung mit all den negativen Gedanken, den Sorgen und dem Druck, also jenen Stressfaktoren, die die Fehlentscheidung des Physikstudiums mit sich brachte. Durch die Wegbereiter lernte ich, mit diesem Stress umzugehen und Entscheidungen bewusst und ausgewogen zu treffen. Ich lernte, meine Gedanken zu ordnen, um in stressigen Situationen nicht den Faden zu verlieren. Eine weitere in den Gesprächen gewonnene Erkenntnis war, dass mich nichts mehr in Braunschweig und der TU hält, sondern dass ich einen weiteren Schritt wagen möchte und einen Neuanfang in einer anderen Stadt herbei sehne.

Als es dann zu der Auswertung des Berufsprofilings und dem Gespräch mit zwei Mitgliedern des Rotary-Clubs kam, erhielt ich noch einmal Klarheit darüber, wie meine Fähigkeiten, Kenntnisse und beruflichen Vorlieben eingeschätzt werden. Darauf folgte eine Empfehlung, aufgrund meines jungen Alters eine Ausbildung zu beginnen, um den Stress aus der Sache zu nehmen und mir Zeit verschaffen zu können. Da merkte ich, dass der Wunsch zu Studieren tief in mir saß und ich bei dem Gedanken an ein Studium mit guten Gefühlen erfüllt wurde. Dieser Einspruch bestärkte mich letzten Endes auch darin, dieses erste Studium hinter mir zu lassen und im Herbst neu anzufangen. Deshalb besuchte ich einen Workshop der TU BS zur Studienfachentscheidung, um mir weiteren Input zu holen, welche Studiengänge zu meinen Interessen, Fähigkeiten und Charaktereigenschaften passen. Noch immer waren dabei die Naturwissenschaften sehr präsent, vor allem die „handfesteren, der Erde zugewandten“, nicht ganz so abstrakten Geowissenschaften. Nachdem dieser gesamte Prozess der Neuorientierung nun abgeschlossen ist, bereite ich mich auf den Studiengang Geowissenschaften vor, auf dessen Wahl meine Entscheidung letztlich fiel. Es laufen Umzugsvorbereitungen und letzte Unklarheiten werden ausgeräumt, sodass es in den nächsten Monaten nun nach Mainz geht, um dort den ersehnten Neuanfang zu erleben. Endlich geht es weiter!

Treibende Kraft während dieses Prozesses waren die Gespräche mit den Wegbereitern. Sie haben geholfen, meine Gedanken zu ordnen und mit getroffenen Entscheidungen leben zu können, sowie mit nüchternem Verstand neue Entscheidungen treffen zu können. Deshalb würde ich die Wegbereiter jeder Person empfehlen, die Unterstützung dabei benötigt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, Ängste und Sorgen bezüglich der eigenen Zukunft zu behandeln und Probleme damit hat, Fehlentscheidungen zu akzeptieren und diese zu vermeiden.  Alle Ratsuchenden sind bei den Wegbereitern gut aufgehoben, in den Gesprächen wird sich Zeit genommen, die Protokolle sind sehr ausführlich und die Methoden zur Hilfe sehr zahlreich und vielseitig. Ich verdanke den Wegbereitern, in meinem Fall Marcus, viel Stabilität in den letzten Monaten, durch die ich wieder einen klaren Weg gefunden habe und nun weiß, was zu tun ist.

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