Elisa, 25 Jahre, Masterstudiengang Mathematik/Englisch auf Lehramt, TU Braunschweig

Elisa hat bereits im Oktober 2017 einen Blogbeitrag in Zusammenarbeit mit Wegbereiter veröffentlicht: https://www.wegbereiter-studienabbruch.de/elisa-dittmann-will-ich-wirklich-lehrerin-werden/. Wir sind froh, dass wir hier den 2. Teil des Interviews veröffentlichen zu können:

Marcus: Wie bist du konkret vorgegangen?

Elisa: Ich habe mir außerdem so detailliert wie möglich die Aufgaben und Fähigkeiten einer Lehrerin aufgeschrieben und mit den Tätigkeiten und benötigten Kompetenzen in meinem Wunschberuf verglichen – ihr werdet sicher überrascht sein, wie groß die Schnittmenge zwischen dem Lehramtsberuf und anderen Jobs ist. Dieser Vergleich hat mir in den Vorstellungsgesprächen sehr geholfen zu begründen, warum ich als Lehramtsstudierende für den Beruf qualifiziert bin und ihn gut ausüben werde.

Marcus: Würdest du deine damals geäußerten Statements nochmals wiederholen? Mit etwas Abstand. Für was steht der Quereinstieg?

Elisa: Ich würde meine damaligen Statements sofort nochmal genauso äußern! Zweifeln ist okay und völlig menschlich. Die Frage ist, was man daraus macht – ich habe es als Chance gesehen, meinen Horizont zu erweitern, die aktuelle Situation zu hinterfragen und meine Zukunft nochmal ganz aktiv in die (für jetzt) richtige Richtung zu lenken. Vielleicht folgt auf Zweifel auch nur die Erkenntnis, dass alles gut ist wie es ist oder es folgt eine kleine Kurskorrektur. Nicht für jeden entwickeln sich Studienzweifel zu einem kompletten Neusetzen der Segel.

Die Arbeit mit Menschen hat mir immer viel Spaß gemacht, sodass die Studieninhalte für mich immer Relevanz hatten und ich gerne auf Lehramt studiert habe. Seit ich die ersten Unsicherheiten in meiner Studienwahl verspürt habe ist meine Motivation, richtig gute Leistungen im Studium zu erbringen, sogar schlagartig angestiegen. Um mir die Möglichkeit offen zu halten, nach dem Studium in die freie Wirtschaft zu gehen und konkurrenzfähig zu sein, wusste ich, dass sehr gute Studienleistungen entscheidend sind. Ich bin mir sicher, dass besonders mein Masterabschluss nicht so überragend ausgefallen wäre, wenn meine Gedanken stets bei dem Berufsziel der Lehrerin geblieben wären, weil bei dem aktuellen Lehrermangel keine Konkurrenzsituation unter Lehrkräften existiert und man sich seines Jobs quasi sicher sein kann.

Ich betrachte einen Quereinstieg als einen Ausdruck von Bereitschaft und Fähigkeit, sich selbst und seine Wünsche zu reflektieren, zu hinterfragen und dementsprechend seine beruflichen Pläne anzupassen. Reflexionsfähigkeit und den Mut, nicht den (oft) einfacheren, bereits vorgegebenen Weg zu gehen, sind tolle Eigenschaften, die bei möglichen Arbeitgebern super ankommen. Ansonsten habe ich gemerkt, dass eine offene Persönlichkeit und meine Auslandserfahrungen sehr gut angekommen sind.

Marcus: Wie stehst du zu den Begriffen „Scheitern“ sowie „Zweifel“, und was lernt man aus deinem Weg? Hat sich etwas verändert?

Elisa: „Scheitern“ ist ein so hartes Wort, das mit einem beruflichen Kurswechsel in der heutigen Zeit gar nicht übereinpasst und in diesem Kontext einfach nur veraltet ist. Ich finde ein beruflicher Kurswechsel zeugt von Reflexionsfähigkeit, Mut und oft auch Ausdauer. Ich habe mich mit 18 dazu entschieden, Lehrerin zu werden. Sechs Jahre später war ich eine andere Person als zu Beginn des Studiums. Ich habe mich in der Studienzeit weiterentwickelt, meinen Horizont erweitert und Erfahrungen gemacht, die meinen Blick auf das Berufsleben und besonders den Lehramtsberuf verändert haben, sodass ich für mich bemerkt habe, dass mein Berufswunsch von damals nicht mehr mit den Wünschen der Person, die ich am Ende des Studiums war, übereinstimmte. Für mich ist meine Geschichte keine des Scheiterns, sondern eine des persönlichen Wachstums, der Veränderung und der Stärke zu wissen, was man im Beruf möchte.

Marcus: Liebe Elisa, vielen herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir wünschen dir alles Gute für deine persönliche Zukunft und hoffen, dass deine Geschichte viele andere Ratsuchende in einer vergleichbaren Situation findet, um Handlungsoptionen aufzuzeigen und die Kraft für erste kleine Schritte zu gewährleisten.

Elisa: Ich danke auch. Und wünsche allen Lesern alles Gute!

Foto: Merle Janßen

 

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