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Studienabbruch

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Brendan: „Es ist nie zu spät seine Meinung zu ändern“

Brendan: „Es ist nie zu spät, seine Meinung zu ändern“

Brendan, 27 Jahre, Auszubildender zum Industriekaufmann

Im vergangenen Herbst bin ich final durch eine mündliche Prüfung in meinem Studium „Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik“ an der TU Braunschweig gefallen. Nach knapp über 12 Hochschulsemestern, während der ich einen Wechsel vom Schwerpunkt Maschinenbau auf Elektrotechnik vorgenommen hatte, stand ich nun plötzlich vor dem Ende des Studiums – ohne Abschluss.

Durch ein anderes Studienabbruch-Projekt an der Hamburger Uni bin ich auf die Wegbereiter-Beratung in Braunschweig gestoßen. Dort erhielt ich nach der ersten Kontaktaufnahme sehr zeitnah einen Beratungstermin. Für mich war das Ziel des Gespräches, meine Möglichkeiten nach dem Studienabbruch auszuloten, gegebenenfalls von neuen Möglichkeiten, die ich noch nicht in Betracht gezogen hatte, zu erfahren, sowie meine Fähigkeiten und Begabungen zu analysieren.

Aber die wichtigsten Punkte waren für mich, wie ich mit dem Abbruch in meiner weiteren Berufslaufbahn umgehen und für mich den „richtigen” Weg finden konnte.

Die beiden Gespräche mit Johanna und der kostenlose Berufsprofiling-Kompetenztest, den „Wegbereiter“ in Zusammenarbeit mit dem Rotary Club Braunschweig Hanse anbietet, bestärkten mich in meiner schon früh aufgekommenen Idee, eine Ausbildung zum Industriekaufmann anzufangen. Ich habe dann noch den Career Service der TU Braunschweig besucht, wo ich gute Tipps erhalten habe, und am Wegbereiter-Workshop „Selbstpräsentation – wie umgehen mit (Ab)Brüchen im Rahmen von Bewerbungen” teilgenommen, bei dem zwei Trainerinnen von der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) Möglichkeiten aufzeigten, wie ich mit meinem Abbruch im Bewerbungsprozess umgehen kann. Beide Angebote waren besonders hilfreich und haben mich nochmals gestärkt in Vorstellungsgespräche gehen lassen.

Zum 01.01.2018 habe ich dann schließlich noch kurzfristig in die schon laufende Ausbildung zum Industriekaufmann in der Nähe meines neuen Wohnortes Uelzen einsteigen können und seitdem hat sich mein Leben sehr gewandelt.

Nach dem Abbruch des Studiums hatte ich noch viele Selbstzweifel und auch Zukunftsängste. Sobald ich aber meine neue Ausbildung angefangen hatte, ging es für mich heraus aus dem vergleichsweise gemütlichen Tagesablauf des Studiums hin zu einem sehr strukturierten und vorgegebenen Tagesablauf.

Natürlich ist dies ein kompletter Neustart und ich muss weitere 2,5 Jahre mit wenig Geld auskommen, aber für mich gibt es im wirtschaftlichen Bereich in Industrieunternehmen viele Entfaltungsmöglichkeiten und Schnittpunkte mit dem technisch Erlernten aus dem Studium sowie darüber hinaus Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Mein durch das Studium trainierte systematische und strukturierte Denken und die Herangehensweise an Probleme, aber auch die bereits gewonnene Lebenserfahrung geben mir einen sehr großen Vorteil gegenüber den anderen Auszubildenden in der Schule, aber besonders auch im Unternehmen. Auch mein technisches Verständnis aus dem Studium kann ich als Industriekaufmann besonders an der Schnittstelle zur Produktion anwenden.

Mehr Sichtbarkeit für Projekte wie Wegbereiter wäre sehr sinnvoll, denn sie helfen schon dann, wenn Zweifel im Studium aufkommen und bevor es zu spät ist. Eine aktivere Betreuung der Studierenden in diesem Bereich wäre auf jeden Fall hilfreich. Ich kann jedem, der Zweifel an seinem Studium hat oder konkrete Möglichkeiten nach dem Abbruch sucht, nur empfehlen, die Angebote des Wegbereiter-Netzwerks in Anspruch zu nehmen. Bei einem Studienabbruch sollte auch die Anerkennung von Studienleistungen, die der Ausbildung fern sind, möglich sein, denn das Studium vermittelt nicht nur thematische Inhalte, sondern insbesondere methodische. Auch wäre mehr gesellschaftliche Akzeptanz von Studienabbrechenden und das Erkennen ihres Wertes für die Wirtschaft wünschenswert.

Im Rückblick kann ich nur sagen, dass es nie zu spät ist seine Meinung zu ändern und nichts bringt, mit seiner momentanen Situation unglücklich zu sein. Mein Motto ist heute: „No one ever made a difference by being like everyone else.”

Bildnachweis: privat

 

 

Anna: „Gebt Euch nicht auf!“

Anna: „Gebt Euch nicht auf!“

Anna, 25 Jahre, arbeitet mit sozialwissenschaftlichem Bachelorabschluss in der Jugendberufshilfeberatung

Mein Bachelorstudium Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt interkulturelle Beziehungen habe ich in Fulda an der Hochschule gemacht und bin dann für den Master „Organisation, Governance, Bildung“ nach Braunschweig an die TU gekommen. Schon gegen Ende des ersten Semesters hatte ich Zweifel an meinem Studiengang, da entdeckte ich auf dem Gang zwischen zwei Vorlesungen den „Wegbereiter“-Flyer. Zu dem Zeitpunkt klang es für mich aber so, als ob die Beratung nur in Richtung Ausbildung geht, also habe ich es erstmal verworfen. Gegen Ende der Sommersemesterferien waren die Zweifel dann schon sehr stark. Innerlich hatte ich mich vermutlich schon fast zu dem Abbruch entschieden, wollte aber trotzdem gerne noch eine Beratung in Anspruch nehmen und habe mich dann eben an den Flyer erinnert, das Angebot nochmal gegoogelt und einen Termin vereinbart.

Es gab im Wesentlichen zwei Gründe, warum ich schon vor der Beratung zum Studienabbruch tendiert habe.

Zum einen war der Studiengang fachlich nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt habe, und auch den Anschluss zu den Kommilitonen hatte ich mir anders gewünscht. Ich komme zwar aus Braunschweig, aber meine Mitbewohnerin und ich, wir waren die einzigen, die hier an der TU noch niemanden kannten. Alle anderen Studierenden im Master waren scheinbar schon so ein eingespieltes Team. Außerdem haben alle außer mir schwerpunktmäßig eine Orientierung in Richtung Wirtschaft und Personalentwicklung gesucht, während ich eher in die soziale und Bildungsrichtung wollte.

Mir hat außerdem irgendwie der fachliche Austausch mit Mitstudenten oder Dozenten gefehlt, so wie ich es halt aus Fulda kannte. Dort war das Studium einfach unser Leben, unser Lebensinhalt, wir haben uns ständig darüber unterhalten. Hier hatte ich eher das Gefühl, dass es den anderen nur darum geht, schnell durchzukommen, den Schein zu bekommen und weiter. Ich bin hier also nie wirklich angekommen. Deshalb ging es mir auch psychisch immer schlechter.

Der andere Grund war ein privater Umstand. Mein Verlobter ist Kenianer, und ich war in den Sommersemesterferien bei ihm zu Besuch in Kenia. Wir haben darüber gesprochen, wie er nach Deutschland kommen kann und dann wurde irgendwie klar, wenn er hierherkommen möchte, dann muss ich erstmal Geld verdienen. Letztlich war das vielleicht der Auslöser zusätzlich zu meinen Zweifeln am Studiengang, der die Entscheidung herbeigeführt hat.

Insgesamt war ich drei Mal bei Inga von den Wegbereitern. Und ich weiß noch, beim ersten Termin musste erstmal alles raus: Die Sorgen und Zweifel, tausend Fragen, welche Möglichkeiten und Alternativen es überhaupt gibt. Danach war ich erstmal ziemlich erschlagen. Aber mir war schon klar, es geht in Richtung Direkteinstieg in Arbeit. Beim zweiten Termin ging es dann schon mehr um die Jobsuche:  Worauf muss man achten, was gibt es hier überhaupt so in der Region passend zu meinem Bachelor-Studium, Tipps zu Jobbörsen und Vorgehensweise usw. Ich habe mich auf der Jobbörse der Agentur für Arbeit und in Zeitungen umgeschaut, mich außerdem bei zehn verschiedenen Online-Jobbörsen angemeldet. Ich hatte mir die ganzen Apps davon runtergeladen, bin aber gar nicht dazu gekommen, überall ein Profil anzulegen. Denn Inga hat mir über einen Arbeitgeberkontakt der Wegbereiter auch noch einen Link zu einem passenden Jobangebot geschickt, für das ich sofort Feuer und Flamme war. Da passte für mich einfach alles zu den Wünschen und Vorstellungen, die wir zuvor im Gespräch herausgearbeitet hatten. Das Studium hatte ich angefangen mit dem Ziel, in die Erwachsenenbildung oder auch diskriminierungsfreie, politische Bildung zu gehen. Ich habe den Kontakt mit Menschen gesucht, aber auch eine Kombination aus Bildungsarbeit und Arbeit am Menschen. Zu guter Letzt wollte ich gern im interkulturellen Feld tätig sein. Diese drei Aspekte habe ich in dem Stellenangebot vorgefunden.

Zusätzlich zu den Bewerbungen, die ich geschrieben habe, bin ich dann auf Ingas Empfehlung hin auch zum Career Service der TU Braunschweig und zur Absolventenberatung der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar gegangen. Bei letzterer bin ich erstmal in die Datenbank aufgenommen worden. Beim Career Service war ich leider erst einen Tag vor dem Vorstellungsgespräch bei besagter Stelle. Ich hatte aber meine Bewerbung mitgebracht und so hat Herr Ahlborn mit mir nochmal drüber geschaut. Das hat mir sehr geholfen, weil ich einen Tag vorher nochmal mit jemandem drüber sprechen konnte, wie man sich vorstellt, wie man sich präsentiert und wie man sich vielleicht aus den Schwachstellen des Anschreibens noch rausreden kann oder schöner formulieren, sollte man darauf angesprochen werden. Nach dem Vorstellungsgespräch war ich eigentlich nicht so zufrieden – es hat aber geklappt und kurze Zeit später konnte ich direkt anfangen dort zu arbeiten. So ging am Ende alles sehr schnell – ich hatte insgesamt drei Bewerbungen abgeschickt, bis die Zusage kam. Jetzt bin ich seit Mitte Oktober bei der Jugendberufshilfe und berate junge Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Eigentlich ist das wie Wegbereiter für eine etwas andere Zielgruppe: Das Projekt heißt Wegweiser.

Ich bereue es auf keinen Fall, dass ich das Studium abgebrochen habe. Aber ich denke, dass es ganz gut war, den Master angefangen zu haben. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich mich wahrscheinlich immer gefragt: Wie wäre es gewesen? Warum hast Du das nicht gemacht? Jetzt gerade könnte ich mir nicht vorstellen, wieder in Vollzeit zu studieren, denn ich brauche diesen geregelten Tagesablauf des Berufslebens. Weiterbilden möchte ich mich später vielleicht in einem berufsbegleitenden Master.

Ich kann anderen nur raten, sich nicht aufzugeben, sich Hilfe zu suchen. Man muss es nicht zu überstürzt angehen, man kann sich Zeit lassen. In sich reinhören, was man eigentlich möchte.

Für alle anderen in meinem Umfeld war es schon ein ziemlicher Schock. Aber ich war an einem Punkt, wo ich wusste, dass es so nicht weitergeht. Also habe ich daran festgehalten und mich nicht überreden lassen. Mein Umfeld war das nicht gewohnt von mir, da ich sonst eben immer deren Erwartungen entsprochen habe. Meine Familie fand es nicht so gut, dass Anna etwas abbricht und nicht zu Ende macht. Deshalb hat mir die Wegbereiter-Beratung sehr geholfen, denn ich habe mich schon von Anfang an dort sehr aufgefangen gefühlt. Es hat allein schon geholfen, dass da jemand ist, der objektiv mit der Situation umgeht – nicht die Familie oder Freunde, die sagen: „Mach doch weiter, denk an Deine Zukunft“ und so weiter – sondern dass jemand von außerhalb draufschaut und mit einem alle Möglichkeiten durchgeht.

Das hat mich in der Phase des Studienzweifels sehr gestärkt. Heute stärkt mich vor allem mein Arbeitsumfeld. Man bekommt so viel zurück, sieht Erfolge und wie die Personen, die ich berate, sich weiterentwickeln. Es war schon immer so, dass ich sehr stark das Bedürfnis hatte, anderen Menschen oder Lebewesen zu helfen. Und das sehe ich heute als meinen Lebenssinn: Mich für andere einzusetzen. Das erfüllt mich und macht mich glücklich.

Bildnachweis: privat

 

Thomas: „Blickt über den Tellerrand!“

Thomas: „Blickt über den Tellerrand!“

Thomas, 31 Jahre, hat die Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und ist angestellt in einem Braunschweiger IT-Unternehmen, studiert berufsbegleitend

Der Auslöser für das Aufsuchen von Beratung war bei mir im Endeffekt erst das endgültige Nichtbestehen der Prüfung im Studiengang „Bachelor Wirtschaftsinformatik“ an der TU Braunschweig. Da habe ich angefangen mich generell umzusehen. Eine Möglichkeit war das Weiterstudieren in der Informatik. Aber da ich vorher schon 14 Semester studiert hatte, musste etwas anderes her. Ich hatte im Studium z.B. auch schon vom Career Service der TU Braunschweig erfahren und wusste, da gibt es noch mehr an der TU. Durch die Flyer zum Vorläuferprojekt von Wegbereiter unter dem Titel Neustart IT, kam schließlich das Beratungsgespräch bei Marcus von den Wegbereitern zustande. Wir haben verschiedene Möglichkeiten ausgelotet, z.B. auch eine Option in Berlin, die es damals gab, wo ich einen Intensiv-Berufsschul-Abschluss hätte machen können, wenn hier sonst nichts geklappt hätte.

Die andere Option war, eine Ausbildung hier zu beginnen. Ich bekam von Marcus die Kontakte zweier Unternehmen hier in der Region, darunter auch mein jetziger Arbeitgeber, und habe mich dort zunächst auf Ausbildungsplätze beworben. Zuerst habe ich ein kurzes Praktikum in dem einen Unternehmen absolviert, und schließlich einen Programmiertest als Einstellungsprüfung bei dem zweiten Unternehmen. Die haben mir auch direkt danach ein Angebot gemacht, noch in das laufende Ausbildungsjahr einzusteigen und so habe ich dort direkt angefangen. Das war im November 2015.

Im Sommer 2016 fand nach dem ersten Ausbildungsjahr ein Personalgespräch statt, wo ich selbst das Thema „Verkürzen der Ausbildung“ angebracht habe und mir dann zwei Möglichkeiten angeboten wurden: Entweder ein halbes Jahr verkürzen am Ende der Ausbildung, oder direkt in das dritte Lehrjahr springen. Letzteres habe ich dann gemacht. Die Lehrer blieben gleich, der Stoff war für mich kein Problem und so konnte ich im Sommer 2017 meine Abschlussprüfung machen.

Warum ich ursprünglich in die Situation des langen und letztlich erfolglosen Studiums gekommen bin? Ich würde sagen, es kamen insgesamt viele Sachen zusammen. Zum einen habe ich mich in einen Trott hineingelebt, wo ich dann auch wenig gemacht habe. Private Schwierigkeiten hatten dazu beigetragen und mich auch irgendwie in diesem Trott festgehalten. Also bin ich mit einem Kumpel erstmal durch Europa gereist und habe andere Prioritäten gesetzt. Nebenher habe ich dann auch viel gearbeitet und wurde von meinen Eltern unterstützt, hatte also keine Geldprobleme, habe sogar an anderen Projekten mitgearbeitet – daher war ich einfach nicht auf das Studium konzentriert. Diese Erfahrungen waren es dann auch, die mich nach dem Studienabbruch, der ja gezwungenermaßen kam, dazu motiviert haben, lieber in eine geregelte Ausbildung zu gehen, weil mir diese Struktur einfach besser liegt.

Beraten lassen habe ich mich hauptsächlich bei Wegbereiter, ich war aber direkt nach dem Abbruch auch in der Studienfachberatung für Wirtschaftsinformatik der TU Braunschweig, um noch zu erfahren, ob und wo ich weiterstudieren könnte. In der Bewerbungsphase habe ich dann den Career Service nochmal aufgesucht, um meine Bewerbungen überprüfen zu lassen – dort war ich eben auch während des Studiums schon mal gewesen und kannte den Berater Knud Ahlborn daher schon. Die Beratung zum Studienabbruch hat mir sehr geholfen, da sie mir aufgezeigt hat, dass es an Studienabbrechenden interessierte Unternehmen gibt und weil es den Prozess des Auswählens unter den Möglichkeiten so ein bisschen geführt hat, einfach durch die Begleitung, und das war sehr gut für mich. Und ich habe es als Wertschätzung empfunden zu wissen, dass es eine Beratung für mein Anliegen gibt.

Vom Studium habe ich letztlich auch in der Ausbildung sehr profitiert und hatte natürlich den Vorteil, dass ich mich schnell in die Bereiche einarbeiten konnte – eine Fähigkeit, die man im Studium ja trainiert hat. Rückblickend hätte ich mich aber vor dem Studienbeginn stärker informieren sollen. Dann hätte ich mich ggf. zuerst für eine Ausbildung und dann für ein aufbauendes Studium entschieden. Damals war für mich aber klar: Nach dem Abi kommt Zivildienst und dann natürlich das Studium. Jetzt mache ich es so, wie ich es von Beginn an gern gemacht hätte: Ich habe mich für den Online-Studiengang Medieninformatik eingeschrieben und studiere seit dem Wintersemester wieder berufsbegleitend an der Ostfalia. Das wird von meinem Arbeitgeber unterstützt, ohne dass ich dafür dauerhaft Stunden reduzieren muss –die Möglichkeit dazu besteht aber in Prüfungsphasen, wenn es nötig ist. Auch im neuen Studiengang konnte ich mir noch Inhalte aus dem alten Studium anrechnen lassen und kann sagen: Das erste Studium war nicht umsonst!

Heute ist es bei mir so, dass der „Druck“ weiter zu machen und zu studieren, von innen kommt und nicht mehr von außen. Entlastend wirkt dabei natürlich, dass ich nun einen Bildungsabschluss nach der Ausbildung habe. Es gibt mir das Gefühl, selbstbestimmt eine persönliche Entscheidung getroffen zu haben, was ich noch machen möchte. Gleichzeitig bin ich mit meiner derzeitigen Rolle im Unternehmen zufrieden und mache dort Dinge, die ich früher auch angestrebt habe.

Was ich anderen nur raten kann: Keine Angst vor einem vermeintlichen Scheitern zu haben, denn es gibt viele Wege, die zum Ziel führen. Daher: Blickt über den Tellerrand!

 

Daria: „Die Exmatrikulation war das Beste, was mir passieren konnte“

Daria: „Die Exmatrikulation war das Beste, was mir passieren konnte“

Daria, 25 Jahre, holt ihre allgemeine Hochschulreife am Abendgymnasium nach

Aufbauend auf meiner Fachhochschulreife für Wirtschaft und Verwaltung habe ich an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel den Studiengang „Recht, Finanzmanagement und Steuern“ studiert. Nach 5 Semestern habe ich vor etwa einem Jahr dann eine Prüfung im Drittversuch nicht bestanden – und das war letztlich das Beste, was mir passieren konnte.

Es ist natürlich sehr schwierig, in dieser emotionalen Situation Beratung in Anspruch zu nehmen. Für mich war es insoweit schwer, weil ich erst einmal mich selbst sortieren musste – denn man weiß ja gar nicht, wie es weitergeht. Im ersten Moment muss man erstmal verarbeiten. Ich war dann bei meinem Lerncoach der Fakultät Recht (siehe Lerncoaching, Beratungsangebot an der Ostfalia HaW), welches an allen Fakultäten angesiedelt ist und Lernhilfen gibt, aber auch bei persönlichen Krisen oder Veränderungswünschen unterstützt). Die Beraterin hat mich auch in der Phase vor und nach der Exmatrikulation begleitet und empfahl mir die Wegbereiter. Eigenständig und selbst wäre ich, so glaube ich, nie darauf gekommen.

Ich hatte damals noch gar keine eigenen Alternativen im Kopf. Ich war erst einmal total verloren und wusste gar nicht, wo ich anfangen soll, ich hatte tausend Gedanken im Kopf. Somit war Wegbereiter eine sehr große Hilfe für mich. Die Unterstützung ist wirklich sehr individuell abgestimmt. Man lernt sich erst einmal kennen und dann stellt man dir die Frage: „Was ist denn jetzt dein Ziel?“ Darüber war ich mir auch schon während des Studiums gar nicht bewusst. Das hat sich erst in den Beratungsgesprächen herauskristallisiert. Ein Problem, mit dem ich zu kämpfen hatte, war halt die mangelnde Motivation, ein neues Studium anzugehen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich gedacht: „Du bist zu doof für ein Studium! Das hat jetzt nicht geklappt, also machst du halt eine Ausbildung.“ Aber da war die Frage: Welcher Beruf passt denn zu mir? Das habe ich mit in die Beratung genommen, und daraufhin haben mich die Wegbereiter unter anderem zum Career Service der Ostfalia und zur Studien- und Berufsberatung von der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar geschickt, wo zum Beispiel auch erstmal formale Qualifikationen, die ich schon mitbringe, aufgezeigt und gesammelt wurden. Tatsächlich war dann aber nichts dabei, was mich begeistert hat.

Parallel hatten mir die Wegbereiter noch ein Workshopangebot der Zentralen Studienberatung der TU Braunschweig empfohlen, bei dem mit Methoden der Potenzialanalyse gearbeitet wird. Dadurch habe ich erfahren, dass ich viel eher in Berufe passe, wo ich mich ausleben kann und anderen Menschen etwas beibringe, also künstlerisch-pädagogische Richtungen. Deshalb habe ich mich entschieden, weiter zu studieren – aber in eine ganz andere Richtung, nämlich in Richtung Lehramt. Mit meinem Fachhochschulabschluss kann ich das aber nicht machen, deshalb hole ich jetzt meine allgemeine Hochschulreife am Abendgymnasium nach und arbeite außerdem tagsüber.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich bereits im 3. oder 4. Semester Zweifel an meinem Studium. Aber da man in einer Leistungsgesellschaft lebt, habe ich gedacht: „Nein, es ist nur mangelnde Motivation, die nach einer Zeit schon wiederkommt. Zieh das einfach durch!“ Und dementsprechend wurde ich von mir selbst, aber auch von meinen Freundinnen und Kommilitoninnen eben zum Weitermachen motiviert und animiert.

Bloß sollte es eben nicht sein. Es war nicht der richtige Weg für mich. Aus der Beratung habe ich zum Glück den Mut mitgenommen, meinen eigenen Weg zu finden und auch zu gehen.

Foto: Wegbereiter

Maverick: „Macht das, womit ihr euch wohlfühlt“

Maverick: Macht das, womit ihr euch wohlfühlt

Maverick, 22 Jahre, Auszubildender bei Cargill in Salzgitter

Schon früh in meinem Studium Mathematik und Geschichte auf Lehramt habe ich gemerkt, dass studieren mir nicht wirklich liegt. Ich hatte keinen geregelten Tagesablauf, die Lehrveranstaltungen waren mir viel zu theoretisch und die Klausuren liefen auch eher so mittelprächtig. Während des ersten Pflichtpraktikums im 2. Semester, bei dem ich hauptsächlich in der Schule hospitiert und kleine Unterrichtseinheiten übernommen habe, lief es aber noch ganz gut. Daher dachte ich mir: „Immerhin scheint der Beruf zu passen, dann lohnt es sich auch durchs Studium zu beißen!“

Als die nächsten Semester dann aber nicht besser liefen als die ersten beiden, ich Klausuren nicht bestanden hatte und meine Motivation völlig im Keller war, kamen die ersten echten Zweifel. Schaffe ich das Studium wirklich?
Dann kam das zweite Praktikum, in dem man bereits mehr Unterricht übernimmt und langsam an das täglich Brot eines Lehrers herangeführt wird. Zu dieser Zeit habe ich gemerkt, dass der Beruf des Lehrers nicht so richtig das ist, was ich wirklich möchte. Hier fiel eigentlich schon der Entschluss, dass ein Abbruch das Beste für mich wäre. Da ich für mich jedoch keinen Plan B hatte, war ich mit dieser Situation ziemlich überfordert.

Was sollte ich jetzt machen? Zurück zu den Eltern – eher keine Option.

Ein anderes Studium? Das erste hat ja schon nicht funktioniert.

Also habe ich beschlossen, mir für diesen Schritt Hilfe zu suchen – bei Google mithilfe der Stichworte:
„Studienabbruch Braunschweig“. Erster Link: Wegbereiter. Eine Initiative, direkt unterstützt von der Uni? Erst mal eine Mail schreiben und schauen, ob die einem wirklich helfen können. Zwei Tage später kam die Antwort. Eine Woche später hatte ich einen Termin, zu dem ich mit etwas mulmigen Gefühl hingegangen bin, denn es war das erste offizielle Gespräch abgesehen von Gesprächen im engsten Familien- und Freundeskreis.

Wir haben dann erst einmal viel über mich, das Studium und die möglichen weiteren Schritte gesprochen. Am hilfreichsten war schließlich die Weiterleitung an die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Auch hier habe ich schnell einen Termin bekommen. Mithilfe der verschiedenen Beratungen habe ich mich entschieden, dass ich statt des Studiums lieber eine Ausbildung machen möchte. Da es bereits März war, sah ich jedoch keine sonderlich großen Chancen mehr, für den Herbst noch einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar hat mich jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass es durchaus noch einige freie Ausbildungsplätze gab. Ich durfte an einem hervorragenden Bewerbungstraining teilnehmen und habe tatsächlich noch einen Ausbildungsplatz zum Industriekaufmann gefunden.

Während der ganzen Zeit hat Wegbereiter mich begleitet und unterstützt, wofür ich im Nachhinein wirklich dankbar bin. Als der Entschluss zum Abbruch fiel, war ich orientierungslos und wusste kaum, was ich stattdessen machen wollte und wie genau es weitergehen kann. Wegbereiter hat mir wie ein Leuchtturm verschiedene mögliche Wege gezeigt, wodurch ich seit inzwischen 6 Monaten zufrieden in der betrieblichen Ausbildung angekommen bin.

Der Abbruch hatte für mich persönlich auch keinerlei Nachteile. Im Gegenteil, er hat mich für die Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, interessanter gemacht. Die Klausuren in der Berufsschule sind im Gegensatz zu dem, was ich aus der Uni gewöhnt war, sehr einfach. Ich habe inzwischen einfach das Gefühl, ausbildungstechnisch das für mich Richtige zu machen – auch dank Wegbereiter.

Falls ihr ebenfalls in der Situation seid, dass ihr an eurer Studienwahl zweifelt, kann ich euch nur einen Tipp geben: Tragt diese Gedanken nicht allein mit euch rum. Sprecht mit irgendwem drüber, ganz egal ob Familie, Freunde oder Außenstehende. Und am wichtigsten: Macht das, womit ihr euch am wohlsten fühlt, unabhängig davon, was andere vielleicht von euch erwarten. Ein Studium passt meiner Meinung nach nun einmal nicht für Jeden. Das ist okay und keine Schande. Eine Ausbildung ist keine Sackgasse, man kann sich danach immer noch weiterbilden oder an die Universität zurückgehen, um nochmal zu studieren – dann aber mit einer völlig anderen Grundlage und anderen persönlichen Voraussetzungen.

 

Foto: Hoffmann/TU Clausthal

„Studium läuft nicht – Wir sind da!“

Studium läuft nicht – wir sind da!

1. Tag der gemeinsamen offenen Beratung am 13. März 2018 in Braunschweig (Berufsinformationszentrum, Cyriaksring 10, Eingang Münchenstraße) von 15:00 bis 18:00 Uhr

Hast Du Zweifel an Deinem Studium oder wächst Dir einfach alles über den Kopf? Stehst du vor der Entscheidung: Abbrechen oder Weitermachen? Beratungsexpert/inn/en aus dem ganzen Netzwerk unterstützen Dich gleichzeitig an einem Ort – Ein passendes Angebot, gerade wenn es um eine erste Orientierung geht!

Gemeinsam blicken wir ergebnisoffen in persönlichen Gesprächen auf Deine individuelle Situation und Deine nächsten Karriereschritte mit oder ohne Studienabschluss – egal, ob Ausbildung, Fortbildung, Praktika, Studien-/Abschlussarbeiten oder etwas ganz anderes. Wenn Du möchtest, vereinbaren wir direkt Folgetermine.

In unserer Talkrunde (15:15 Uhr) berichten Expert/inn/en aus der Praxis über Brüche und Umwege im Lebenslauf und geben Einblick in ihre Werdegänge. Plus Bewerbungsmappencheck vor Ort!  Bitte Bewerbungsunterlagen mitbringen!

Wer sind Deine Beratungsexpert/inn/en?

Anmeldung oder Kosten? Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Es ist alles kostenlos.

Anfahrt? Erreichbar ist das BiZ mit den Bahnen 3 und 5 (Richtung Weststadt und Broitzem) oder den Bussen 419, 429 und 443 (Haltestelle Cyriaksring)

Weitere Veranstaltungen wie Ausbildungsmessen in der Region?

  • 22.2.2018 Ausbildungsmesse Handwerk, Berufsinformationszentrum Braunschweig (15.00 bis 17.30 Uhr)
  • 7.3.2018 Mein Start in die Ausbildung 2018, Eintracht-Stadion VIP-Bereich (9.00 bis 12.00 Uhr)
  • 7.3.2018 parentum – Eltern+Schülertag für die Berufswahl, Wolfsburg, Wolfsburger Stadtzentrum (14.00 bis 18.00 Uhr)
  • 8.3.2018 BONA SZ- Ausbildungsmesse, Salzgitter, Sporthalle Amselstieg (8.00 bis 14.00 Uhr)
  • 25.5.2018 HIT TU Braunschweig, Hauptcampus (9.00 bis 13.00 Uhr)
  • 31.5.2018 Ab in die Ausbildung, IHK-Kongresssaal (13.00 bis 17.00 Uhr)
  • 1.6.2018 Campustag in Wolfenbüttel, Campus Wolfenbüttel, Salzdahlumer Str. 46/48 (15.00 bis 19.00 Uhr)
  • 6./7.6.2018 Voacation Ausbildungsmesse, Stadthalle Braunschweig (8.45 bis 14.45 Uhr)

Jessica: „Sei mutig und stark!“

Jessica: „Sei Mutig und Stark!“

Jessica, 24 Jahre, Duales Studium BWL in einer Kanzlei in Braunschweig und an der Welfenakademie

Wegbereiter: Wie bist du überhaupt auf das Projekt „Wegbereiter“ aufmerksam geworden?

Jessica: Ich war zuvor bei Frau Hartwig vom Diversity Mentoring-Programm des Gleichstellungsbüros der TU Braunschweig zur Beratung. Von ihr wurde ich auf das Projekt „Wegbereiter“ hingewiesen und bin so zur Wegbereiter-Beratung bei Johanna gekommen.

Wegbereiter: In welcher Situation warst du, als du die Wegbereiter-Beratung aufgesucht hast?

Jessica: Ich habe damals im 4. Semester Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau an der TU Braunschweig studiert. Zu diesem Zeitpunkt war ich sehr durcheinander und im Zwiespalt, was ich tun sollte. Aufgrund eines schweren familiären Verlustes kam ich mit meinen Klausuren in Verzug und meine Gedanken waren nicht zu 100% beim Studium. Natürlich wurden es mit jedem weiteren Semester immer mehr Klausuren, die gemeistert werden wollten. In meinem dritten Semester hatte ich mir vorgenommen, 8 Klausuren zu schreiben. Dies war eindeutig zu viel Druck für mich und ich musste mich schließlich nach der dritten Klausur von allen übrigen abmelden, da ich einfach nicht mehr in der Lage war, mich auf das Lernen zu konzentrieren. Ich war wirklich am Boden zerstört und wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Aus diesem Grund habe ich mir Hilfe gesucht, denn man muss nicht immer alles alleine schaffen – aber das musste auch ich erstmal lernen.

Wegbereiter: Wie kam es, dass du dich genau für dieses Beratungsangebot entschieden hast und wie ging es von da an weiter?

Jessica: Ich habe einfach alle Hilfsangebote in Anspruch genommen, die ich finden konnte. Vielleicht habe ich mir innerlich auch erhofft, dass mir jemand sagen kann, was ich machen soll. Dies ist natürlich nicht richtig, denn man sollte seine Entscheidungen selbst treffen. Genau dabei hat mir die Beratung geholfen. Im Laufe der Beratungsgespräche kam ich zu der Überzeugung, dass es für mich das Richtige war, das Studium abzubrechen. Innerlich hatte ich bereits vor dem ersten Gespräch mit der Weiterführung meines Studiums abgeschlossen. Bis mir das klar wurde, war es ein langer Prozess, denn letztlich war es eine wirklich schwere Entscheidung für mich. Danach habe ich mich vor allem nach dualen Studiengängen erkundigt und viele Bewerbungen geschrieben. Nebenbei habe ich gearbeitet und mich erstmal um mich gekümmert. Ich hatte einige Bewerbungsgespräche – erfreuliche und eher wenig erfreuliche. Nach einem wirklich schrecklichen Bewerbungsgespräch, ging es mir nicht gut und ich habe Johanna kontaktiert. Sie hat sich unverzüglich bei mir gemeldet. Ich konnte am Telefon alles schildern und gleich über weitere Möglichkeiten sprechen. Das war wirklich super und hat mir sehr geholfen.

Wegbereiter: Wie hat dein soziales Netzwerk reagiert als du dich für den Studienabbruch entscheiden hast?

Jessica: Meine Familie war froh über meine Entscheidung, das Studium zu beenden, denn sie haben gesehen wie schlecht es mir damit ging. Ich habe grundsätzlich viel Unterstützung von ihnen bekommen, jedoch fand ich es wichtig, auch Tipps und Hilfestellungen von Außenstehenden zu bekommen, denn Freunde und Familie neigen dazu von etwas abzuraten, weil sie denken, es wäre nicht das Richtige für einen.

Wegbereiter: Wie zufrieden bist du abschließend mit der Beratungsleistung und mit deiner gegenwärtigen Situation?

Jessica: Ich bin mehr als zufrieden mit der Beratung von „Wegbereiter“ und bin sehr froh, auf das Projekt aufmerksam geworden zu sein. Mir hätte nichts Besseres passieren können. Meine gegenwärtige Situation ist der absolute Wahnsinn, anders kann ich es nicht sagen. Ich bin überglücklich. Auch viele der von „Wegbereiter“ empfohlenen Kontakte waren sehr hilfreich, z.B. die Studien und Berufsberatung der Agentur für Arbeit, weil diese mir noch weitere Kanzleien und Unternehmen genannt haben, die das duale Studium anbieten und bei denen ich mich noch für das Ausbildungsjahr 2017 bewerben konnte.

Wegbereiter: Würdest du das Beratungsangebot anderen Studierenden weiterempfehlen? Aus welchem Grund?

Jessica: Auf jeden Fall! Es ist jedem zu empfehlen, bei dem nur der kleinste Zweifel aufkommt! Hätte ich früher von dem Projekt erfahren, wäre ich schon viel eher in die Beratung gekommen. Dank Johanna und durch dieses Projekt wurde ich motiviert und gestärkt. Ich habe wieder Hoffnung bekommen, ein zu mir passendes (duales) Studium finden zu können und habe dieses Ziel auch erreichen können.

Wegbereiter: Kannst du von deinen Vorkenntnissen bzw. Vorerfahrungen profitieren? Wie beschreibst du deine berufliche bzw. persönliche Zukunft?

Jessica: Ja, sowohl von meiner bereits vorhandenen Ausbildung als auch von den drei Semestern, die ich an der TU war, konnte ich profitieren. Die Zeit war keine Verschwendung. Auch wenn ich das Studium nicht abgeschlossen habe, habe ich dennoch etwas gelernt. Ich werde das Duale Studium in BWL mit der Fachrichtung Steuern und Prüfungswesen mit Sicherheit erfolgreich absolvieren. Anschließend werde ich in der Kanzlei übernommen, bei der ich während des Studiums die Praxisphasen absolviere, um meine praktische Erfahrung zu vertiefen.

Wegbereiter: Was würdest du dir in Bezug auf den Übergang in die Praxis von potenziellen Arbeitgebern in der Region wünschen?

Jessica: Es gibt einige Unternehmen, die Studienabbrechenden eine Chance geben. Dies sollte mehr verbreitet werden. Ich persönlich habe auch deswegen so lange gebraucht, mich für den Abbruch zu entscheiden, weil ich geglaubt habe, ich wäre uninteressant für Unternehmen.

Wegbereiter: Welche Botschaft möchtest Du anderen Personen in einer ähnlichen Situation mitgeben?

Jessica: Sei mutig und stark und lass Dir helfen! Andere Sichtweisen können unheimlich helfen, genau das Richtige für Dich selbst zu finden.

Außerdem sollte man nicht verzweifeln, denn wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere – es kann zwar etwas dauern, aber sie öffnet sich!

 

Foto: Hoffmann/TU Clausthal

Mike: „Eine Stunde Zeit investiert – ein Berufsziel erkannt“

„Eine Stunde Zeit investiert – ein Berufsziel erkannt“

Mike, 27 Jahre, Ausbildung zum Steuerfachangestellten

Drei Jahre lang hat sich Mike aus seinem Studium der Wirtschaftsinformatik „geschlichen“. Er steht offen zu der Tatsache, dass er viele Semester lang keine einzige Lehrveranstaltung besucht hat. Erst im 14. Semester seines Wirtschaftsinformatik-Studiums an der TU Braunschweig hat er sich an „Wegbereiter“ gewandt.

Rückblickend denkt Mike heute, er hätte sich möglicherweise schon früher für den Studienabbruch entschieden. Aber Beratung wahrzunehmen, fiel ihm schwer. Stattdessen versuchte er lieber, das Thema mit Freunden oder Familienmitgliedern zu meiden und sich Gesprächen über Beruf/Studium zu entziehen. Gut gemeint, aber nachteilhaft waren Appelle wie: „Mach doch weiter! Du schaffst das schon!“ Ab einem bestimmten Zeitpunkt sei man gar nicht mehr an ihn herangekommen. Zu der Erkenntnis zu kommen, dass es nicht das Richtige war, hat einfach zu lange gedauert“, sagt Mike.

Vor gut einem Jahr hat er den Weg in die Zentrale Studienberatung der TU Braunschweig gefunden, deren Beratende ihm das Projekt Wegbereiter empfahlen. „Am Anfang hatten wir relativ viele Gespräche, die geholfen haben, einen Überblick darüber zu erhalten, was man machen kann. Die Frage war, was mache ich, wenn ich aufhöre, beziehungsweise welche Optionen habe ich gegenüber dem Studium?“, erzählt Mike. Wegbereiter hat ihn dann auf die Psychotherapeutische Beratungsstelle des Studentenwerks Ostniedersachsen hingewiesen, ebenso auf die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar.

Ein Orientierungspraktikum in einem Braunschweiger IT-Unternehmen, zu dem Wegbereiter den Kontakt herstellte, führte zu der Erkenntnis, dass ein beruflicher Neustart außerhalb der Hochschule die beste Lösung ist. Gleichzeitig half ihm die Erfahrung in dem Unternehmen, sich von der Informatik und der IT als Berufsziel zu lösen. Er schaute sich breiter um, machte ein weiteres Praktikum in einem Wolfsburger Steuerbüro, wo man ihm schließlich einen Ausbildungsplatz anbot. Ab ersten August beginnt er eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten.

Rückblickend bereue er den Weg an die Technische Universität nicht, denn es fehlte nicht mehr viel zum erfolgreichen Bachelor-Zeugnis. Auch habe das Studium im Großen und Ganzen Spaß gemacht: „Auf der anderen Seite ist es ja eine Erfahrung, die man gemacht hat. Diese prägt die Persönlichkeits-bildung. Und es war damals die richtige Entscheidung.“ Die Orientierungsberatung habe Mike geholfen, sich besser kennenzulernen, seine eigenen Bedürfnisse und Ziele zu formulieren und in den Mittelpunkt seiner zukünftigen Entwicklung zu stellen. Wichtig aus Mikes Sicht war es vor allem, Informationen über attraktive Alternativen zum damaligen Studium erhalten zu haben. Gemeinsam mit dem Projekt Wegbereiter erarbeitete Mike einen Zeitplan für einen Einstieg zum Ausbildungsstart 2017.

Mike rät dazu, Beratung in Anspruch zu nehmen von jemandem außerhalb des Familien- und Freundeskreises. „Es ist eine Stunde investierte Zeit. Wenn es nicht läuft, dann schiebt man alles ja nur vor sich her. Da kann man sich einfach Zeit sparen. Oder einen anderen Weg gehen, damit es (besser) läuft.“

 

Foto: Hoffmann/TU Clausthal

Sebastian: „Seid mutig – Geht Euren Weg“

„Seid mutig – geht euren weg“

Sebastian, 21 Jahre, Ausbildung zum Mechatroniker in Braunschweig

Schon länger hatte ich Gedanken wie: „Ist das eigentlich das, was ich einmal machen möchte?“ Als ich im 3. Semester meines Studiums Wirtschaftsingenieurwesen/Maschinenbau an der TU Braunschweig gerade meinen Drittversuch in der Prüfung Marketing und Unternehmensführung geschrieben hatte, habe ich also schon länger Zweifel gehabt. Durch den Artikel in der Braunschweiger Zeitung im März 2017 bin ich dann auf die Wegbereiter-Beratung aufmerksam geworden. Ich konnte mich vor allem mit der Geschichte von Thomas Jusko sehr identifizieren, da ich mich in einer ähnlichen Situation befand. Schon vor den Ergebnissen der Prüfung bin ich dann in die Beratung gegangen, um mir über Alternativen klar zu werden. Nach der Beratung kamen für mich zwei Optionen heraus: Entweder in einen anderen Studiengang an der Fachhochschule zu wechseln oder in eine Ausbildung zu gehen. Ich war damals noch im Zwiespalt, entschied mich aber im Laufe der Zeit in Richtung Ausbildung.

„Mache ich das Richtige?“

In der Situation, in der ich den Gedanken hatte „Ich leg das Studium ab“, in der man sich überlegt, soll man weiterkämpfen – da war es für mich wichtig, auch nochmal von außerhalb die Unterstützung zu bekommen. Mir wurde aufgezeigt, dass es andere Möglichkeiten gibt, dass es einen anderen Weg gibt, der einen zu dem Ziel bringt, das man selbst erreichen möchte. Man geht dann auch nochmal seine ganzen Werte durch und reflektiert, ob es überhaupt richtig war, diesen Weg bisher zu gehen. Ich hatte andere Vorstellungen vom Studium. Es lag mir nicht, zunächst die ganzen theoretischen Grundlagen aufzubauen, ohne Schwerpunkt oder praktischen Bezug. Die Vorstellungskraft, wie das in der Praxis funktionieren kann, hat mir dann einfach gefehlt. Rückblickend kann man sich, ähnlich wie bei der Studienentscheidung natürlich generell fragen, „Warum habe ich eigentlich Abitur gemacht?“, da hätte man die Zeit sicher auch anders nutzen können. Auf der anderen Seite kann man nicht wissen, ob ein Unternehmen später auf die Fachkenntnisse zurückgreifen möchte oder ob es ein berufsbegleitendes Studium wertvoll findet, was ich durch das Abitur dann angehen kann. Es ist jedenfalls keine verschenkte Zeit, sondern hilft einem vielleicht später nochmal, andere Ziele zu erreichen.

Neuer Weg

Mit der Beratung bei Wegbereiter bin ich sehr zufrieden, denn man wird einfach wertgeschätzt. Marcus hat mir wirklich sehr geholfen, vor allem dahingehend, wie ich den Studienabbruch in der Bewerbung unterbringen kann. Dass ich dazu bewusst stehen kann, indem ich sage: „Dieser Weg kommt nicht mehr für mich infrage, ich gehe einen anderen Weg“. Es hat mir Selbstvertrauen gegeben, dass Marcus mir dann gezeigt hat, dass es Betriebe gibt, die genau daran Interesse haben, weil sie jemanden wollen, der sich für den Betrieb entscheidet. Marcus hat mich noch weiterverwiesen und ich bin dann zur Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar gegangen, um mir dort Hilfe zu holen bei der Suche nach einer festen Ausbildungsstelle. Letztlich habe ich dann den Hinweis zum Betrieb, wo ich jetzt bin, über Bekannte bekommen. Der Betrieb hat mich sehr interessiert, vor allem auch, weil das Unternehmen Interesse an den Auszubildenden hat. Das war für mich wichtig, denn ich möchte mich im Leben weiterentwickeln und vielleicht in Führungsposition gehen. Jetzt mache ich also seit August 2017 die Ausbildung zum Mechatroniker in diesem Unternehmen und habe die Möglichkeit, später den Techniker oder Meister zu machen und selbst Ausbilder zu werden.

Künftigen Abiturienten möchte ich raten: Informiert Euch, geht Euren Weg und macht das, was für Euch interessant ist. Wenn man etwas macht, was einen nicht interessiert, dann fehlt einem irgendwann etwas. Es ist sinnvoll, die Studienberatung der Hochschulen und die Studien- und Berufsberatung der Agenturen für Arbeit zu nutzen. Studienzweifelnden kann ich nur sagen – seid mutig. Meine Erfahrung ist, je mehr man zweifelt, desto mehr kann es ein Zeichen sein, dass etwas vielleicht nicht passt.

Foto: Hoffmann/TU Clausthal

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