Brendan: „Es ist nie zu spät, seine Meinung zu ändern“

Brendan, 27 Jahre, Auszubildender zum Industriekaufmann

Im vergangenen Herbst bin ich final durch eine mündliche Prüfung in meinem Studium „Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik“ an der TU Braunschweig gefallen. Nach knapp über 12 Hochschulsemestern, während der ich einen Wechsel vom Schwerpunkt Maschinenbau auf Elektrotechnik vorgenommen hatte, stand ich nun plötzlich vor dem Ende des Studiums – ohne Abschluss.

Durch ein anderes Studienabbruch-Projekt an der Hamburger Uni bin ich auf die Wegbereiter-Beratung in Braunschweig gestoßen. Dort erhielt ich nach der ersten Kontaktaufnahme sehr zeitnah einen Beratungstermin. Für mich war das Ziel des Gespräches, meine Möglichkeiten nach dem Studienabbruch auszuloten, gegebenenfalls von neuen Möglichkeiten, die ich noch nicht in Betracht gezogen hatte, zu erfahren, sowie meine Fähigkeiten und Begabungen zu analysieren.

Aber die wichtigsten Punkte waren für mich, wie ich mit dem Abbruch in meiner weiteren Berufslaufbahn umgehen und für mich den „richtigen” Weg finden konnte.

Die beiden Gespräche mit Johanna und der kostenlose Berufsprofiling-Kompetenztest, den „Wegbereiter“ in Zusammenarbeit mit dem Rotary Club Braunschweig Hanse anbietet, bestärkten mich in meiner schon früh aufgekommenen Idee, eine Ausbildung zum Industriekaufmann anzufangen. Ich habe dann noch den Career Service der TU Braunschweig besucht, wo ich gute Tipps erhalten habe, und am Wegbereiter-Workshop „Selbstpräsentation – wie umgehen mit (Ab)Brüchen im Rahmen von Bewerbungen” teilgenommen, bei dem zwei Trainerinnen von der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) Möglichkeiten aufzeigten, wie ich mit meinem Abbruch im Bewerbungsprozess umgehen kann. Beide Angebote waren besonders hilfreich und haben mich nochmals gestärkt in Vorstellungsgespräche gehen lassen.

Zum 01.01.2018 habe ich dann schließlich noch kurzfristig in die schon laufende Ausbildung zum Industriekaufmann in der Nähe meines neuen Wohnortes Uelzen einsteigen können und seitdem hat sich mein Leben sehr gewandelt.

Nach dem Abbruch des Studiums hatte ich noch viele Selbstzweifel und auch Zukunftsängste. Sobald ich aber meine neue Ausbildung angefangen hatte, ging es für mich heraus aus dem vergleichsweise gemütlichen Tagesablauf des Studiums hin zu einem sehr strukturierten und vorgegebenen Tagesablauf.

Natürlich ist dies ein kompletter Neustart und ich muss weitere 2,5 Jahre mit wenig Geld auskommen, aber für mich gibt es im wirtschaftlichen Bereich in Industrieunternehmen viele Entfaltungsmöglichkeiten und Schnittpunkte mit dem technisch Erlernten aus dem Studium sowie darüber hinaus Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Mein durch das Studium trainierte systematische und strukturierte Denken und die Herangehensweise an Probleme, aber auch die bereits gewonnene Lebenserfahrung geben mir einen sehr großen Vorteil gegenüber den anderen Auszubildenden in der Schule, aber besonders auch im Unternehmen. Auch mein technisches Verständnis aus dem Studium kann ich als Industriekaufmann besonders an der Schnittstelle zur Produktion anwenden.

Mehr Sichtbarkeit für Projekte wie Wegbereiter wäre sehr sinnvoll, denn sie helfen schon dann, wenn Zweifel im Studium aufkommen und bevor es zu spät ist. Eine aktivere Betreuung der Studierenden in diesem Bereich wäre auf jeden Fall hilfreich. Ich kann jedem, der Zweifel an seinem Studium hat oder konkrete Möglichkeiten nach dem Abbruch sucht, nur empfehlen, die Angebote des Wegbereiter-Netzwerks in Anspruch zu nehmen. Bei einem Studienabbruch sollte auch die Anerkennung von Studienleistungen, die der Ausbildung fern sind, möglich sein, denn das Studium vermittelt nicht nur thematische Inhalte, sondern insbesondere methodische. Auch wäre mehr gesellschaftliche Akzeptanz von Studienabbrechenden und das Erkennen ihres Wertes für die Wirtschaft wünschenswert.

Im Rückblick kann ich nur sagen, dass es nie zu spät ist seine Meinung zu ändern und nichts bringt, mit seiner momentanen Situation unglücklich zu sein. Mein Motto ist heute: „No one ever made a difference by being like everyone else.”

Bildnachweis: privat

 

 

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