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Maria: „Einfach machen!“

Maria: Einfach machen!

Maria 30 Jahre, Studium in den Fächern Englisch mit dem Schwerpunkt Literaturwissenschaft, Philosophie mit dem Schwerpunkt Ethik, Erziehungswissenschaft und pädagogische Psychologie

Eines voraus: Niemand muss sich dafür schämen, dass es mit dem ersten Versuch, einen Beruf zu erlernen, nicht geklappt hat. Egal warum. Auch wenn es schwer sein kann, sie zu sehen, besonders ohne Hilfe, es gibt viele, viele andere Wege, manche davon garantiert besser.

Mein Name ist Maria und ich bin Software Tester auf dem Weg zum Testmanager. Ein Beruf, von dem ich zwei Wochen vor meiner Bewerbung nicht einmal wusste, dass es ihn gibt.

Eigentlich stand mein Weg schon vor dem Abi fest. Berufsbild: Lehrer. Was anderes gab es nicht. Ausgesucht hatte ich mir diesen Weg nicht, aber da ich gut und gerade mit „schwierigen“ Menschen kann und als Lehrer ganz passabel bin, war es auch egal. Nur leider nutzt alles Können nichts, wenn man verlässlich Leistung abliefert, wenn es nicht drauf ankommt, aber durch keine Prüfung kommt.

Der Druck es zu schaffen, stieg von Jahr zu Jahr und der Ausstieg, wenn auch nötig, schien durch die schon ins Studium gesteckten Ressourcen immer schwieriger. Anfang dieses Jahres habe ich dann endlich die Reißleine gezogen und stand nun erstmal ohne jede Perspektive da.

Zum Glück habe ich nach ein paar Wochen die Nummer des Projekts Wegbereiter gefunden und einfach mal angerufen. Ich bekam sehr schnell einen Termin und wurde super unterstützt. Herr Voitel war immer mit einem offenen Ohr und Ressourcen zur Wegfindung für mich da. Er hat mir geholfen, die Augen für andere Möglichkeiten zu öffnen und zu sehen, dass ich noch andere Fähigkeiten außerhalb des sozialen Bereichs besitze. Ohne ihn hätte ich nie von dieser Stelle erfahren und mich schon gar nicht an den IT-Bereich herangewagt.

Als Asperger Autist war besonders das Vorstellungsgespräch ein Gräuel für mich, doch auch hier konnte ich auf Herrn Voitel zählen und bekam nicht nur gute Tipps, sondern auch die Möglichkeit, die Situation einmal durchzuspielen und mein Auftreten objektiv bewerten zu lassen.

Allen, die sich in einer ähnlichen Ausgangssituation befinden wie ich vor einem Jahr, kann ich nur ans Herz legen, den Hörer in die Hand zu nehmen und die Hilfe der Wegbereiter in Anspruch zu nehmen. Auch wenn erstmal alles ausweglos erscheint, es gibt gute Wege nach dem Abbruch und auch die bisher ins Studium gesteckten Ressourcen waren nie vergeudet. Schließlich hat man was gelernt, auch ohne Abschluss.

Ich habe jetzt meine Laufbahn gefunden und auch wenn ich nie davon geträumt hätte, mich an irgendwas mit Code ran zu wagen, es macht mir Spaß und ich denke, das wird auch so bleiben.

 Also: Traut euch. Es kann nur besser werden!!!

Bildnachweis: Kreutzmann/TU Clausthal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Save the date 20.3.2019 – „Studium läuft nicht – Wir sind da!“

save the date: Studium läuft nicht – wir sind da!

2. Tag der gemeinsamen offenen Beratung am Mittwoch, den 20. März 2019 in Braunschweig (Berufsinformationszentrum, Cyriaksring 10, Eingang Münchenstraße) von 15:00 bis 18:00 Uhr

Hast Du Zweifel an Deinem Studium oder wächst Dir einfach alles über den Kopf? Stehst du vor der Entscheidung: Abbrechen oder Weitermachen? Beratungsexpert/inn/en aus dem ganzen Netzwerk unterstützen Dich gleichzeitig an einem Ort – Ein passendes Angebot, gerade wenn es um eine erste Orientierung geht!

Gemeinsam blicken wir ergebnisoffen in persönlichen Gesprächen auf Deine individuelle Situation und Deine nächsten Karriereschritte mit oder ohne Studienabschluss – egal, ob Ausbildung, Fortbildung, Praktika, Studien-/Abschlussarbeiten oder etwas ganz anderes. Wenn Du möchtest, vereinbaren wir direkt Folgetermine.

In unserer Talkrunde (15:00 Uhr) berichten Expert/inn/en aus der Praxis über Brüche und Umwege im Lebenslauf und geben Einblick in ihre Werdegänge, aber auch Arbeitgeber berichten von Einstiegsmöglichkeiten (u.a. zur Bewerbung und Vorbereitung für Auswahlgespräche) und ihre bisherigen Erfahrungen.

Wer sind Deine Beratungsexpert/inn/en?

  • Agentur für Arbeit Braunschweig – Goslar, vertreten durch die Studien- und Berufsberatung und Akademische Arbeitsvermittlung
  • DAA Braunschweig (angefragt)
  • Handwerkskammer Braunschweig – Lüneburg – Stade
  • HBK Braunschweig (angefragt)
  • Industrie- und Handelskammer Braunschweig
  • Kooperationsinitiative Maschinenbau e.V.
  • Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, vertreten durch Zentrale Studienberatung
  • Studentenwerk OstNiedersachsen (angefragt)
  • Technikakademie Stadt Braunschweig
  • Technische Universität Braunschweig, vertreten durch die Zentrale Studienberatung
  • Teutloff Technische Akademie gGmbH
  • Welfenakademie Braunschweig (angefragt)

Plus Bewerbungsmappencheck vor Ort!  Bitte Bewerbungsunterlagen mitbringen!

Anmeldung oder Kosten? Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Es ist alles kostenlos.

Anfahrt? Erreichbar ist das BiZ mit den Bahnen 3 und 5 (Richtung Weststadt und Broitzem) oder den Bussen 419, 429 und 443 (Haltestelle Cyriaksring)

Weitere Veranstaltungen in der Region?

  • 13.12.2018 „Zweifel am Studium?“ Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, BiZ Braunschweig (16.00 bis 17.00 Uhr)

Fabian: „Studienzweifel? Einfach mal die Perspektive wechseln!“

Fabian: Studienzweifel? Einfach mal die Perspektive wechseln!

Fabian 31 Jahre, Bachelor Sozialwissenschaften

Zweifel an der Studienwahl, keinen Bock zur Uni zu fahren und einfach alles zu viel – auch das gibt es während des Studiums. Mir persönlich half ein Perspektivwechsel in höchster Not. So hieß letztlich auch das Mentoring-Programm des Career Service der TU Braunschweig. Wie viele andere Bachelor-Studierende wollte auch ich wieder für den Studienalltag motiviert werden. Meine Fragen waren: Wie kann ich meinen Studienalltag besser strukturieren? Wie kann ich mich motivieren? Wichtige Tipps gibt es bei „PerspektivWechsel“!

Für mich war es das richtige Programm zur richtigen Zeit. Ich hatte schon häufig darüber nachgedacht, ob ich lieber in einer Kurzschlussreaktion abbreche und eine kaufmännische Ausbildung machen soll. Ich haderte dabei vor allem mit dem gewählten Studienfach, aber auch mit Spannungsfeld aus Perspektivlosigkeit und der Vielfalt an Jobmöglichkeiten im „Orchideen“-Fach Sozialwissenschaften. Zudem war es mein „Zeit- und Selbstmanagement“, mit dem ich zu kämpfen hatte. Im Studium muss ich mich selbst organisieren und mehrere Sachen (Job, Partnerschaft, Hobbies) unter einen Hutbekommen.

Probleme, mit denen ich – wie ich schnell bemerkt habe – nicht alleine bin. Durch das Netzwerk „Wegbereiter“ bin ich auf mehrere Lösungsperspektiven verwiesen worden und war froh darüber, dass ich an dem Mentoring „PerspektivWechsel“ teilnehmen konnte, da mir insbesondere der Kontakt mit Unternehmen aus allen einschlägigen Branchen der Region Braunschweig zugesagt hatte. Das Erstgespräch mit Judith Reiner, Projektkoordinatorin, hat letztlich den Ausschlag gegeben. Sie organisierte für uns ein tolles Rahmenprogramm aus Workshops zu Selbstpräsentation, Projektmanagement, Potenzialanalyse, Karriereberatung und Zeitmanagement.

Zudem war der persönliche Austausch mit den ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren, also mit Menschen, die bereits über viel Arbeits- und Lebenserfahrung, aber auch über einen nicht immer ganz geraden Lebenslauf verfügen, sehr hilfreich, um eine neue Motivation am Studium zu entwickeln. Mit meinem Mentor als idealen Tandempartner (aus dem Bereich Personal-/ Organisationsentwicklung) habe ich mich damals sechs Mal getroffen. In diesen Treffen habe ich ganz praktische Lerntipps erhalten, ein Feedback zu Wochenplänen oder Prüfungsergebnissen sowie zu meinen Ansprüchen an die Berufswelt eingefordert. Auch der Austausch mit den anderen Studierenden, von Biologie über Informatik, Bauingenieurwesen, Lebensmittelchemie bis Sozialwissenschaften, an der TU Braunschweig war sehr hilfreich.

Am Ende der Workshops und Gespräche war mir klar, dass ein Studienabbruch für mich (noch) keine Lösungsoption ist. Mein Fazit ist: Meine Studienprobleme sind nicht durch mangelnde intellektuelle Fähigkeiten oder mangelndes Interesse zu begründen, sondern sind durch meine bisherigen persönlichen Glaubenssätze (u.a. Leistungserleben) und der damit zusammenhängenden Unsicherheit, sowie (Versagens-)Angst zu Stande gekommen. Ich kann abschließend allen Studienzweifler/innen nur empfehlen: Habt den Mut, nehmt euch die Zeit und wendet euch an Beratungs- sowie Unterstützungsangebote vor Ort wie ZSB, Wegbereiter oder andere.

Insbesondere möchte ich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich Judith Reiner für die professionelle Koordination und meinem Mentor für das persönliche Engagement in der schwierigen Zeit danken!

Kommentar (Redaktion): Das Projekt „PerspektivWechsel“ läuft zum Mai 2019 aus und wird zum aktuellen Zeitpunkt keine neuen Mentees aufnehmen können. Bitte wendet euch bei Interesse oder Nachfragen bzgl. ähnlicher Angebote an die Zentrale Studienberatung/Projekt “Wegbereiter“ (wegbereiter-studienabbruch@tu-braunschweig.de) oder an den Career Service (careerservice@tu-braunschweig.de). Danke

Bildnachweis:„Wegbereiter“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oli: „Traue dich. Vertraue dich Anderen an und vertraue dir!“

Oli: „Traue dich. vertraue dich anderen an. vertraue dir!“

Oli, 26 Jahre, Auszubildender zum Bauzeichner

Meine zentralen Botschaften an alle Leser/innen lauten:

Traue dich!

Bereits vor dem ersten Treffen mit dem „Wegbereiter“ habe ich mit mir gerungen, ob ich eine persönliche Unterstützung und Hilfe von außen annehmen möchte und kann. Es hat mich sehr viel Mut und Entschlossenheit gekostet, mir einzugestehen, dass ich orientierungslos war. Den ersten Schritt zur Veränderung zu gehen, ist dabei einer der Schwierigsten. Auf der anderen Seite war mir klar, dass ich etwas Grundlegendes in meinem Leben verändern muss, weil es nicht mehr weitergehen konnte wie bisher. Ich habe mich verrannt und konnte alleine nicht mehr hinaus finden. Ich habe auch zu lange an gewohnten Dingen festgehalten, die mir nicht gut taten.

Vertraue dich Anderen an!

Ich muss sagen, dass es sich in meinem Fall gelohnt hat, den ersten Schritt zu gehen und sich Anderen anzuvertrauen. Es war ein tolles Gefühl zu wissen, dass da jemand ist, der mir eine Unterstützung bietet und mit dem ich vertraulich über meine Gefühle, Ängste und Perspektiven sprechen kann. Durch die für mich im Vordergrund stehende Begleitung, wusste ich, mit Herausforderungen umzugehen, meine inneren Antreiber zu akzeptieren, die mir sagten: „Warte mal! Probiere das mal aus! Traue dich!“. Neue spannende Wege (u.a. ein Praktikum im journalistischen Berufsfeld) auszuprobieren, waren dabei Meilensteine, die mir verlorenes Selbstbewusstsein, Struktur und neuen Mut zurückgegeben haben. Im Nachhinein ist für mich die Kernfrage: Was hätten andere tun können, damit ich mich angesprochen fühle und den Schritt in eine persönliche Beratung gehe? Es war ein großes Wirrwarr, in dem mir eine Orientierungshilfe fehlte (Was? Wer? Wann? Wie?).

Für mich persönlich wäre ein offener Umgang mit dem Thema Studienzweifel und den daraus entstehenden psychischen Konflikten und Problemen sehr wichtig, da für mich im Kosmos Universität kein Platz für andere Geschichten und Wege zu sein scheint*. Ich hätte mir schon viel früher einen toleranten Zufluchtsort gewünscht, an dem ich meine Zweifel zunächst ungezwungen äußern und besprechen kann, so wie es jetzt mit den „Wegbereitern“ möglich ist.

Vertraue dir!

Durch die intensive Begleitung im Netzwerk „Wegbereiter“, durch die offenen und stärkenden Gespräche mit meiner Freundin, mit meinen engsten Freunden und meiner Familie, sowie durch die neu gewonnene Selbstakzeptanz, konnte ich Kraft und Selbstbewusstsein tanken. Meine Stärken und bestehenden Ressourcen wurden mir durch die berufspraktischen Arbeitsproben (u.a. Praktika) und Bewerbungsverfahren bewusst.

Ich war wieder in der Lage über eigene Schwächen zu sprechen, mit Rückschlägen (im Bewerbungsverlauf) umgehen zu lernen und Lösungsperspektiven (u.a. die Wahl der dualen Ausbildung zum Bauzeichner) wahrzunehmen. Durch den hier dargestellten Prozess der Persönlichkeitsentwicklung habe ich eine Art „Frühwarnsystem“ herausbilden können, welches mich davor schützt, dass ich mich mit zu vielen negativen Emotionen oder Erlebnissen (durch äußere Akteure und Umstände) überlade. Außerdem lasse ich mich weiterhin von einem Therapeuten begleiten, was für mich ein Privileg darstellt und mir auf meinem weiteren Weg hilft – Scham spielt dabei keine Rolle mehr und darauf bin ich stolz.

Abschließend möchte ich sagen, dass Fehler und Schwäche zum Menschen und zum Erwachsenwerden dazu gehören. Das Wichtigste aber ist, dass man den Umgang mit ihnen lernt, um die Kontrolle zu behalten. Außerdem sind Gleichgewichte wichtig, egal in welchem Bereich des Lebens und man sollte sich nicht von Klischeesätzen (wie z. B. nach Regen kommt Sonnenschein usw.) verunsichern lassen. Alles klingt zunächst leichter gesagt als getan. Es darf auch manchmal schwer sein und wehtun. Ich habe gelernt, dass das OK ist. Doch wenn man den Mut zum ersten Schritt des Anvertrauens aufgebracht hat, steht man nicht mehr allein da. Ich hoffe, dass ich Kommilitonen hiermit den Mut zusprechen kann („Traue dich!“), sich Anderen anzuvertrauen und sich selbst zu vertrauen!

* Anmerkung: An der TU Braunschweig gibt es seit September 2018 ein BeratungsNavi unter https://beratungsnavi.tu-braunschweig.de/, welches Ratsuchenden schneller und eindeutiger den Weg in die zuständige Stelle ermöglichen kann. Probiere es aus!

Bildnachweis:„privat“

 

 

 

 

Tobi: „Raus aus dem Teufelskreis! Ich habe wieder Energie jeden Morgen aufzustehen und mit Freude zur Arbeit zu gehen“

Tobi: „Raus aus dem Teufelskreis! Ich habe wieder Energie jeden Morgen aufzustehen und mit Freude zur Arbeit zu gehen“

Tobi, 30 Jahre, Auszubildender zum Technischen Produktdesigner

Ich bin mittlerweile 30 Jahre alt und habe über viele Jahre studiert – ohne letztlich einen Abschluss in der Hand zu haben. Ich habe zunächst an der Technischen Universität Braunschweig mit Maschinenbau auf Diplom angefangen und bin dann zum Maschinenbau auf Bachelor gewechselt, mit der Hoffnung, schnell einen Abschluss zu bekommen. Das ist schon viele Jahre her. Im Wintersemester 2016/17 wurde ich in einem Fach aufgrund des endgültigen Nichtbestehens exmatrikuliert. Ab diesem Zeitpunkt war ich mir schon sicher, dass es so nicht mehr weitergeht und ich einen Neuanfang brauche. Ich habe mich in allen Richtungen umgesehen, habe es aber im Endeffekt nicht geschafft, den letzten Schritt zu machen. Aus diesem Grund habe ich mich zunächst provisorisch für ein anderes Fach immatrikuliert und mich gleichzeitig an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften beworben, damit ich dort Maschinenbau auf Bachelor weiterstudieren kann.

Diese sechs Monate, in denen ich gewartet habe, bis das Wintersemester an der Ostfalia angefangen hat, habe ich dazu genutzt, um eine passende Ausbildung oder auch eine andere Perspektive für mich zu finden. Diesen Ausweg habe ich jedoch nie gewagt. Das erste Semester an der Ostfalia hatte für mich angefangen. Da ich über 120 ECTS bereits an der TU Braunschweig erfolgreich erworben hatte, sollte ich die Vorlesungen aus den höheren Semestern anhören. Somit besuchte ich die regulären Vorlesungen aus dem 4. Semester. In dem Kreis der Studierenden habe ich mich nicht wohl gefühlt und konnte den Anschluss an die Cliquen und Lerngruppen nicht finden. Ich fühlte mich dort fremd und nicht gut aufgehoben. Mein Wunsch zur Veränderung wurde immer größer, aber den Mut dazu hatte ich noch nicht. Ich bin brav zu den Vorlesungen gegangen, habe mich für die Prüfungen angemeldet und habe diese auch geschrieben Jedoch meist ohne Erfolg. Eines Tages bat mich meine Tante, einen Termin mit dem Projekt „Wegbereiter“ wahrzunehmen. Ich hatte keine Ahnung, was die machen, wer die sind und was ich da überhaupt soll.

In Begleitung meiner Tante bin ich bei den „Wegbereitern“ herzlich empfangen worden. Ich habe meine Lebensgeschichte erzählt und durch gezielte Fragen wurde ich zum Nachdenken angeregt. Der erste Termin hat ca. zwei Stunden gedauert. Wir sind so verblieben, dass wir uns bald wieder treffen und über meine Situation weiterhin reden. Nach einigen Treffen und „Hausaufgaben“ habe ich den Entschluss gefasst, dass ich nicht mehr studieren möchte und lieber eine berufspraktische Ausbildung absolviere. Das Problem war, dass meine Familie zu dem Zeitpunkt nichts davon wusste und die einzige, die eingeweiht war (meine Tante), eigentlich gegen diese Entscheidung war. Ich wollte jedoch unbedingt diesen Schritt zu einem Neuanfang wagen. Ich wollte unbedingt entweder etwas in Richtung „Design/Technisches Zeichen“ machen oder zur Polizei gehen.

Im Projektkontext „Wegbereiter“ wurde mir empfohlen an einem „Berufsprofiling“-Test teilzunehmen, der durch den Rotary Club Braunschweig-Hanse Ratsuchenden zur Verfügung gestellt wird, um herauszufinden, wo meine Stärken, Interessen und Eignungen verortet sind. Daran anschließend hatte ich die Möglichkeit, die Ergebnisse mit zwei berufserfahrenen Rotary-Mitgliedern zu besprechen und eine zusätzliche Bestätigung für meinen Veränderungswunsch zu erfahren. Der Test hatte ergeben, dass die Richtung, die ich gehe, eigentlich „die Richtige“ ist und ich im „technisch-mechanischen“ Bereich sehr gut aufgehoben sei. Die Testergebnisse, die Gespräche mit meiner Familie haben mir die letzten Impulse gegeben, den nächsten Schritt zu machen und („gefühlt“) neu zu beginnen.

Anfang 2018 habe ich mich entschlossen, Bewerbungen für die Ausbildung als „Technischer Produktdesigner“ zu versenden. Ich habe mir einige Arbeitgeber ausgesucht und mich beworben. Der Bewerbungsprozess wurde stets durch Projektmitglieder unterstützt. Meine Fragen und Anliegen wurden beantwortet, meine Bedenken und Ängste zum Thema „Selbstpräsentation“ gehört. Schnell bekam ich eine telefonische Einladung zu einem persönlichen Bewerbungsgespräch in Wolfsburg. Das Gespräch hat dann die Woche darauf stattgefunden, und drei Tage später habe ich durch ein weiteres Telefonat die Stelle zum „Technischen Produktdesigner“ erhalten. Seit einem Monat bin ich im Unternehmen und fühle mich sehr wohl und endlich wieder wertgeschätzt.

Während der Bewerbungszeit habe ich weiterhin an verschiedenen Informationsveranstaltungen teilgenommen, die im Netzwerk „Wegbereiter“ durch die Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, durch Bildungsträger, Kammern und zentrale Studienberatungen durchgeführt wurden. Der „Tag der gemeinsamen, offenen Beratung“ im März 2018 im Berufsinformationszentrum (BiZ) Braunschweig war eine tolle Veranstaltung, da sich sämtliche Einrichtungen aus der Beratungs- und Bildungslandschaft aus Braunschweig für meine Zielgruppe „Studienabbrechende“ ausgiebig Zeit genommen hatten, gemeinsam Perspektiven „auf Augenhöhe“ zu schaffen.

Während meines Studiums habe ich zahlreiche Nebenjobs und Werkstudententätigkeiten wahrgenommen, um mein Leben zu finanzieren. Zeitweise habe ich nur den Status „Student“ gehabt, um sorgenfrei arbeiten zu können. Nun bin ich froh, diese Doppelbelastung nicht mehr zu erleben und wieder die Zeit und die Lust für andere Sachen zu haben, die ich vor dem Studium mit viel Begeisterung gemacht habe. Ich habe wieder Energie jeden Morgen aufzustehen und mit Freude zur Arbeit zu gehen. Auch wenn ich jetzt so alt bin, fühle ich mich trotzdem wohl, wieder zur Berufsschule zu gehen und Mitschüler zu haben, die teilweise erst 17 Jahre alt sind. Es ist toll, dass ich meine erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen in der Schülerschaft weitergeben kann und wieder „gefragt“ zu sein, wenn es um komplexe Problemlösungen geht. Auch die Praxis im Unternehmen fühlt sich sehr gut an. Mit einem anderen Azubi, der 25 Jahre alt ist, bilde ich ein gutes Tandem. Auch die Chancen einer Ausbildungszeitverkürzung sind gut. Ankommen ist aber zunächst mein vordergründiges Ziel!

Rückblickend war meine Studienzeit eine sehr schöne Zeit. Obwohl ich keinen Hochschulabschluss erlangt habe, war es auf jeden Fall keine weggeschmissene Zeit! Ich konnte mich in vielen Bereichen weiterentwickeln und meinen Horizont erweitern. Ich habe viele Jahre meine Schwierigkeiten im Studium verdrängt und – wie in einem Teufelskreis – Leistungen auf das nächste Semester geschoben und gehofft, dass es besser wird. Leider war ich nicht in der Lage eigenständig Hilfe zu suchen oder neue externe Impulse zuzulassen. Heutzutage will jeder das Beste für sich allein und schnell das Studium durchziehen. Wenn man aus dem Raster fällt, ist es schwer wieder aufzustehen und den Anschluss zu finden. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, immer wieder aufzustehen. Doch: Hätte meine Tante mich nicht auf das Projektnetzwerk „Wegbereiter“ aufmerksam gemacht, und hätte ich nicht letztlich all meinen Mut zur Veränderung zusammengenommen, wäre ich wohl kaum auf die Idee gekommen, sämtliche Einrichtungen zu besuchen, die mir sehr stark helfen konnten. Als Langzeitstudierender ist man meist auf sich allein gestellt, und nach jeder nicht bestandenen Prüfung verliert man die Lust weiter am Studierendenleben teilzunehmen und kapselt sich somit immer mehr ab. Letztlich kann ich zusammenfassen, dass es schön gewesen wäre, wenn ich bereits vor fünf Jahren diese externe Unterstützung bekommen und meinen aktuellen Weg eingeschlagen hätte.

An alle, die noch die Möglichkeit haben, solche Beratungslandschaften für Quereinsteiger oder Aussteiger („Studienabbrechende“), wie „Wegbereiter“ diese zusammengestellt hat, zu besuchen, nutzt es! Geht dort hin und redet offen über eure „Probleme“, anstatt diese auf das nächste Semester zu verschieben und in einem Teufelskreis zu enden. Denkt daran, dass es für einen Neuanfang nie zu spät ist. Man muss nur in der Lage sein und den Mut haben, Veränderungen zuzulassen. „Egal wann man einen Fisch angelt, der Fisch bleibt frisch“.

Bildnachweis: privat

 

 

Thomas: „Es fühlt sich gut an, zu wissen, wohin der Weg geht“

Thomas: „Es fühlt sich gut an, zu wissen, wohin der Weg geht“

Thomas, 23 Jahre, Auszubildender zum Feinwerkmechaniker

Vor vier Jahren habe ich mein Maschinenbaustudium an der TU Braunschweig begonnen. Ich war schon immer technikbegeistert – deshalb dachte ich, dass das der richtige Weg sei, um einen Beruf im Bereich Technik auszuleben.

Das Studium fand ich dann auch sehr interessant, vor allem die Mathematik hat mir großen Spaß bereitet. Das einzige Problem war, dass ich neben dem Studium noch in zahlreichen anderen Projekten engagiert war, was dazu geführt hat, dass ich weniger Energie in das Studium investiert habe und nicht gut vorankam. Die Zweifel wurden immer größer. Mir wurde zunehmend klar, dass ich meinen eigenen Weg einschlagen sollte – einen Weg, den ich für richtig halte. Das Problem daran waren die vielen Bedenken, wie mein Umfeld darauf reagieren würde. Als ich eine Prüfung zum dritten Mal nicht bestand, blieb mir keine andere Wahl, als mich nach etwas Anderem umzusehen.

In dieser Zeit stieß ich auf das Projekt „Wegbereiter“. In einem freundlich-offenen Gespräch in lockerer Atmosphäre ging es darum, eigenverantwortlich eine Lösung für meine Situation zu finden. Durch gezieltes Fragen wurde ich angeregt, meine Situation zu reflektieren und ehrlich meinen Status Quo festzustellen. Im Anschluss an meine Antworten darauf, welches meine Ziele sind und welche Wünsche ich für die Zukunft und einen passenden Beruf habe, welches meine Stärken und Schwächen sind, wurden zum einen meine Lösungsideen gesammelt und mir zum anderen auch weitere Vorschläge zu möglichen Lösungswegen gemacht, die sich aus dem Netzwerk der „Wegbereiter“ ergaben. Gleichzeitig haben mir die „Wegbereiter“ in einem Begleitprotokoll andere Beratungsstellen empfohlen, um spezifische Informationen zur Ausbildung einzuholen, unter anderem die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar und die Ausbildungsberatung der IHK Braunschweig.

In meinem Fall fiel die Option, etwas Anderes zu studieren, schnell weg, da ich in diesem Fachbereich bleiben wollte. An eine andere Fachhochschule wechseln wollte ich auch nicht, da ich noch von den erlebten Rückschlägen frustriert war und etwas Abstand gewinnen wollte. Eine Aus-/ Fortbildung zum Staatlich geprüften Techniker an der Technikakademie Braunschweig konnte ich auch nur mit einer vollständigen Berufsausbildung und einem Jahr Berufserfahrung beginnen. Also blieb letztlich nur noch die Option, eine gewerbliche Berufsausbildung zu beginnen. Ich war zuerst von der Ausbildungsdauer von bis zu 3,5 Jahren abgeschreckt. Außerdem fühlte es sich wie eine Degradierung an. Allerdings war ich mir sicher, dass kein anderer Weg für mich in Frage kam.

Heute bin ich froh, diesen Schritt gewagt zu haben. Ich durfte letztlich die Ausbildung um ein Jahr verkürzen, habe endlich regelmäßige Erfolgserlebnisse, da ich gute Leistungen in der Berufsschule und in der Praxis bringen kann. Außerdem habe ich konkrete Ziele, was ich danach machen will. Es fühlt sich gut an, zu wissen, wohin man gehen will und dass der Weg offen ist. Dieses Gefühl ist hundert Mal mehr wert, als die Meinung meines Umfeldes. Und auch wenn der Weg heute anders verläuft, als in meiner ursprünglichen Vorstellung vom „perfekten“ Berufsweg, kann mich dieser Weg genauso an mein persönliches Ziel bringen.

Bildnachweis: Wegbereiter

 

 

Sebastian: „Ich habe mit der Hochschule noch nicht abgeschlossen“

Sebastian: „Ich habe mit der Hochschule noch nicht abgeschlossen“

Sebastian, 27 Jahre, Servicetechniker für vertikale Mobilität

Ich habe bisher noch nie Tagebuch oder einen Blogbeitrag geschrieben, daher ist das hier Premiere für mich.

Mein Weg zu den Wegbereitern führte mich über viele Stationen: Nach meinem Abitur mit dem Schwerpunkt Wirtschaft leistete ich meinen Grundwehrdienst bei der Marine ab. Dort wurde ich der Elektrotechnik zugeteilt und wechselte Lampen, putzte und ging schiffstechnische Wache. Ich verlängerte den Wehrdienst nach den 6 Monaten auf insgesamt 22 Monate und nutzte die Zeit, um bezahlt etwas von unserem Planeten zu sehen, Kameradschaft zu erleben und um Bewerbungen für Ausbildungen zu schreiben.

Ich bekam meine Zusage für die Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik, als ich gerade irgendwo in der Biskaya (Seegebiet zwischen Frankreich und Spanien) weilte. Einige Zeit später war ich dann also wieder in Deutschland und absolvierte meine Ausbildung, welche ich, wie auch drei weitere Kollegen, sogar frühzeitig erfolgreich abschließen konnte. Sehr gern wollte ich mich noch weiterbilden und sah dazu in meinem unmittelbaren Arbeitsumfeld wenig Möglichkeiten, also bewarb ich mich für ein Bachelorstudium an der Hochschule. Zur Überbrückung arbeitete ich einen Monat in Braunschweig und startete dann im ersten Jahrgang des neuen Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen Elektro- und Informationstechnik an der Ostfalia in Wolfenbüttel. Das Studium war jedoch sehr viel theoretischer als erwartet und weil der Studiengang neu war, funktionierte auch noch nicht alles reibungslos im Ablauf. Nebenbei übernahm ich verschiedene Bauteilverantwortungen im Wob-racing der Ostfalia bei dem Formular Student Team, was mir insgesamt noch am meisten Spaß gemacht hat.

Nach 2 Jahren des Studierens hat mir die Theorie dann gereicht. Ich wollte zurück in die Praxis und lieber selbst etwas mit meinen Händen bewirken – denn die Aussicht, als Akademiker nach dem Studium hauptsächlich in einem Büro zu sitzen, fand ich für mich persönlich nicht sehr erstrebenswert.

Während dieser Phase des Zweifelns an meiner beruflichen Zukunft entdeckte ich einen Flyer vom Projekt „Wegbereiter“ und ging zu einem der offenen Beratungsnachmittage an der Ostfalia in Wolfenbüttel. Im Gespräch wurde mir in erster Linie zugehört und anschließend durch die gezielten Fragen geholfen, für mich selbst eine Richtung zu erkennen. Im Anschluss an das spontane Gespräch vereinbarten wir einen Folgetermin nach einer gewissen Zeit, um die bis dahin neu gesammelten Informationen und Erfahrungen gemeinsam auszuwerten. Schließlich beschloss ich, mich wieder zu bewerben – wichtig war mir dabei, eine Firma zu finden, die Weiterbildungen unterstützte und idealerweise Aufstiegsmöglichkeiten bot. Zunächst merkte ich in einigen Bewerbungsrunden, dass das gar nicht so einfach war, da viele einen Elektrotechniker suchten, der dann auch lange in diesem Bereich arbeiten sollte, was nun gar nicht mein Ziel war. Um das zu vermeiden, war ich ja schließlich ursprünglich an die Hochschule gegangen.

Nachdem ich mich bei einem Ingenieursbüro beworben hatte, mit dem das Projekt Wegbereiter in Kontakt stand, dauerte es nicht lange, bis ich dort im Bereich Absicherung und Testing beginnen konnte.

Es liefen jedoch parallel noch weitere Bewerbungen, bei denen ich mich letzten Endes zwischen drei Angeboten entscheiden musste und mich erneut für das stetige Auf und Ab entschieden habe – als Servicetechniker in der Aufzugsbranche.

Vollends abgeschlossen mit der Hochschule habe ich allerdings noch nicht.

Aktuell befinde ich mich noch in der Einarbeitung in meiner neuen Firma. Sobald ich vollends in dem Beruf angekommen bin, werde ich mich nach einem Fernstudium, möglicherweise mit primär wirtschaftlicher Ausrichtung, umsehen. Denn es soll für mich noch weitergehen.

Bildnachweis: privat

 

 

Brendan: „Es ist nie zu spät seine Meinung zu ändern“

Brendan: „Es ist nie zu spät, seine Meinung zu ändern“

Brendan, 27 Jahre, Auszubildender zum Industriekaufmann

Im vergangenen Herbst bin ich final durch eine mündliche Prüfung in meinem Studium „Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik“ an der TU Braunschweig gefallen. Nach knapp über 12 Hochschulsemestern, während der ich einen Wechsel vom Schwerpunkt Maschinenbau auf Elektrotechnik vorgenommen hatte, stand ich nun plötzlich vor dem Ende des Studiums – ohne Abschluss.

Durch ein anderes Studienabbruch-Projekt an der Hamburger Uni bin ich auf die Wegbereiter-Beratung in Braunschweig gestoßen. Dort erhielt ich nach der ersten Kontaktaufnahme sehr zeitnah einen Beratungstermin. Für mich war das Ziel des Gespräches, meine Möglichkeiten nach dem Studienabbruch auszuloten, gegebenenfalls von neuen Möglichkeiten, die ich noch nicht in Betracht gezogen hatte, zu erfahren, sowie meine Fähigkeiten und Begabungen zu analysieren.

Aber die wichtigsten Punkte waren für mich, wie ich mit dem Abbruch in meiner weiteren Berufslaufbahn umgehen und für mich den „richtigen” Weg finden konnte.

Die beiden Gespräche mit Johanna und der kostenlose Berufsprofiling-Kompetenztest, den „Wegbereiter“ in Zusammenarbeit mit dem Rotary Club Braunschweig Hanse anbietet, bestärkten mich in meiner schon früh aufgekommenen Idee, eine Ausbildung zum Industriekaufmann anzufangen. Ich habe dann noch den Career Service der TU Braunschweig besucht, wo ich gute Tipps erhalten habe, und am Wegbereiter-Workshop „Selbstpräsentation – wie umgehen mit (Ab)Brüchen im Rahmen von Bewerbungen” teilgenommen, bei dem zwei Trainerinnen von der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) Möglichkeiten aufzeigten, wie ich mit meinem Abbruch im Bewerbungsprozess umgehen kann. Beide Angebote waren besonders hilfreich und haben mich nochmals gestärkt in Vorstellungsgespräche gehen lassen.

Zum 01.01.2018 habe ich dann schließlich noch kurzfristig in die schon laufende Ausbildung zum Industriekaufmann in der Nähe meines neuen Wohnortes Uelzen einsteigen können und seitdem hat sich mein Leben sehr gewandelt.

Nach dem Abbruch des Studiums hatte ich noch viele Selbstzweifel und auch Zukunftsängste. Sobald ich aber meine neue Ausbildung angefangen hatte, ging es für mich heraus aus dem vergleichsweise gemütlichen Tagesablauf des Studiums hin zu einem sehr strukturierten und vorgegebenen Tagesablauf.

Natürlich ist dies ein kompletter Neustart und ich muss weitere 2,5 Jahre mit wenig Geld auskommen, aber für mich gibt es im wirtschaftlichen Bereich in Industrieunternehmen viele Entfaltungsmöglichkeiten und Schnittpunkte mit dem technisch Erlernten aus dem Studium sowie darüber hinaus Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Mein durch das Studium trainierte systematische und strukturierte Denken und die Herangehensweise an Probleme, aber auch die bereits gewonnene Lebenserfahrung geben mir einen sehr großen Vorteil gegenüber den anderen Auszubildenden in der Schule, aber besonders auch im Unternehmen. Auch mein technisches Verständnis aus dem Studium kann ich als Industriekaufmann besonders an der Schnittstelle zur Produktion anwenden.

Mehr Sichtbarkeit für Projekte wie Wegbereiter wäre sehr sinnvoll, denn sie helfen schon dann, wenn Zweifel im Studium aufkommen und bevor es zu spät ist. Eine aktivere Betreuung der Studierenden in diesem Bereich wäre auf jeden Fall hilfreich. Ich kann jedem, der Zweifel an seinem Studium hat oder konkrete Möglichkeiten nach dem Abbruch sucht, nur empfehlen, die Angebote des Wegbereiter-Netzwerks in Anspruch zu nehmen. Bei einem Studienabbruch sollte auch die Anerkennung von Studienleistungen, die der Ausbildung fern sind, möglich sein, denn das Studium vermittelt nicht nur thematische Inhalte, sondern insbesondere methodische. Auch wäre mehr gesellschaftliche Akzeptanz von Studienabbrechenden und das Erkennen ihres Wertes für die Wirtschaft wünschenswert.

Im Rückblick kann ich nur sagen, dass es nie zu spät ist seine Meinung zu ändern und nichts bringt, mit seiner momentanen Situation unglücklich zu sein. Mein Motto ist heute: „No one ever made a difference by being like everyone else.”

Bildnachweis: privat

 

 

Ives: „Ihr müsst selbst hinter Eurer Entscheidung stehen können“

Ives: „Ihr müsst selbst hinter Eurer Entscheidung stehen können“

Ives, 20 Jahre, 1. Semester Integrierte Sozialwissenschaften, TU Braunschweig

Zwei Semester lang habe ich „Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik“ studiert, bevor ich in die Wegbereiter-Beratung gegangen bin. Ich bin auf das Projekt durch Flyer in der Mensa aufmerksam geworden. Schon nach dem 1. Semester hatte ich Zweifel und habe Beratung in der Universität aufgesucht. Dort wurde mir aber zum Durchhalten geraten, ohne eine Veränderung vorzunehmen. Für das Studium entschieden hatte ich mich, da ich selbst in meiner Schulzeit schon an wirtschaftlichen Zusammenhängen interessiert war und etwas Zukunftssicheres suchte. Da lag es nahe, sich an dem zu orientieren, was mein Vater gemacht hatte, also die Elektrotechnik dazu zu nehmen. Nach dem zweiten Semester entschied ich mich dann, noch einmal eine zweite Meinung einzuholen.

Die Studienzweifel kamen bei mir hauptsächlich, nachdem trotz hohen Lernleistungen und einer hohen Leistungsbereitschaft die Noten einfach nicht besser wurden. Ich habe mich zwei Semester lang intensiv in Lerngruppen auf meine Prüfungen vorbereitet – doch die erbrachten Leistungen spiegelten mein Engagement am Ende nicht wider, während die anderen in der Gruppe durchaus Erfolge erzielten. Ein weiterer Grund für mich, das Wegbereiter-Projekt aufzusuchen, war, dass das Beratungsangebot mir unabhängig und freiwillig erschien. Mit der Unterstützung bin ich heute sehr zufrieden, da ich mich mit der nun getroffenen Entscheidung in einer besseren Ausgangssituation sehe. Während des Prozesses hat es mir persönlich an nichts gefehlt, es gab nur am Anfang eine erschwerte E-Mail-Kommunikation aufgrund von Serverproblemen, was aber schnell behoben wurde. Danach klappte die Abstimmung reibungslos.

Ich bin von Wegbereiter an verschiedene Angebote verwiesen worden, zum Beispiel den Studienfachworkshop der Zentralen Studienberatung der TU Braunschweig, und durfte einen weiteren Berufswahltest über Wegbereiter wahrnehmen. Beide Potenzialanalysen haben mir die Erkenntnisse aus den Gesprächen in der Beratung und meiner persönlichen Reflexion bestätigt: Dass ich eine andere fachliche Richtung wählen muss, bei der bestimmte Aspekte meiner Persönlichkeit besser berücksichtigt werden. In der Folge habe ich mich über alternative Studiengänge an der TU Braunschweig und an der Ostfalia HaW informiert, dort auch die Zentrale Studienberatung aufgesucht, um das Richtige für mich zu finden.

Heute ist der vierte Tag in meinem neuen Studium „Integrierte Sozialwissenschaften“ an der TU Braunschweig, und der Übergang hat sich sehr leicht gestaltet, da ich an der gleichen Uni geblieben bin und sich für mich nur der Campus ändert. Meine persönliche Zukunft wird sich hoffentlich klarer gestalten, da ich jetzt einen Studiengang besuche, welcher mich auch wirklich interessiert und wo ich meine persönlichen Interessen sehe. Ich hadere zwar mit mir selbst noch immer, ob die Entscheidung wirklich die richtige war, aber es war besser, eine Veränderung zu versuchen als ein stures „Weiter so“. Meine Freunde und Familie haben diesen Schritt problemlos mitgetragen, da wir alle offen über unsere Probleme sprechen.

Ich kann jedem Studierenden, der sich in einer ähnlichen Lage befindet, dieses Projekt empfehlen, da es selbst bei kleineren Zweifeln Hilfestellungen und Tipps von guten Beratern geben kann. Fangt nicht an etwas zu studieren, was auch eure Eltern studiert haben, frei nach der Idee: Was bei Papa und Mama klappt, klappt auch bei mir. Ihr solltet selbst dahinterstehen. Wenn ihr so in das Studium reingeht, habt ihr eine ganz andere Motivation, es auch durchzuziehen.

Foto: Wegbereiter

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