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Daria: „Die Exmatrikulation war das Beste, was mir passieren konnte“

Daria: „Die Exmatrikulation war das Beste, was mir passieren konnte“

Daria, 25 Jahre, holt ihre allgemeine Hochschulreife am Abendgymnasium nach

Aufbauend auf meiner Fachhochschulreife für Wirtschaft und Verwaltung habe ich an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel den Studiengang „Recht, Finanzmanagement und Steuern“ studiert. Nach 5 Semestern habe ich vor etwa einem Jahr dann eine Prüfung im Drittversuch nicht bestanden – und das war letztlich das Beste, was mir passieren konnte.

Es ist natürlich sehr schwierig, in dieser emotionalen Situation Beratung in Anspruch zu nehmen. Für mich war es insoweit schwer, weil ich erst einmal mich selbst sortieren musste – denn man weiß ja gar nicht, wie es weitergeht. Im ersten Moment muss man erstmal verarbeiten. Ich war dann bei meinem Lerncoach der Fakultät Recht (siehe Lerncoaching, Beratungsangebot an der Ostfalia HaW), welches an allen Fakultäten angesiedelt ist und Lernhilfen gibt, aber auch bei persönlichen Krisen oder Veränderungswünschen unterstützt). Die Beraterin hat mich auch in der Phase vor und nach der Exmatrikulation begleitet und empfahl mir die Wegbereiter. Eigenständig und selbst wäre ich, so glaube ich, nie darauf gekommen.

Ich hatte damals noch gar keine eigenen Alternativen im Kopf. Ich war erst einmal total verloren und wusste gar nicht, wo ich anfangen soll, ich hatte tausend Gedanken im Kopf. Somit war Wegbereiter eine sehr große Hilfe für mich. Die Unterstützung ist wirklich sehr individuell abgestimmt. Man lernt sich erst einmal kennen und dann stellt man dir die Frage: „Was ist denn jetzt dein Ziel?“ Darüber war ich mir auch schon während des Studiums gar nicht bewusst. Das hat sich erst in den Beratungsgesprächen herauskristallisiert. Ein Problem, mit dem ich zu kämpfen hatte, war halt die mangelnde Motivation, ein neues Studium anzugehen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich gedacht: „Du bist zu doof für ein Studium! Das hat jetzt nicht geklappt, also machst du halt eine Ausbildung.“ Aber da war die Frage: Welcher Beruf passt denn zu mir? Das habe ich mit in die Beratung genommen, und daraufhin haben mich die Wegbereiter unter anderem zum Career Service der Ostfalia und zur Studien- und Berufsberatung von der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar geschickt, wo zum Beispiel auch erstmal formale Qualifikationen, die ich schon mitbringe, aufgezeigt und gesammelt wurden. Tatsächlich war dann aber nichts dabei, was mich begeistert hat.

Parallel hatten mir die Wegbereiter noch ein Workshopangebot der Zentralen Studienberatung der TU Braunschweig empfohlen, bei dem mit Methoden der Potenzialanalyse gearbeitet wird. Dadurch habe ich erfahren, dass ich viel eher in Berufe passe, wo ich mich ausleben kann und anderen Menschen etwas beibringe, also künstlerisch-pädagogische Richtungen. Deshalb habe ich mich entschieden, weiter zu studieren – aber in eine ganz andere Richtung, nämlich in Richtung Lehramt. Mit meinem Fachhochschulabschluss kann ich das aber nicht machen, deshalb hole ich jetzt meine allgemeine Hochschulreife am Abendgymnasium nach und arbeite außerdem tagsüber.

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich bereits im 3. oder 4. Semester Zweifel an meinem Studium. Aber da man in einer Leistungsgesellschaft lebt, habe ich gedacht: „Nein, es ist nur mangelnde Motivation, die nach einer Zeit schon wiederkommt. Zieh das einfach durch!“ Und dementsprechend wurde ich von mir selbst, aber auch von meinen Freundinnen und Kommilitoninnen eben zum Weitermachen motiviert und animiert.

Bloß sollte es eben nicht sein. Es war nicht der richtige Weg für mich. Aus der Beratung habe ich zum Glück den Mut mitgenommen, meinen eigenen Weg zu finden und auch zu gehen.

Foto: Wegbereiter

Maverick: „Macht das, womit ihr euch wohlfühlt“

Maverick: Macht das, womit ihr euch wohlfühlt

Maverick, 22 Jahre, Auszubildender bei Cargill in Salzgitter

Schon früh in meinem Studium Mathematik und Geschichte auf Lehramt habe ich gemerkt, dass studieren mir nicht wirklich liegt. Ich hatte keinen geregelten Tagesablauf, die Lehrveranstaltungen waren mir viel zu theoretisch und die Klausuren liefen auch eher so mittelprächtig. Während des ersten Pflichtpraktikums im 2. Semester, bei dem ich hauptsächlich in der Schule hospitiert und kleine Unterrichtseinheiten übernommen habe, lief es aber noch ganz gut. Daher dachte ich mir: „Immerhin scheint der Beruf zu passen, dann lohnt es sich auch durchs Studium zu beißen!“

Als die nächsten Semester dann aber nicht besser liefen als die ersten beiden, ich Klausuren nicht bestanden hatte und meine Motivation völlig im Keller war, kamen die ersten echten Zweifel. Schaffe ich das Studium wirklich?
Dann kam das zweite Praktikum, in dem man bereits mehr Unterricht übernimmt und langsam an das täglich Brot eines Lehrers herangeführt wird. Zu dieser Zeit habe ich gemerkt, dass der Beruf des Lehrers nicht so richtig das ist, was ich wirklich möchte. Hier fiel eigentlich schon der Entschluss, dass ein Abbruch das Beste für mich wäre. Da ich für mich jedoch keinen Plan B hatte, war ich mit dieser Situation ziemlich überfordert.

Was sollte ich jetzt machen? Zurück zu den Eltern – eher keine Option.

Ein anderes Studium? Das erste hat ja schon nicht funktioniert.

Also habe ich beschlossen, mir für diesen Schritt Hilfe zu suchen – bei Google mithilfe der Stichworte:
„Studienabbruch Braunschweig“. Erster Link: Wegbereiter. Eine Initiative, direkt unterstützt von der Uni? Erst mal eine Mail schreiben und schauen, ob die einem wirklich helfen können. Zwei Tage später kam die Antwort. Eine Woche später hatte ich einen Termin, zu dem ich mit etwas mulmigen Gefühl hingegangen bin, denn es war das erste offizielle Gespräch abgesehen von Gesprächen im engsten Familien- und Freundeskreis.

Wir haben dann erst einmal viel über mich, das Studium und die möglichen weiteren Schritte gesprochen. Am hilfreichsten war schließlich die Weiterleitung an die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Auch hier habe ich schnell einen Termin bekommen. Mithilfe der verschiedenen Beratungen habe ich mich entschieden, dass ich statt des Studiums lieber eine Ausbildung machen möchte. Da es bereits März war, sah ich jedoch keine sonderlich großen Chancen mehr, für den Herbst noch einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar hat mich jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass es durchaus noch einige freie Ausbildungsplätze gab. Ich durfte an einem hervorragenden Bewerbungstraining teilnehmen und habe tatsächlich noch einen Ausbildungsplatz zum Industriekaufmann gefunden.

Während der ganzen Zeit hat Wegbereiter mich begleitet und unterstützt, wofür ich im Nachhinein wirklich dankbar bin. Als der Entschluss zum Abbruch fiel, war ich orientierungslos und wusste kaum, was ich stattdessen machen wollte und wie genau es weitergehen kann. Wegbereiter hat mir wie ein Leuchtturm verschiedene mögliche Wege gezeigt, wodurch ich seit inzwischen 6 Monaten zufrieden in der betrieblichen Ausbildung angekommen bin.

Der Abbruch hatte für mich persönlich auch keinerlei Nachteile. Im Gegenteil, er hat mich für die Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, interessanter gemacht. Die Klausuren in der Berufsschule sind im Gegensatz zu dem, was ich aus der Uni gewöhnt war, sehr einfach. Ich habe inzwischen einfach das Gefühl, ausbildungstechnisch das für mich Richtige zu machen – auch dank Wegbereiter.

Falls ihr ebenfalls in der Situation seid, dass ihr an eurer Studienwahl zweifelt, kann ich euch nur einen Tipp geben: Tragt diese Gedanken nicht allein mit euch rum. Sprecht mit irgendwem drüber, ganz egal ob Familie, Freunde oder Außenstehende. Und am wichtigsten: Macht das, womit ihr euch am wohlsten fühlt, unabhängig davon, was andere vielleicht von euch erwarten. Ein Studium passt meiner Meinung nach nun einmal nicht für Jeden. Das ist okay und keine Schande. Eine Ausbildung ist keine Sackgasse, man kann sich danach immer noch weiterbilden oder an die Universität zurückgehen, um nochmal zu studieren – dann aber mit einer völlig anderen Grundlage und anderen persönlichen Voraussetzungen.

 

Foto: Hoffmann/TU Clausthal

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