„Eine Stunde Zeit investiert – ein Berufsziel erkannt“

Mike, 27 Jahre, Ausbildung zum Steuerfachangestellten

Drei Jahre lang hat sich Mike aus seinem Studium der Wirtschaftsinformatik „geschlichen“. Er steht offen zu der Tatsache, dass er viele Semester lang keine einzige Lehrveranstaltung besucht hat. Erst im 14. Semester seines Wirtschaftsinformatik-Studiums an der TU Braunschweig hat er sich an „Wegbereiter“ gewandt.

Rückblickend denkt Mike heute, er hätte sich möglicherweise schon früher für den Studienabbruch entschieden. Aber Beratung wahrzunehmen, fiel ihm schwer. Stattdessen versuchte er lieber, das Thema mit Freunden oder Familienmitgliedern zu meiden und sich Gesprächen über Beruf/Studium zu entziehen. Gut gemeint, aber nachteilhaft waren Appelle wie: „Mach doch weiter! Du schaffst das schon!“ Ab einem bestimmten Zeitpunkt sei man gar nicht mehr an ihn herangekommen. Zu der Erkenntnis zu kommen, dass es nicht das Richtige war, hat einfach zu lange gedauert“, sagt Mike.

Vor gut einem Jahr hat er den Weg in die Zentrale Studienberatung der TU Braunschweig gefunden, deren Beratende ihm das Projekt Wegbereiter empfahlen. „Am Anfang hatten wir relativ viele Gespräche, die geholfen haben, einen Überblick darüber zu erhalten, was man machen kann. Die Frage war, was mache ich, wenn ich aufhöre, beziehungsweise welche Optionen habe ich gegenüber dem Studium?“, erzählt Mike. Wegbereiter hat ihn dann auf die Psychotherapeutische Beratungsstelle des Studentenwerks Ostniedersachsen hingewiesen, ebenso auf die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar.

Ein Orientierungspraktikum in einem Braunschweiger IT-Unternehmen, zu dem Wegbereiter den Kontakt herstellte, führte zu der Erkenntnis, dass ein beruflicher Neustart außerhalb der Hochschule die beste Lösung ist. Gleichzeitig half ihm die Erfahrung in dem Unternehmen, sich von der Informatik und der IT als Berufsziel zu lösen. Er schaute sich breiter um, machte ein weiteres Praktikum in einem Wolfsburger Steuerbüro, wo man ihm schließlich einen Ausbildungsplatz anbot. Ab ersten August beginnt er eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten.

Rückblickend bereue er den Weg an die Technische Universität nicht, denn es fehlte nicht mehr viel zum erfolgreichen Bachelor-Zeugnis. Auch habe das Studium im Großen und Ganzen Spaß gemacht: „Auf der anderen Seite ist es ja eine Erfahrung, die man gemacht hat. Diese prägt die Persönlichkeits-bildung. Und es war damals die richtige Entscheidung.“ Die Orientierungsberatung habe Mike geholfen, sich besser kennenzulernen, seine eigenen Bedürfnisse und Ziele zu formulieren und in den Mittelpunkt seiner zukünftigen Entwicklung zu stellen. Wichtig aus Mikes Sicht war es vor allem, Informationen über attraktive Alternativen zum damaligen Studium erhalten zu haben. Gemeinsam mit dem Projekt Wegbereiter erarbeitete Mike einen Zeitplan für einen Einstieg zum Ausbildungsstart 2017.

Mike rät dazu, Beratung in Anspruch zu nehmen von jemandem außerhalb des Familien- und Freundeskreises. „Es ist eine Stunde investierte Zeit. Wenn es nicht läuft, dann schiebt man alles ja nur vor sich her. Da kann man sich einfach Zeit sparen. Oder einen anderen Weg gehen, damit es (besser) läuft.“

 

Foto: Hoffmann/TU Clausthal

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