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Verbleib im Studium

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Elisa: „Wie kann ich „besser scheitern“? Das Lehramt ist keine Einbahnstraße!“

Elisa, 23 Jahre, Masterstudiengang Mathematik/Englisch auf Lehramt, TU Braunschweig

Elisa hat bereits im Oktober 2017 einen Blogbeitrag in Zusammenarbeit mit Wegbereiter veröffentlicht: https://www.wegbereiter-studienabbruch.de/elisa-dittmann-will-ich-wirklich-lehrerin-werden/. Wir sind froh, dass wir sie nun für einen Teil 2 über ihren weiteren Verbleib und wesentliche Tugenden und Kompetenzen sowie Handlungsempfehlungen für einen Quereinstieg gewinnen konnten. Wir öffentlichen das Interview in zwei Akten:

Marcus: Hallo Elisa, was hat sich bis jetzt Neues für dich ergeben?

Elisa: Zum Zeitpunkt des letzten Blogeintrags standen noch zwei Semester des Studiengangs „Master of Education“ vor der Tür, welche ich letztlich erfolgreich absolvierte und mein Studium Ende August beendete.

Der Gedanke, dass der Lehrerinnenberuf nicht das Richtige für mich ist, verschwand jedoch auch während der restlichen Zeit des Studiums nicht, sodass ich mich ein halbes Jahr vor dem geplanten Ende des Studiums entschloss, für Praktika in Unternehmen zu bewerben. Mein Plan war es, praktische Erfahrungen zu sammeln, die mir für anschließende Bewerbungen auf „richtige Jobs“ helfen würden.

Marcus: Und dann? Wie ist es dir gelungen, praktische Erfahrungen zu sammeln?

Elisa: Ich war sehr überrascht, welch positive Resonanz auf meine Praktikumsbewerbungen folgte. Ende Februar unterschrieb ich einen Praktikumsvertrag bei einem großen Versicherer in München, kündigte diesen jedoch nach einigen Wochen wieder, weil ich merkte, dass das Gesamtpaket für mich nicht stimmte. Also bewarb ich mich wieder neu. Nach dem Bewerbertag bei einem Automobilhersteller bekam ich das Feedback, dass ich überqualifiziert für ein Praktikum sei, schon zu viel wisse und mich in dem Praktikum wahrscheinlich langweilen würde. Zunächst ernüchterte mich diese Aussage sehr, denn ich dachte, dass mich Firmen für eine feste Anstellung als Quereinsteigerin nicht in Betracht ziehen würden – falsch gedacht! Motiviert von dem Feedback bewarb ich mich ausschließlich auf feste Anstellungen und bereits die erste Firma, mit der ich in den Bewerbungsprozess startete, entschied sich für mich. Nun arbeite ich seit September in meinem Traumjob.

Marcus: Traumjob? Was heißt das konkret?

Elisa: Mein beruflicher Weg verlief vom Lehramtsstudium direkt in die IT-Branche – das Lehramt ist keine Einbahnstraße! Vor einem Jahr hätte ich mir niemals erträumen können, dass ich direkt nach dem Studium in das Berufsleben starten und dass ich mich als Lehramtsstudierende gegenüber Absolventen*innen anderer toller Studiengänge durchsetzten kann. Lehramtsstudierende bringen in der Wirtschaft gesuchte Fähigkeiten mit, und wenn man den Lehrer*innenberuf unter die Lupe nimmt fällt auf, wie vielfältig und facettenreich das Aufgabengebiet ist und wie vielfältig die Fähigkeiten von Lehrern*innen zu sein haben.

Marcus: Ich kann mir vorstellen, dass dir viele bereits diese Frage gestellt haben. Warum lohnt es sich trotz Lehrermangel einen Quereinstieg zu wagen? Letztlich stellen wir in der Beratung fest, dass viele den umgekehrten Weg ins Lehramt suchen.

Elisa: Eine Reaktion auf meinen Wunsch, den Lehramtsberuf zu verlassen, war natürlich oft, dass ich gerade in der jetzigen Zeit besonders gefragt bin als Lehrerin und eine große Jobsicherheit hätte. Mir ist es aktuell jedoch am Wichtigsten, dass mich der Inhalt meines Jobs erfüllt und ich für die Themen brenne, mit denen ich mich doch den größten Teil des Tages beschäftige. Oft lese ich auch am Wochenende zu dem Themengebiet meines aktuellen Jobs, weil ich dabei so viel Freude und echtes Interesse verspüre. Dieses Bedürfnis, mich auch in meiner Freizeit mit Inhalten des Lehrerberufs auseinanderzusetzen, hatte ich während des Studiums leider nicht.

Marcus: Jetzt haben wir über deinen Weg gesprochen. Ich habe dich von Anfang an als einen sehr reflektierten Menschen wahrgenommen. Aus einer Beobachterperspektive: Welche Tugenden und Kompetenzen sind für einen Quereinstieg hilfreich?

Elisa: Natürlich benötigt man nicht für jeden Beruf die gleichen Kompetenzen, sodass ich hier keine generelle Aussage darüber treffen kann, welche Kompetenzen vorteilhaft sind. Jedoch knüpft die Antwort auf diese Frage perfekt an die vorherige an. Als ich auf mein aktuelles Arbeitsgebiet gestoßen bin, war ich total neugierig, interessiert und habe mir die theoretische Grundlagen des Jobs alleine angeeignet, weil es so viel Spaß gemacht hat, immer mehr davon zu lernen. Dieses Wissen hat in Bewerbungsgesprächen natürlich gezeigt, dass ich ernsthaftes Interesse an dem Beruf habe, bereits erste Kenntnisse mitbringe und bereit bin, mir neue Themengebiete zu erarbeiten die außerhalb meiner Studieninhalte liegen.

Marcus: Was war für dich die größte Hürde? Wovor hattest du am meisten Angst und wie bist du damit umgegangen? Wer hat dich auf deinem Weg unterstützt?

Elisa: Die für mich größte Hürde war zu entscheiden, welcher der nächste berufliche Schritt sein soll – in den Vorbereitungsdienst gehen oder die freie Wirtschaft erkunden? Als ich mich entschieden habe, den Schritt in die freie Wirtschaft zu wagen, habe ich mich durch die Coachings und Termine bei den Anlaufstellen, von denen ich euch in meinem ersten Blog-Post erzählt habe, bestärkt und befähigt gefühlt, die Gestaltung meiner beruflichen Zukunft selber in die Hand zu nehmen. Außerdem war ich durch das positive Feedback aus den Sessions bei den verschiedenen Anlaufstellen der Uni total selbstbewusst und habe eine tiefe Überzeugung gespürt, dass ich einen tollen Job finden werde – und so kam es dann auch (in der Psychologie nennt man das „Self-fulfilling Prophecy”). Bei den Bewerbungsschreiben und der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche haben mich Freunde und Familienmitglieder unterstützt, die selber in der freien Wirtschaft arbeiten und schon einige Erfahrungen mit Bewerbungsprozessen hatten. Jedoch bietet auch der Career-Service der TU Unterstützung bei der Vorbereitung von Bewerbungen an.

Der 2. Teil folgt demnächst.

Foto: Merle Janßen

 

Wie gravierend sind meine Studienzweifel? Welche Handlungsoptionen folgen daraus?

Selbstbeurteilungstool für das Studienabbruchrisiko

Gerne möchten wir Sie auf das Online-Selbstbeurteilungstool (Student Self-Reflection Tool, kurz: SRT) „PrevDrop“ aufmerksam machen. Dieses soll Studierenden helfen,  ihr individuelles Studienabbruchrisiko frühzeitig zu einzuschätzen. Insgesamt soll es helfen, überstürzte Studienabbrüche zu vermeiden und die Entscheidungskompetenz stärken. Habe ich das richtige Studienfach, die passende Hochschulform ausgewählt oder woran hakt es? Wo finde ich Unterstützung?

Die Bearbeitung dauert ca. 20-25 Minuten an. Das europäische Projekt (u.a. Partner in BUL, GB, ITA oder LUX) wurde finanziert mit Unterstützung der Europäischen Kommission und in Deutschland durch die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit sowie ZAB consult/RWTH Aachen und Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtlingen-Geislingen maßgeblich mitgestaltet.

Link: http://www.prevdrop.eu/de

Bleiben Sie neugierig und fragen Sie nach! Gerne können Sie den PDF-Ausdruck mit in die persönliche Beratung mitbringen!

  • Terminhinweis: 20.3.2019, ab 15.00 Uhr Veranstaltung  „Zweifel am Studium. Tag der offenen Beratung“ der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar im BiZ, Cyriaksring 10, 38118 Braunschweig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prüfungsangst, Aufschieberitis & Co. erfolgreich und selbstbewusst begegnen!

Wer kennt es nicht? Prüfungsangst, Aufschieberitis und Lampenfieber im Studium

Gerne möchten wir Sie auf das tolle, kostenfreie Angebot einer Veranstaltungsreihe der Universität Kassel zu den Themenblöcken aufmerksam machen. Timo Nolle wird alle, die gerade selbst vor schwierigen Prüfungen stehen oder andere Personen auf Prüfungen vorbereiten. Die Vorträge sind kostenfrei und ohne Anmeldung. Alle Vorträge können auch im Live-Stream angesehen werden. Nolle_Prüfungsangst_Offene Workshops

1.Termin: Prüfungsangst und Prüfungsvorbereitung (Datum: 21.01.2019)
jeweils 18:00 – 19:30

2.Termin: Motivation: Hilfe, die Prüfung hat keinen Bock auf mich! (Datum: 28.01.2019)

3.Termin: Leistungsdruck und Lampenfieber: Warum die „Bühne“ Angst macht. (Datum: 04.02.2019)

 Lassen Sie sich zu Ihren eigenen Weg inspirieren. Bleiben Sie neugierig, fragen Sie nach und suchen Sie nach Beratung hier vor Ort! Wir unterstützen Sie  gerne dabei.

Link zum Streamen: https://www.uni-kassel.de/einrichtungen/index.php?id=43798

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch nicht genug Gesichter und Geschichten über Perspektiven nach Studienzweifel gelesen?

Studienabbruch-und-dann.de

Gerne möchten wir Sie auf weitere Beiträge auf der BMBF-Webseite (Bundesministerium für Bildung und Forschung) aufmerksam machen, wo Sie vielfältige Geschichten aus dem kompletten Bundesgebiet erwarten. Welche Richtung schlagen diejenigen als Studienzweifelnde ein? Wohin gehen sie? Und wie kommen diese genau dorthin? Verbleibt und hat wie Erfolg im Studium, auch wenn zwischenzeitlich alles ausweglos erschien. Lassen Sie sich zu Ihren eigenen Weg inspirieren. Bleiben Sie neugierig und fragen Sie nach!

Link: https://www.studienabbruch-und-dann.de/de/chancen-ergreifen-1693.html

Raketenstart.tv

Für diejenigen, die schon einen Schritt weiter sind und nach einer Berufsausbildung in der Region Braunschweig Ausschau halten und mal etwas die Luft bei dem einen oder anderen Arbeitgeber schnuppern wollen, empfehlen wir https://www.raketenstart.tv/. Raketenstart.tv wird vom BZV Medienhaus GmbH betrieben.

 

  • Terminhinweis: 13.12.2018, ab 16.00 Uhr Veranstaltung  „Zweifel am Studium“ der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar im BiZ, Cyriaksring 10, 38118 Braunschweig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Save the date 20.3.2019 – „Studium läuft nicht – Wir sind da!“

save the date: Studium läuft nicht – wir sind da!

2. Tag der gemeinsamen offenen Beratung am Mittwoch, den 20. März 2019 in Braunschweig (Berufsinformationszentrum, Cyriaksring 10, Eingang Münchenstraße) von 15:00 bis 18:00 Uhr

Hast Du Zweifel an Deinem Studium oder wächst Dir einfach alles über den Kopf? Stehst du vor der Entscheidung: Abbrechen oder Weitermachen? Beratungsexpert/inn/en aus dem ganzen Netzwerk unterstützen Dich gleichzeitig an einem Ort – Ein passendes Angebot, gerade wenn es um eine erste Orientierung geht!

Gemeinsam blicken wir ergebnisoffen in persönlichen Gesprächen auf Deine individuelle Situation und Deine nächsten Karriereschritte mit oder ohne Studienabschluss – egal, ob Ausbildung, Fortbildung, Praktika, Studien-/Abschlussarbeiten oder etwas ganz anderes. Wenn Du möchtest, vereinbaren wir direkt Folgetermine.

In unserer Talkrunde (15:00 Uhr) berichten Expert/inn/en aus der Praxis über Brüche und Umwege im Lebenslauf und geben Einblick in ihre Werdegänge, aber auch Arbeitgeber berichten von Einstiegsmöglichkeiten (u.a. zur Bewerbung und Vorbereitung für Auswahlgespräche) und ihre bisherigen Erfahrungen.

Wer sind Deine Beratungsexpert/inn/en?

  • Agentur für Arbeit Braunschweig – Goslar, vertreten durch die Studien- und Berufsberatung und Akademische Arbeitsvermittlung
  • DAA Braunschweig (angefragt)
  • Handwerkskammer Braunschweig – Lüneburg – Stade
  • HBK Braunschweig (angefragt)
  • Industrie- und Handelskammer Braunschweig
  • Kooperationsinitiative Maschinenbau e.V.
  • Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, vertreten durch Zentrale Studienberatung
  • Studentenwerk OstNiedersachsen (angefragt)
  • Technikakademie Stadt Braunschweig
  • Technische Universität Braunschweig, vertreten durch die Zentrale Studienberatung
  • Teutloff Technische Akademie gGmbH
  • Welfenakademie Braunschweig (angefragt)

Plus Bewerbungsmappencheck vor Ort!  Bitte Bewerbungsunterlagen mitbringen!

Anmeldung oder Kosten? Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Es ist alles kostenlos.

Anfahrt? Erreichbar ist das BiZ mit den Bahnen 3 und 5 (Richtung Weststadt und Broitzem) oder den Bussen 419, 429 und 443 (Haltestelle Cyriaksring)

Weitere Veranstaltungen in der Region?

  • 13.12.2018 „Zweifel am Studium?“ Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, BiZ Braunschweig (16.00 bis 17.00 Uhr)

Fabian: „Studienzweifel? Einfach mal die Perspektive wechseln!“

Fabian: Studienzweifel? Einfach mal die Perspektive wechseln!

Fabian 31 Jahre, Bachelor Sozialwissenschaften

Zweifel an der Studienwahl, keinen Bock zur Uni zu fahren und einfach alles zu viel – auch das gibt es während des Studiums. Mir persönlich half ein Perspektivwechsel in höchster Not. So hieß letztlich auch das Mentoring-Programm des Career Service der TU Braunschweig. Wie viele andere Bachelor-Studierende wollte auch ich wieder für den Studienalltag motiviert werden. Meine Fragen waren: Wie kann ich meinen Studienalltag besser strukturieren? Wie kann ich mich motivieren? Wichtige Tipps gibt es bei „PerspektivWechsel“!

Für mich war es das richtige Programm zur richtigen Zeit. Ich hatte schon häufig darüber nachgedacht, ob ich lieber in einer Kurzschlussreaktion abbreche und eine kaufmännische Ausbildung machen soll. Ich haderte dabei vor allem mit dem gewählten Studienfach, aber auch mit Spannungsfeld aus Perspektivlosigkeit und der Vielfalt an Jobmöglichkeiten im „Orchideen“-Fach Sozialwissenschaften. Zudem war es mein „Zeit- und Selbstmanagement“, mit dem ich zu kämpfen hatte. Im Studium muss ich mich selbst organisieren und mehrere Sachen (Job, Partnerschaft, Hobbies) unter einen Hutbekommen.

Probleme, mit denen ich – wie ich schnell bemerkt habe – nicht alleine bin. Durch das Netzwerk „Wegbereiter“ bin ich auf mehrere Lösungsperspektiven verwiesen worden und war froh darüber, dass ich an dem Mentoring „PerspektivWechsel“ teilnehmen konnte, da mir insbesondere der Kontakt mit Unternehmen aus allen einschlägigen Branchen der Region Braunschweig zugesagt hatte. Das Erstgespräch mit Judith Reiner, Projektkoordinatorin, hat letztlich den Ausschlag gegeben. Sie organisierte für uns ein tolles Rahmenprogramm aus Workshops zu Selbstpräsentation, Projektmanagement, Potenzialanalyse, Karriereberatung und Zeitmanagement.

Zudem war der persönliche Austausch mit den ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren, also mit Menschen, die bereits über viel Arbeits- und Lebenserfahrung, aber auch über einen nicht immer ganz geraden Lebenslauf verfügen, sehr hilfreich, um eine neue Motivation am Studium zu entwickeln. Mit meinem Mentor als idealen Tandempartner (aus dem Bereich Personal-/ Organisationsentwicklung) habe ich mich damals sechs Mal getroffen. In diesen Treffen habe ich ganz praktische Lerntipps erhalten, ein Feedback zu Wochenplänen oder Prüfungsergebnissen sowie zu meinen Ansprüchen an die Berufswelt eingefordert. Auch der Austausch mit den anderen Studierenden, von Biologie über Informatik, Bauingenieurwesen, Lebensmittelchemie bis Sozialwissenschaften, an der TU Braunschweig war sehr hilfreich.

Am Ende der Workshops und Gespräche war mir klar, dass ein Studienabbruch für mich (noch) keine Lösungsoption ist. Mein Fazit ist: Meine Studienprobleme sind nicht durch mangelnde intellektuelle Fähigkeiten oder mangelndes Interesse zu begründen, sondern sind durch meine bisherigen persönlichen Glaubenssätze (u.a. Leistungserleben) und der damit zusammenhängenden Unsicherheit, sowie (Versagens-)Angst zu Stande gekommen. Ich kann abschließend allen Studienzweifler/innen nur empfehlen: Habt den Mut, nehmt euch die Zeit und wendet euch an Beratungs- sowie Unterstützungsangebote vor Ort wie ZSB, Wegbereiter oder andere.

Insbesondere möchte ich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich Judith Reiner für die professionelle Koordination und meinem Mentor für das persönliche Engagement in der schwierigen Zeit danken!

Kommentar (Redaktion): Das Projekt „PerspektivWechsel“ läuft zum Mai 2019 aus und wird zum aktuellen Zeitpunkt keine neuen Mentees aufnehmen können. Bitte wendet euch bei Interesse oder Nachfragen bzgl. ähnlicher Angebote an die Zentrale Studienberatung/Projekt “Wegbereiter“ (wegbereiter-studienabbruch@tu-braunschweig.de) oder an den Career Service (careerservice@tu-braunschweig.de). Danke

Bildnachweis:„Wegbereiter“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ives: „Ihr müsst selbst hinter Eurer Entscheidung stehen können“

Ives: „Ihr müsst selbst hinter Eurer Entscheidung stehen können“

Ives, 20 Jahre, 1. Semester Integrierte Sozialwissenschaften, TU Braunschweig

Zwei Semester lang habe ich „Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik“ studiert, bevor ich in die Wegbereiter-Beratung gegangen bin. Ich bin auf das Projekt durch Flyer in der Mensa aufmerksam geworden. Schon nach dem 1. Semester hatte ich Zweifel und habe Beratung in der Universität aufgesucht. Dort wurde mir aber zum Durchhalten geraten, ohne eine Veränderung vorzunehmen. Für das Studium entschieden hatte ich mich, da ich selbst in meiner Schulzeit schon an wirtschaftlichen Zusammenhängen interessiert war und etwas Zukunftssicheres suchte. Da lag es nahe, sich an dem zu orientieren, was mein Vater gemacht hatte, also die Elektrotechnik dazu zu nehmen. Nach dem zweiten Semester entschied ich mich dann, noch einmal eine zweite Meinung einzuholen.

Die Studienzweifel kamen bei mir hauptsächlich, nachdem trotz hohen Lernleistungen und einer hohen Leistungsbereitschaft die Noten einfach nicht besser wurden. Ich habe mich zwei Semester lang intensiv in Lerngruppen auf meine Prüfungen vorbereitet – doch die erbrachten Leistungen spiegelten mein Engagement am Ende nicht wider, während die anderen in der Gruppe durchaus Erfolge erzielten. Ein weiterer Grund für mich, das Wegbereiter-Projekt aufzusuchen, war, dass das Beratungsangebot mir unabhängig und freiwillig erschien. Mit der Unterstützung bin ich heute sehr zufrieden, da ich mich mit der nun getroffenen Entscheidung in einer besseren Ausgangssituation sehe. Während des Prozesses hat es mir persönlich an nichts gefehlt, es gab nur am Anfang eine erschwerte E-Mail-Kommunikation aufgrund von Serverproblemen, was aber schnell behoben wurde. Danach klappte die Abstimmung reibungslos.

Ich bin von Wegbereiter an verschiedene Angebote verwiesen worden, zum Beispiel den Studienfachworkshop der Zentralen Studienberatung der TU Braunschweig, und durfte einen weiteren Berufswahltest über Wegbereiter wahrnehmen. Beide Potenzialanalysen haben mir die Erkenntnisse aus den Gesprächen in der Beratung und meiner persönlichen Reflexion bestätigt: Dass ich eine andere fachliche Richtung wählen muss, bei der bestimmte Aspekte meiner Persönlichkeit besser berücksichtigt werden. In der Folge habe ich mich über alternative Studiengänge an der TU Braunschweig und an der Ostfalia HaW informiert, dort auch die Zentrale Studienberatung aufgesucht, um das Richtige für mich zu finden.

Heute ist der vierte Tag in meinem neuen Studium „Integrierte Sozialwissenschaften“ an der TU Braunschweig, und der Übergang hat sich sehr leicht gestaltet, da ich an der gleichen Uni geblieben bin und sich für mich nur der Campus ändert. Meine persönliche Zukunft wird sich hoffentlich klarer gestalten, da ich jetzt einen Studiengang besuche, welcher mich auch wirklich interessiert und wo ich meine persönlichen Interessen sehe. Ich hadere zwar mit mir selbst noch immer, ob die Entscheidung wirklich die richtige war, aber es war besser, eine Veränderung zu versuchen als ein stures „Weiter so“. Meine Freunde und Familie haben diesen Schritt problemlos mitgetragen, da wir alle offen über unsere Probleme sprechen.

Ich kann jedem Studierenden, der sich in einer ähnlichen Lage befindet, dieses Projekt empfehlen, da es selbst bei kleineren Zweifeln Hilfestellungen und Tipps von guten Beratern geben kann. Fangt nicht an etwas zu studieren, was auch eure Eltern studiert haben, frei nach der Idee: Was bei Papa und Mama klappt, klappt auch bei mir. Ihr solltet selbst dahinterstehen. Wenn ihr so in das Studium reingeht, habt ihr eine ganz andere Motivation, es auch durchzuziehen.

Foto: Wegbereiter

David: „Ein Aufbruch zu neuen Ufern“

David: „Ein Aufbruch zu neuen Ufern“

David, 22 Jahre, Studierender der Hochschule Harz in Wernigerode

Aufmerksam auf die „Wegbereiter“-Beratung bin ich durch einen Artikel in der Braunschweiger Zeitung geworden. Zu diesem Zeitpunkt war ich offiziell noch Student an der TU Braunschweig und immatrikuliert im Studiengang Bio-, Chemie- und Pharmaingenieurwesen. In Wahrheit besuchte ich da jedoch schon keine Lehrveranstaltungen mehr. Entschieden habe ich mich für diesen Studiengang hauptsächlich aufgrund guter beruflicher Aussichten nach erfolgreichem Abschluss sowie aufgrund meines Interesses im Bereich Biologie. Dass weitaus mehr von Nöten ist zum Bestehen dieses Technisch-naturwissenschaftlichen Studienganges als die Hoffnung auf gute Berufschancen sowie das Interesse in einem Teilbereich des Studiums, blendete ich zur damaligen Zeit aus. Ich war motiviert und dachte mir, wenn ich etwas wirklich will und das nötige Interesse habe, dann schaffe ich das! Was auch sicherlich kein falscher Ansatz gewesen ist – aber mindestens eine der beiden Bedingungen war offenbar nicht erfüllt!

Mit der Zeit – und vielen Vorlesungen später – war mir am Ende des ersten Semesters jedoch bewusst, dass es mir in vielen Fächern an Interesse fehlte und es immer schwerer wurde, etwas für das Studium zu tun, ohne ständig mit Misserfolgen konfrontiert zu werden, beispielsweise im Bereich Mathematik, wo es mir sowieso an Grundlagen fehlte. Im ersten Moment fühlte es sich so an, als ob ich zu früh aufgegeben hätte. Doch je weiter ich mir Gedanken machte desto bewusster wurde mir, dass es mich nicht glücklich machen würde, etwas größtenteils wegen der beruflichen Chancen zu studieren. Eine Veränderung musste her.

Selbstzweifel und die Unsicherheit über die eigene Zukunft machten es schwierig, über meinen eigenen Schatten zu springen, mein Ego abzulegen, Hilfe zu organisieren und nach neuen Wegen Ausschau zu halten. Zum Glück habe ich noch rechtzeitig erkannt, dass es keine Schande ist, sich Hilfe von außen zu holen. Und genau von da an half mir die Wegbereiter-Beratung. Nach dem ersten Gespräch mit Johanna war ich bereits etwas erleichtert. Es tat gut, mit jemandem über alles zu reden. „Personal Coaching“ trifft die Beratung im Wegbereiter Projekt wohl am besten. Es wird keine Schablone verwendet, welche für alle passen muss, sondern es wird personenspezifisch ein Profil erarbeitet, auf dem die weitere Beratung aufbaut. So half mir Johanna zurück zu meinen Stärken und Interessen zu finden. Ich habe zahlreiche Methoden und Übungen an die Hand bekommen, welche sehr hilfreich waren. Für mich war bald klar, dass ich weiter studieren wollte. Ich wurde außerdem an die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit verwiesen.

Vorerst war ich skeptisch, inwiefern mir die Agentur für Arbeit helfen soll. Doch durch die Studien- und Berufsberatung bin ich auf die Hochschule Harz und deren Studiengang „International Business Studies“ aufmerksam geworden. Ich war sofort begeistert – und ehe ich mich versah, bereits wenige Wochen später immatrikuliert an der Hochschule Harz! 😊 Die Region hat mir nicht nur als leidenschaftlicher Motorradfahrer zugesagt, sondern auch aufgrund der hohen Meinung, welche Bekannte mir über die Hochschule im beschaulichen Wernigerode zugesichert haben.

Inzwischen, ein halbes Jahr später, habe ich die erste Prüfungsphase überstanden, schon viele Leute kennengelernt und wohne in einer WG im Zentrum der Altstadt Wernigerodes. Ich bereue nichts von meinem bisherigen Weg, nicht den Misserfolg im alten Studium, weder den Studienabbruch in diesem Fach, noch die darauffolgenden Selbstzweifel, und schon gar nicht meine Entscheidung, mich bei den Wegbereitern der TU Braunschweig gemeldet zu haben. Ich habe während meines Studiums an der TU Braunschweig Leute kennengelernt, die immer noch zu meinem engsten Freundeskreis zählen und habe Erfahrungen gemacht, die prägend und wichtig für meinen weiteren Weg waren und sind, auf dem ich zu neuen Ufern aufgebrochen bin. So kann ich andere nur dazu motivieren, auch den Schritt zu gehen, sich Hilfe zu holen und den Studienabbruch nicht weiter als Tabuthema anzusehen.

Habt den Mut, offen darüber zu reden und ohne schlechte Gedanken zurückzublicken, um von dort aus neu zu starten!

Foto: Rockwell Fotografist

Dirk: „Probleme angehen und früh Beratung aufsuchen“

Dirk: „Probleme angehen und früh Beratung aufsuchen“

Dirk, 28 Jahre, Bachelor Maschinenbau im 8. Semester, TU Clausthal

Nach dem Abi war für Dirk klar, dass er erstmal eine Ausbildung zum Industriemechaniker machen möchte, um das Maschinenbaustudium an der TU Clausthal daran anzuschließen.

Immer wenn es im Studium mal nicht so lief, hatte Dirk in Gedanken seine Ausbildung im Rücken und wusste, dass er jederzeit in seinen Beruf zurückkann. Aber das wollte er nicht wirklich. Im 7. Semester schließlich war er an dem Punkt, an dem er etwas ändern wollte. Durch Zufall entdeckte Dirk zur gleichen Zeit auf der Startseite der TU Clausthal den Hinweis zu Wegbereiter und meldete sich für ein Beratungsgespräch an.

Zuvor war er bereits einige Male bei der Psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerks gewesen, um seine Probleme im Studium anzugehen. Mit Inga von Wegbereiter wollte er einmal alle Optionen alternativ zum Studium an der TU Clausthal ausloten, um sich dann für einen Weg zu entscheiden: „Wegbereiter konnte mir eine sachliche Unterstützung dabei geben, meine Gedanken, die ich mir im Vorfeld schon gemacht hatte, zu ordnen und mir einen Überblick zu verschaffen, um herauszufinden, was wirklich das bestes für mich ist.“ Nach der Sammlung aller Alternativen sollte Dirk diese auf einer Skala von 1-10 bewerten – dies beschreibt Dirk rückblickend als sehr hilfreich, weil es ihm seine eigenen Prioritäten vor Augen geführt hat. Ihm wurde klar, dass zwar momentan ein Abbruch sehr attraktiv erscheint, ihn langfristig gesehen aber nicht zufriedenstellen würde.

In der Beratung wurde daraufhin vereinbart, dass Dirk sich nach den Klausuren in seiner Heimatstadt über die einzelnen Alternativen genauer informiert. Die beiden realistischsten Alternativen zum derzeitigen Studium waren zum einen, das Studium möglicherweise an einer Fachhochschule weiterzuführen, zum anderen, eine Weiterbildung zum Techniker zu machen. Voraussetzungen und Termine dafür sollte er in Ruhe recherchieren. „Als ich mich damit dann beschäftigt habe, ist mir eigentlich relativ schnell selber klargeworden, dass das eigentlich alles irgendwo nur Ausflüchte sind“, sagt Dirk rückblickend. „Mir wurde klar, dass ich nach wie vor das Studium an der TU Clausthal abschließen wollte. Ich habe dann für mich entschieden, hier weiterzumachen und das Studium hier zu beenden.“ Im zweiten Gespräch mit Inga stand daher die Entscheidung für Dirk bereits fest.

Dirk ist nach der Wegbereiter-Beratung noch bei der Beratung für Langzeitstudierende der TU Clausthal gewesen. Er zählt zwar noch nicht zu den Langzeitstudierenden, „aber ich habe gedacht, bevor es soweit kommt, lieber erstmal alles abklären und gucken, was man machen kann, damit es gar nicht so weit kommt“.

Insgesamt war Dirk also bei drei Beratungsstellen, um seine Probleme im Studium zu besprechen. Er beschreibt, dass ihm besonders das Zusammenspiel aus den dreien sehr geholfen hat, um sich in seiner Situation zurechtzufinden. „Für mich war das eine gute Kombination und passt meiner Meinung nach auch gut zusammen“, so Dirk, da alle drei Beratungseinrichtungen Teilaspekte abdeckten. In seiner gesamten Studienzeit und all seinen Entscheidungen wird Dirk von seinem privaten Umfeld unterstützt – das hat ihm ebenfalls sehr geholfen bei seiner Entscheidung.

Was hat sich seit der Beratung für Dirk verändert? Es fällt ihm leichter, seinen Tagesablauf zu strukturieren. Alle drei Einrichtungen gaben ihm den Tipp, einen Tagesplan zu erstellen, um konzentriert zu lernen und sich geplante Pausen zu gönnen. „Für mich habe ich das nie so richtig umgesetzt, weil ich dachte, das klappt sowieso nicht. Aber für die letzte Klausur habe ich das so umgesetzt und war erstaunt, dass ich tatsächlich konsequent 8-9 Stunden durchlernen konnte, wo ich sonst nur 2 Stunden lernen konnte, bis ich wieder eine Ablenkung gefunden hatte.“ Diese Veränderung hat sehr gut funktioniert, sodass Dirk sich nun für sein Studium viel besser organisieren kann.

Dirk hat auch bereits eine Perspektive für die Zeit nach dem Bachelor gefunden: Er möchte in die Schweißtechnik. Dafür plant er, vor einem Masterstudium zunächst eine 6-monatige Weiterbildung in Vollzeit in diesem Bereich zu absolvieren. Mit dem entsprechenden Professor der TU Clausthal hat er schon über Anrechnungsmöglichkeiten dieser Weiterbildung im Masterstudium gesprochen. Rückblickend sagt Dirk, er würde seinen Weg genauso wieder gehen und eine Ausbildung vor dem Studium machen. Auch in Bezug auf den Beratungsprozess würde er wieder so vorgehen und sich von verschiedenen Einrichtungen beraten lassen, denn „das hat mir persönlich wirklich sehr viel gebracht und auch gut gefallen“. Er rät allen Zweifelnden: „Sobald Probleme auftreten: Diese angehen! Wenn es nicht von alleine klappt, gleich Beratung suchen.“

Foto: Wegbereiter (Dirk und Beraterin Inga)

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